Ducati Leser-Experience

Ein Wochenende lang den Teufel geritten

Ducati Leser Experience 2019 Foto: Ducati

2.500 Bewerbungen gingen für die Ducati Leser-Experience bei auto motor und sport und MOTORRAD ein. 15 Leser davon durften die neue Ducati Diavel 1260 S während einer zweitägigen Ausfahrt testen. Wir berichten von der Tour.

Was macht man als Motorradhersteller, wenn man eine Fahrmaschine reinsten Wassers gebaut hat, die so einzigartig ist, dass sie sich mit nichts vergleichen lässt? Nun, eine wahrhaft kluge Strategie ist gar nicht so schwer: Man lädt zum Fahren ein – und zwar potentielle Interessenten wie Skeptiker, Freunde der eigenen Marke wie Fahrer von Fremdfabrikaten. Genau das tat Ducati am letzten April Wochenende 2019 und lud zu einem Ritt mit dem Teufel (das heißt Diavel nämlich im Bologneser Dialekt) in die Fränkische Schweiz. Und so trafen sich im Hotel des herrschaftlichen Schlosses Thurnau eine motorradfahrende Dame und 14 männliche Fahrer, um auf Einladung von Ducati die neue Diavel 1260 S ausführlich Probe zu fahren.

Ducati Leser-Experience 2019 Ducati Diavel 1260 S Foto: Thomas Schmieder
Die 15 Testfahrer aus der Leserschaft waren eine sehr privilegierte Gruppe – Kost, Logis und Benzin frei.

Kost, Logis und Benzin frei

An zwei Fahrtagen ging es im Rahmen der Ducati Leser-Experience auf einer Tour durch herrliche Motorradreviere, kurvenreich mit wenig Verkehr. Und zwar angeführt von den Tourguides Andreas Schulz und Robert Glück, seines Zeichens Pressesprecher von Ducati Deutschland. Ebenfalls mit von der Partie war MOTORRAD-Redakteur Thomas Schmieder. Die 15 Testfahrer aus der Leserschaft waren eine sehr privilegierte Gruppe – Kost, Logis und Benzin frei. Kein Wunder, dass sich rund 2.500 Interessenten auf den Aufruf in MOTORRAD, auf motorradonline.de, in auto motor und sport sowie auf auto-motor-und-sport.de beworben hatten. Um unter den Auserwählten zu landen, half eine originelle Begründung, weshalb man oder Frau unbedingt Diavel fahren wollte.

So fand sich ein illustres Völkchen quer durch die Republik ein. Dazu zählten mehrere BMW-Fahrer, aber auch Piloten einer Yamaha Vmax 1700, Suzuki Intruder M 1800 R, Triumph Sprint ST 1050 oder Moto Guzzi Stelvio. Nicht zu vergessen zwei Fahrer einer bisherigen Ducati Diavel mit „nur“ 1198 Kubik. Einer der beiden Teufels-Treiber, Andreas Gerber aus Friesland, hatte mit knapp 650 Kilometern auch die weiteste Anreise zu diesem Event der Sonderklasse. Es sollte sich lohnen. Davon konnten sich alle Teilnehmer nach einer kurzen Einführung in Designkonzept, Technik sowie Menüführung überzeugen.

Ducati Leser-Experience 2019 Ducati Diavel 1260 S Foto: Thomas Schmieder
Man wird ja mal träumen dürfen – Rafael (19) geriet auf seiner 600er-Monster angesichts der Phalanx aus Diavel 1260 S mächtig ins Schwärmen.

