Rupert Stadler, Porträt Stefan Baldauf

Dieselskandal

Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wird angeklagt

Die Staatsanwaltschaft München II erhebt wegen des Dieselskandal gegen den ehemaligen Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler Anklage.

Die Ermittlungsbehörde wirft dem Mitte Juni von Audi entlassenen CEO sowie drei weiteren Angeschuldigten „Betrug, mittelbare Falschbeurkundung sowie strafbare Werbung“ vor. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch (30.7.2019) mit.

Kommt es überhaupt zum Prozess?

Die Anklage gegen Stadler kam nicht überraschend, allerdings muss das Landgericht München II noch entscheiden, ob es wirklich zu einem Prozess kommt.

Der 56-jährige Stadler wurde im Juni 2018 verhaftet und saß wegen des Betrugverdachts und Verdunkelungsgefahr vier Monate in Untersuchungshaft im Gefängnis Augsburg-Gablingen. Ende Oktober 2018 wurde der Haftbefehl gegen ihn ausgesetzt, obwohl der Tatverdacht der Verdunkelungsgefahr weiterhin bestand. Er durfte zwar gegen Kaution in unbekannter Höhe die U-Haft verlassen, allerdings verhängt das Gericht eine Kontaktsperre zu Beteiligten am Dieselskandal.

Umfrage

1207 Mal abgestimmt
Hält Sie der Abgasskandal vom Kauf deutscher Autos ab?
Ja, ich mag es nicht, wenn geschummelt wurde.
Nein, die Geschichte sollte langsam ausgestanden sein.

Die Staatsanwälte werfen dem ehemaligen Automanager vor, „spätestens ab Ende September 2015 von den Manipulationen Kenntnis gehabt und gleichwohl weiter den Absatz von betroffenen Fahrzeugen der Marken Audi und VW veranlasst beziehungsweise den Absatz nicht verhindert zu haben“. Den drei anderen Angeschuldigten legen die Ermittler zur Last, Motoren für Fahrzeuge der Marken Audi, VW und Porsche entwickelt zu haben, deren Steuerung mit einer unzulässigen Softwarefunktion ausgestattet gewesen sei.

Audi entlässt Stadler

Mit einer knappen Erklärung verabschiede sich der Volkswagen-Konzern damals von Rupert Stadler. Der Audi-Chef und VW-Vorstand, seit 1990 im Konzern tätig, „scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Unternehmen aus und ist nicht mehr für den Volkswagen Konzern tätig“, teilt Volkswagen mit. Die Begründung folgt im nächsten Satz: „Hintergrund ist, dass Herr Stadler aufgrund seiner andauernden Untersuchungshaft nicht in der Lage ist, seine Aufgaben als Mitglied des Vorstands zu erfüllen und sich stattdessen auf seine Verteidigung konzentrieren will.“ Die vertragliche Abwicklung sei an den Verlauf und den Ausgang des Strafverfahrens geknüpft. Vier Sätze reichen Volkswagen, die Karriere des einstigen Piech-Büroleiters zu beschreiben.

Ermittler haben laut „Süddeutscher Zeitung“ sieben Tage vor und nach der Razzia in Stadlers Privatwohnung am 11.6.2018 dessen Telefonate abgehört. Nach Recherche der Bild-Zeitung sprach der Audi-Chef mit anderen im Diesel-Abgasskandal Beschuldigten. In den nächsten Tagen solle er sich mit Mitarbeiten verabredet haben, die ihm im Dezember 2015 über den Diesel-Skandal informiert hatten, so das Blatt. Die Süddeutsche, der NDR sowie der WDR berichteten zudem Stadler habe in einem Telefonat erwähnt, er überlege einen Angestellten beurlauben zu lassen. Dieser soll gegenüber den Ermittlern zur Abgasaffäre ausgesagt haben und zur Diesel-Task-Force des Konzerns gehören, die intern herausfinden soll, welche Audi-Fahrzeuge mit illegaler Abgasreinigung ausgerüstet sind. Der Mitarbeiter habe ausgesagt, dass er wegen einer Weisung des Vorstands Kollegen, die für die Abgasmanipulationen verantwortlich gewesen sein sollten, nicht befragen durfte.

Stadler tief im VW-Konzern verwurzelt

Ferdinand Piech
VW
Der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech.

Rupert Stadler, der in der Branche auch „Teflon-Stadler“ genannt wird, hat sich in der Abgasaffäre als zweitwichtigsten Mann im Konzern lange auf seinem Posten halten können, während um ihn herum VW-Manager wie Martin Winterkorn und sogar dessen Nachfolger Matthias Müller ihre Posten räumen mussten. Trotz aller Vorwürfe gegen ihn hielt Aufsichtsrat Hans Dieter Pötsch immer an Stadler fest, auch weil die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch zu Stadler stehen. Hintergrund dürfte auch sein, dass Rupert Stadler 1997 Büroleiter des VW-Patriarchen Piëch wurde und tiefe Einblicke in die Macht-Strukturen des Wolfsburger Konzern hatte. Darüber hinaus leitete er Teile der Stiftungen der Familie Piëch und avancierte damit zu einer Art persönlicher Vermögensverwalter.

Rupert Stadler ist am 17. März 1963 im oberbayrischen Tittingen geboren. Er wuchs als Sohn eines Landwirts auf und studierte in Augsburg BWL mit Schwerpunkt Unternehmensplanung und Controlling. 1990 übernahm er die Leitung des Controllings bei Audi, stieg 1994 zum kaufmännischen Geschäftsführer von VW-Audi in Spanien auf und wurde Ende 2006 zum Vorstandsvorsitzenden der Audi AG ernannt. Er folgte auf Martin Winterkorn, der den Chef-Posten bei VW übernahm. Stadler war ebenfalls Vorstandsmitglied der VW AG sowie Aufsichtsratsmitglied der Porsche Holdung, Präsident des Verwaltungsrates von Lamborghini und der VW Group Italien, Aufsichtsrats-Mitglied der MAN Truck & Bus AG sowie MAN SE, Verwaltungsratsmitglied von Italdesign und Mitglied des Aufsichtsrates des FC Bayern München Stadler ist verheiratet und hat drei Kinder.

Verkehr Verkehr Mercedes S 300 Bluetec Hybrid, Frontansicht Abgasmanipulation bei Mercedes Verkehrsminister ordnet Mega-Rückruf an

Der Skandal um manipulierte Diesel-Motoren bei Mercedes zieht weitere...

Audi
Artikel 0
Tests 0
Baureihen 0
Alles über Audi
Mehr zum Thema VW-Abgas-Skandal
VW Passat Variant 2.0 TDI, Frontansicht
Politik & Wirtschaft
Diesel Nachrüstung SCR-Kat VW Passat
Politik & Wirtschaft
Mercedes Stern Logo
Politik & Wirtschaft