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Automarkt April 2019

Gebrauchtwagen so teuer wie nie

Immer jüngere Autos mit immer geringeren Kilometerständen und eine wachsende Nachfrage lassen die Gebrauchtwagenpreise derzeit stark ansteigen. Mobile.de und Autoscout24 kommen jedoch auf völlig unterschiedliche Zahlen.

Wo Schatten ist, ist manchmal auch Licht. Wie aktuell auf dem Automarkt: Während es bei den Neuzulassungen derzeit knirscht, läuft es auf dem Gebrauchtwagenmarkt super. Insgesamt 745.063 Halterwechsel bescherten dem gesamten Gebrauchtfahrzeugmarkt im April ein sattes Plus, sagt das Kraftfahrt-Bundesamt. Gegenüber dem Vormonat wechselten 3,1 Prozent mehr Fahrzeuge den Besitzer, im Vergleich zum April 2018 waren es 1,3 Prozent. Bei den Pkw waren es 634.147 Besitzumschreibungen – ein Plus von 1,7 Prozent zum März 2019 und von 2,4 Prozent zum April 2018.

Die Standzeiten von Gebrauchtwagen werden kürzer

Auch die Tendenz zeigt klar nach oben: Zwischen Januar und April wurden in Deutschland 2.763.076 gebrauchte Fahrzeuge verkauft – 0,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Auf Pkw entfallen davon 2.416.757 Besitzumschreibungen – 0,5 Prozent mehr als in den ersten vier Monaten 2018.

Was die Behörden beobachten, bestätigen die großen Gebrauchtwagenportale mit detaillierteren Zahlen. So standen im April verkaufte Gebrauchtwagen laut Mobile.de im Schnitt nur 96 Tage beim Verkäufer – und damit 3,5 Prozent kürzer als im März sowie 3,7 Prozent kürzer als im Vorjahr. Besonders begehrt waren Kleinwagen; sie warteten nur 88 Tage auf einen Käufer. Oberklasse-Pkw fanden hingegen erst nach durchschnittlich 114,5 Tagen einen Abnehmer, gefolgt von Sportwagen mit 107 Tagen. „Zum ersten Mal seit genau drei Jahren sind die Standtage im Jahresvergleich wieder gesunken“, erklärt Daniel Breves, Commercial Director bei Mobile.de.

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Kilometerstände sinken, Preise steigen

Das wirkt sich auf andere Statistiken aus. So sind die angebotenen Autos mit im Schnitt 41 Monaten immer jünger – ein um 3,2 Prozent geringeres Durchschnittsalter als im Vorjahr. Wenig überraschend: Mit 31 Monaten sind SUVs am jüngsten; sie waren damit im April 2019 acht Prozent jünger als im April 2018. Entsprechend sinken auch die Laufleistungen der Gebrauchtwagen. Der durchschnittliche Kilometerstand lag im vergangenen Monat bei 51.264 und damit satte 5,4 Prozent niedriger als im April 2018. Auch hier bestätigt sich ein Trend: Seit Anfang 2018 sinken die Laufleistungen laut Mobile.de kontinuierlich.

Das Problem für die Käufer: Die steigende Nachfrage sowie die jüngeren Autos lassen die Preise steigen. „Zum ersten Mal überhaupt übersteigt der durchschnittliche Angebotspreis der Gebrauchtwagen die 24.000 Euro-Grenze“, sagt Breves. Inseratspreise von durchschnittlich 24.093 Euro bedeuten nicht nur einen Anstieg zum Vorjahr um 3,7 Prozent, sondern sogar ein Rekordhoch. Besonders Sportwagen sind im Vergleich zum Vorjahr teurer geworden (plus 8,6 Prozent). Aber auch die Obere Mittelklasse (plus 5,7 Prozent) und Kleinwagen (plus 5,6 Prozent) haben preislich spürbar zugelegt.

Ganz Junge und ganz Alte legen preislich zu

Auch Konkurrent Autoscout24 berichtet über Rekordpreise. Allerdings kommen die Münchner auf deutlich niedrigere Durchschnittspreise als die Berliner, was an Unterschieden in der Datenbasis und Berechnungs-Methodik liegt. Glaubt man dem AutoScout24-Gebrauchtwagen-Preis-Index (AGPI), dann kostete ein durchschnittlicher Gebrauchter im Februar dieses Jahres 20.771 Euro; macht 1,6 Prozent bzw. 330 Euro Plus im Vergleich zum Januar. Enorm ist der Unterschied zum Februar 2018, als ein Durchschnitts-Gebrauchter bei Autoscout noch 20.059 Euro kostete. Hier beträgt das Plus demnach 3,5 Prozent.

05/2019, AutoScout24-Gebrauchtwagen-Preis-Index (AGPI) Februar 2019
AutoScout24
Ansteigende Kurve: Autoscout24 berichtet von Gebrauchtwagenpreisen auf Rekordniveau.

„In Summe haben sich vor allem jüngere Fahrzeuge verteuert“, sagt Jochen Kurz, Director Product bei AutoScout24. Zwar machten mindestens 30 Jahre alte Oldtimer mit einem Preissprung von zwei Prozent einen besonders großen Schritt nach vorne. Aber direkt dahinter folgen mit einem Zuwachs von je 1,3 Prozent junge Gebrauchte im Alter von bis zu einem Jahr sowie zwischen ein und drei Jahren.

Betrachtet nach Fahrzeugklassen legten vor allem die Preise in der Oberklasse (plus 2,4 Prozent) und bei den Vans (plus 2,1 Prozent) zu. Aber auch alle anderen Segmente profitierten von der positiven Gesamtentwicklung, die sich sowohl in einem größeren Angebot (plus 5,7 bis 8,5 Prozent, je nach Fahrzeugklasse) als auch in stark gestiegenen Seitenaufrufen ausdrückt. Diese Statistik, von Autoscout „Beliebtheit“ genannt, stieg bei den Kleinwagen, der Kompaktklasse und bei den Vans im zweistelligen Prozentbereich.

Fazit

Mögen sich die Detailzahlen auch unterscheiden, der Trend spricht eine klare Sprache: Autokäufer greifen derzeit lieber zu jungen Gebrauchten als zu Neuwagen – aus welchen Gründen auch immer. Das könnte die Autobauer bei Neufahrzeugen mittelfristig weiter unter Druck setzen und die eh schon heftige Rabattschlacht weiter intensivieren. Profitieren könnten Neuwagenkäufer, vor allem jene von Modellen der in ihrer Beliebtheit sinkenden Segmente wie der (oberen) Mittelklasse oder der Vans.

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