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Weniger Verkehr, weniger Unfälle

Autofahrer können auf Versicherungs-Rückzahlungen hoffen

Haben die aktuellen Ausgangs-Beschränkungen und das damit sinkende Verkehrsaufkommen Einfluss auf die Kfz-Versicherungs-Prämien? Ja, erste Versicherer kündigen bereits Rückzahlungen an.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelten in den meisten Ländern Ausgangs-Beschränkungen, zudem arbeiten viele Menschen im Homeoffice. Dies hat auch ein signifikantes Absinken des Verkehrsaufkommens zur Folge. Damit legen die Autofahrer weniger Kilometer zurück und es gibt weniger Unfälle. In den USA haben die Versicherungskonzerne bereits Anfang April 2020 angekündigt, wegen der geringeren Kosten für Ersatzteile und Autoreparaturen, Millionensummen an überschüssigen Prämien an die Fahrzeughalter zurückzuzahlen. Allstate, der viertgrößte Autoversicherer der USA, zahlt beispielsweise 600 Millionen Dollar (aktuell umgerechnet zirka 552 Millionen Euro) an seine Kunden zurück. Wir haben beim Tarif-Vergleichsportal Verivox nachgefragt, ob sich deutsche Autohalter über vergleichbare finanzielle Entlastungen freuen können.

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Je weniger Verkehr, desto weniger Unfälle: Während der Corona-Pandemie sinkt das Verkehrsaufkommen auf Grund der Ausgangsbeschränkungen erheblich.

Fahrleistung in Deutschland wichtig

Verivox-Chef Wolfgang Schütz erläutert, dass eine in den USA übliche direkte Teilerstattung der Kfz-Versicherungsprämie in Deutschland unbekannt ist. Hierzulande ist die voraussichtliche Kilometerleistung Teil der Beitragsberechnung. Wer also weniger fährt, zahlt auch weniger. In den USA sind die Menschen beispielsweise während der letzten drei Märzwochen 40 Prozent weniger gefahren als sonst. Verivox hat über 300 Vollkasko-Tarife ausgewertet: Wer nur 14.000 anstelle von 20.000 Kilometern fährt, zahlt durchschnittlich zwölf Prozent weniger. Die Ersparnis beträgt je nach Versicherer zwischen fünf und 24 Prozent. Wer 17.000 anstelle von 20.000 Kilometern fährt, spart im Schnitt noch sechs Prozent. Über die Hälfte der Versicherer bot hier einen geringeren Versicherungsbeitrag.

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Die niedrigere Anzahl von Schadensfällen ist über die Laufleistung in den Versicherungsprämien eingepreist.

Es gibt Geld zurück

Wer deutlich weniger Kilometer fährt als angekündigt, bekommt auch in Deutschland Geld von seiner Kfz-Versicherung zurück. Einige Versicherungen fragen am Ende des Jahres nach dem Kilometerstand, bei anderen muss sich der Halter aktiv melden und um eine Verrechnung bitten. Bei Direktversicherern ist dies wegen der Möglichkeit, online Daten zu ändern, am einfachsten. Ob sich eine Nachfrage lohnt, hängt davon ab, ob der Fahrer bestimmte Kilometer-Schwellenwerte unterschreitet. Klassische Schwellenwerte sind beispielsweise 9.000, 12.000, 15.000 und 20.000 Kilometer. Beim Unterschreiten eines solchen Wertes lohnt sich die Nachfrage, betont Schütz.

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Volker Hammermeister
Teure Ersatzteile, teure Reparaturen: Das führt zu vergleichsweise hohen Beiträgen.

Proaktiv kündigen Ende April 2020 bereits die ersten Versicherungen Beitragsrückerstattungen an. Im Corona-Jahr 2020 werden Zahl-pro-Kilometer-Kunden bis zu 8 Prozent der Jahresprämie zurückerhalten, teilt der Digital-Versicherer Friday mit.

"Aktuell können wir natürlich das Jahr 2020 noch nicht abschließend einschätzen. Aufgrund des schadenarmen Verlaufs der letzten Wochen erwarten wir aber am Ende geringere Aufwände. Daran wollen wir unsere Mitglieder und Kunden natürlich wieder teilhaben lassen", erklärt der DEVK-Vorstandsvorsitzender Gottfried Rüßmann. Kaskoversicherte, die 2020 keinen Schaden melden, werden sich wohl je nach Schadenfreiheitsklasse wieder über die Erstattung eines Anteils ihres Jahresnettobeitrags freuen können. "Die genaue Höhe", so Rüßmann, "werden wir selbstverständlich erst am Ende des Jahres ermitteln können."

Keine kurzfristigen Preissenkungen

Verivox sieht momentan keinen Preiskampf zwischen den Versicherungen – die aktuell günstigsten Angebote im Neugeschäft liegen auf dem Niveau von März 2019. Da die Versicherer ihre Tarife langfristig kalkulieren, rechnet Wolfgang Schütz trotz abnehmender Fahrleistungen nicht mit einer kurzfristigen Senkung der Preise. Ob die Corona-Krise langfristig Auswirkungen auf die Preise hat, sieht man frühestens ab Herbst, gibt Schütz zu bedenken. Dass die Versicherer Corona bedingte Kostenvorteile für sich behalten, hält der Experte für unwahrscheinlich, da in der Branche ein heftiger Wettbewerb herrsche. Aktuell gibt es am Markt schon jetzt große Unterschiede: Die günstigsten Angebote sind im Schnitt um 22 Prozent günstiger als im mittleren Preissegment. Für Vollkasko-Verträge ergibt sich damit eine Ersparnis von über 170 Euro pro Jahr.

Autoversicherer auf der Gewinnerseite

Für das Autoversicherungsgeschäft gilt aktuell: hohe Einnahmen bei sinkenden Kosten. Paul Newsome, Analyst beim Investment-Unternehmen Piper Sandler in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota zählt deshalb die Auto-Versicherungsbranche zu den wenigen Gewinnern der Corona-Krise.

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Die Fahrleistungen sinken während der durch die Corona-Pandemie ausgelösten Ausgangsbeschränkungen rapide. Und da niedrigere Fahrleistungen zu einer niedrigeren Autoversicherungs-Prämie führen, können sich viele Autofahrer am Ende des Jahres auf eine wie auch immer geartete Teil-Rückzahlung ihres Versicherungsbeitrages freuen.

Ob die langfristig kalkulierten Preise sinken, zeigt sich erst im Herbst – Experten gehen aber davon aus, dass die Versicherungskonzerne schon aus Wettbewerbsgründen Kostenvorteile an ihre Kunden weitergeben werden. Die Investment-Branche zählt wegen hoher Einnahmen bei sinkenden Kosten die Autoversicherer zu den wenigen Gewinnern der Corona-Krise.

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