Tausche Wheelie-Kontrolle gegen Griffheizung

Drei Riding-Modes inklusive achtstufiger Traktions- wie Wheelie-Kontrolle und dreistufiges Kurven-ABS bedeuten schließlich eine Menge Kombinationsmöglichkeiten der elektronischen Helferlein. Vor allem aber ein digitales Fangnetz bei widrigen Bedingungen. Solche gab es zuhauf, denn immer wieder goss es wie aus Eimern. Doch nicht einmal die kühlen Temperaturen rund um sechs Grad Celsius konnten die tapfere Truppe irritieren. Ihre kalten Finger heizte Carina Höfler als einzige Frau in dieser Männer-Phalanx bei den Pausen einfach am riesigen stehenden Zylinder des mächtigen V2-Motors wieder auf. „Ich tausche freiwillig zwei Stufen von Traktions- und Wheelie-Kontrolle gegen Heizgriffe und Reifendruckkontrolle ein“, scherzte Edgar David.

Tatsächlich gab es eine Reifenpanne, die aber glimpflich ausging. Also durfte sich MOTORRAD-Mann Thomas Schmieder von dem zwar verbesserten, aber auf Dauer immer noch Nehmerqualitäten erfordernden Sozius-Komfort der überarbeiteten Diavel überzeugen. Letztlich ging es Ducati genau darum, direkte Rückmeldung von einer durchaus heterogenen (Ziel-) Gruppe gespiegelt zu bekommen. Komplett überrascht zeigten sich alle nicht-Diavel-Kenner von der ausgeprägten Handlichkeit, Neutralität und Zielgenauigkeit dieses Mega-Monsters. „Wie leicht die Duc einlenkt“, schwärmte Carina Höfler. Hinzu kommen die fantastische Öhlins-Gabel und schlichtweg famose Haftung der Pirelli Diablo Rosso III.

Ducati Leser-Experience 2019 Ducati Diavel 1260 S Foto: Thomas Schmieder
Bei sechs Grad Leser Edgar: "Ich tausche freiwillig zwei Stufen von Traktions- und Wheelie-Kontrolle gegen Heizgriffe und Reifendruckkontrolle ein."

Ducati Diavel 1290 S – kein normaler Cruiser

Spätestens damit sollten sämtliche Zweifel ausgeräumt sein: So fährt kein normaler Cruiser! Von solchem Grip auf überfluteten Fahrbahnen können Fahrer von Harley, Indian und Co. nur träumen. Genau wie von der explosiv-spritzigen Leistungsentfaltung spätestens ab 5.000 Touren. Schließlich galoppieren hier rund 160 Pferde auf. Elvir Smajic, Fahrer einer Suzuki VS 1400 Intruder brachte es für sich auf den Punkt: „Die Diavel hat mir die Augen geöffnet – ich habe jetzt erst gemerkt was ein modernes Motorrad heute alles so kann.“ Für Leute die es zuvor nicht kannten, war auch der Schaltassistent hoch/runter (Blipper) eine echte Erfüllung.

Rückmeldung der Leser

Doch kein Licht ohne Schatten: Für den bloß ruckeligen Motorlauf unterhalb von 3.000 Touren setzte es auch Kritik von den Teilnehmern. Und zwar nicht nur von Jürgen Apfel. Seine vierzylindrige Suzuki B-King zählt im Drehzahlkeller zu den kräftigsten und elastischen Motorradmotoren überhaupt. Und bei allem Wohlfühl-Ambiente vergaßen die Teilnehmer nicht folgende berechtigte Anmerkungen: Dazu zählten für manche Teilnehmer das etwas klein gehaltene TFT-Display und die durch einen Montagefehler mitunter losen linken Griffgummis. Zudem ist der stolze Preis von rund 22.000 Euro für fast alle eine (zu) hohe Hürde. Die Leser haben gesprochen.

Übrigens kamen noch mehr als die 15 auserwählten Leser am letzten April-Wochenende in den Genuss, die neue Ducati Diavel 1260 S fahren zu dürfen: Im Rahmen der weit über Franken und Bayern hinaus bekannten Motorradsternfahrt Kulmbach hatte jede(r) Interessierte die Chance, dieses ganz besondere Motorrad fahren zu dürfen. Insofern luden da gleich zwei Aktionen in die Fränkische Schweiz, die zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen sind.

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