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Corona-Krise bei Daimler

Keine Staatshilfe, aber Kurzarbeit und Kredite

Vielen Unternehmen droht durch das Coronavirus die wirtschaftliche Schieflage. Der Staat will finanziell unterstützen, doch Daimler braucht laut CEO Ola Källenius kein Geld, setzt jetzt aber auf Kurzarbeit und wohl auch neue Milliarden-Kredite. Droht eine Übernahme durch den chinesischen Geely-Konzern?

Täglich überschlagen sich die Meldungen zu Werksschließungen, wirtschaftlicher Apokalypse, Rettungspaketen und drohenden Pleiten. Wenig verwunderlich: Daimler ist einer der Protagonisten in der Flut neuer Wirtschaftsnachrichten. Nun gibt es eine neue Volte: Wie Bloomberg berichtet, versucht sich der Autokonzern aktuell, neue Bankkredite zu beschaffen. Die Rede ist von einer Größenordnung zwischen 10 und 15 Milliarden Euro. Die genaue Summe soll zu Beginn der nächsten Woche feststehen, meldet die Nachrichtenagentur mit Verweis auf gut unterrichtete Quellen.

Neue Kredite statt staatlicher Hilfen

Die neue Kreditlinie käme zu einem bestehenden, vor zwei Jahren abgeschlossenen und auf einen Zeitraum bis 2025 angelegten Kreditpaket von elf Milliarden Euro hinzu. Mit der Maßnahme sollen die finanziellen Rücklagen von Mercedes-Benz-Pkw und -Lkw gestärkt werden, um die Folgen der Corona-Pandemie mit all ihren Auswirkungen abzufedern.

Daimler-Konzernchef Ola Källenius hat sich offenbar für diesen Weg und gegen Staatshilfen entschieden. In einem Telefoninterview mit dem Handelsblatt erklärte der 50-jährige Manager am Montag (23.03.2020), der Automobilhersteller brauche aktuell keine Staatshilfen: "Wir sind mit einer hohen Liquidität solide ausgestattet." Zudem wolle der Konzern in China zeitnah wieder auf 100 Prozent laufen.

Zwei Wochen Kurzarbeit

Aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Pandemie hat der Autobauer aber angekündigt, ab 6. April 2020 Kurzarbeit für einen Großteil der Produktion und ausgewählte Verwaltungsbereiche zu beantragen. Diese soll vorerst bis zum 17. April befristet sein. Von der Kurzarbeit sind sowohl Pkw-, Transporter- und Nutzfahrzeug-Werke des Unternehmens in Deutschland betroffen. Notwendige Grundfunktionen sowie Zukunftsthemen und strategische Projekte sind von der Kurzarbeit ausgenommen.

Ola Källenius
Daimler
Daimler ist flüssig, sagte CEO Ola Källenius in einem Interview mit dem Handelsblatt. Auf Krisen-Beihilfe vom Staat wolle man daher verzichten.

Aber gab es letztes Jahr nicht mehrere Gewinnwarnungen? 2019 war in der Tat nicht unbedingt das beste Jahr für die Stuttgarter. Mit einem Konzernergebnis von 2,7 Milliarden Euro lag der Konzern 64 Prozent unter Vorjahr. Der Diesel-Skandal erfordert beträchtliche Rücklagen, von einem hohen dreistelligen Millionenbetrag war da die Rede. Insgesamt gab es innerhalb von 12 Monaten drei Gewinnwarnungen – und so wie das Jahr 2020 für die Automobilindustrie anläuft, sieht es nicht nach einer Entspannung der Lage aus.

Soll Daimler lieber fusionieren?

Prognosen von Analysten der Norddeutschen Landesbank sehen einen Einbruch bei Produktion und Absatz um zehn bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In einem Bericht vom 24. März sind sogar Fusionen mit verschiedenen möglichen Partnern eine Option. In der Publikation heißt es: "Angesichts der Coronavirus-Krise, aber auch mit Blick auf die disruptiven Zeiten ist vielleicht auch für Daimler die Zeit gekommen, über einen Zusammenschluss nachzudenken, zumal die Bewertungen der Unternehmen gegenwärtig relativ niedrig sind." So liege die Marktkapitalisierung von Daimler zur Zeit bei nur noch rund 25 Milliarden Euro, was den Konzern in Reichweite finanzstarker Investoren aus China bringt. So unterstellte jüngst das Manager-Magazin Geely-Besitzer Li Shufu Interesse an Daimler. Schließlich halte der Herr über das Autoimperium aus Fernost, zu dem auch Volvo, Lynk & Co und Polestar gehören, schon zehn Prozent an Daimler und über ein Joint Venture gehören ihm bereits 50 Prozent von Smart.

Mercedes-AMG C 63, Kurbelgehäuse, AMG 4,0-Liter V8-Biturbomotor, Motorbaureihe M177
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Alternativ zur chinesischen Lösung sehen die Analysten noch ein deutsch-deutsches "Modell mit BMW, mit denen bereits Kooperationen bestehen" sowie ein deutsch-französisch-japanisches "Modell mit den bereits kapitalmäßig verflochtenen Partnern Renault (und Nissan, sofern dieser sich nicht aus der bisherigen Allianz verabschiedet)".

Fazit

Das Coronavirus wird Spuren hinterlassen – auch in der ohnehin vom Umbruch geschüttelten Automobilindustrie. Wohl dem, der da zuvor gut aufgestellt war. Während Produktion und Verkauf in China allmählich wieder hochfahren, ist der Zenit in Europa noch nicht überschritten. Und weil die Aktienkurse mit der Krise so massiv einbrechen, werden die Autobauer gefährlich billig.

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