Biosprit E10

Steigende Benzinpreise erwartet

E10 Kraftstoff, Biosprit Foto: dpa

Der Autoclub ADAC rechnet angesichts des Desasters um die Einführung des neuen Biosprits E10 mit weiter steigenden Benzinpreisen. Den Ölfirmen drohten wegen der Verzögerungen Vertragsstrafen in Höhe von vielen Millionen Euro, die sie nun über höhere Benzinpreise an die Kunden weitergeben würden, sagte ADAC-Präsident Peter Meyer der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag".

"Die Verbraucher müssen nun über einen weiteren Anstieg der Benzinpreise die Zeche für die dilettantische Einführung von E10 zahlen", sagte Meyer. Von den Autoherstellern forderte der ADAC-Präsident "rechtsverbindliche Aussagen", welche Autos E10 vertragen, und eine Verpflichtung zum Schadensersatz, wenn es zu Schäden kommt. "Also eine Beweislastumkehr zugunsten des Kunden."

Nur ein Drittel tankt E10

Die Mineralölfirmen wiederum müssten ihre Preispolitik so gestalten, dass E10 günstiger angeboten werde als herkömmliches Super E5. Den Mineralölkonzernen warf Meyer vor allem vor, keinen klaren Starttermin der zum Jahreswechsel eingeführten Sorte festgelegt zu haben, zu dem es dann auch verfügbar sei. "Weil dies nicht geschehen ist und es irgendwann im Februar unkoordiniert losging, waren schon viele Verbraucher völlig verunsichert." Nach Branchenangaben tankt bislang nur etwa ein Drittel aller Autofahrer den neuen Kraftstoff. 

Wie der ADAC am Mittwoch (30.3.) mitgeteilt hatte, stieg der Preis für Super E10 seit voriger Woche im bundesweiten Durchschnitt um 0,6 Cent auf 1,521 Euro. Diesel verbilligte sich zwar im selben Zeitraum um 0,7 Cent, kostet aber dennoch aktuell 1,434 Euro. Die Preise für traditionelles Super-Benzin vergleicht der Automobilclub nicht mehr bundesweit, da unter dem Namen sowohl Super Plus als auch Superkraftstoff mit einem Ethanolanteil von fünf Prozent verkauft und ein Preisvergleich schwer möglich sei. 

Konzernen drohen Strafzahlungen

Wegen der anhaltend schwachen Nachfrage nach E10 lassen die Kraftstoffkonzerne BP und Total schon wieder mehr herkömmliches Super-Benzin herstellen. Die Mineralölkonzerne sind längst skeptisch, ob sie die von der Politik vorgeschriebene Biosprit-Quote überhaupt erreichen. Die EU schreibt mehr erneuerbare Energien für den Transportsektor vor. Deutschland setzte das unter anderem damit um, dass E10 Hauptbenzinsorte werden muss. Wird die Quote nicht erfüllt, drohen Strafzahlungen. Experten fürchten, dass die Mineralölkonzerne diese auf die Spritpreise eins zu eins aufschlagen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Branche davor gewarnt, Strafzahlungen für zu wenig verkauften Biosprit an die Tankkunden weiterzureichen.  

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