Fahrschulen

Wer verdient am Führerschein?

Foto: dpa

Auf der Wunschliste zum 18. Geburtstag steht der Führerschein oft an erster Stelle. Nicht gerade ein günstiges Geschenk: Um an das begehrte Plastikkärtchen zu kommen, müssen im Schnitt rund 1.800 Euro in die Ausbildung investiert werden. Wir rechnen Ihnen vor, wo das Geld bleibt.

Wie immer, wenn es um den Geldbeutel geht, ist das Gejammer groß: Fahrschüler beschweren sich über die gestiegenen Preise, Fahrlehrer beklagen die wachsenden Ausgaben vor allem an der Tankstelle. Mit Kosten in Höhe von 1.800 Euro müssen Schüler heute rechnen, bis sie zum ersten Mal selbst hinter das Steuer dürfen. Gut 200 Euro davon gehen allerdings gar nicht an die Fahrschule selbst.

Für den Sehtest will der Optiker oder Augenarzt ca. sechs Euro haben, knapp 30 Euro sind für den obligatorischen Erste-Hilfe-Kurs zu berappen. Auch das Prüfungsmaterial steht je nach Umfang mit 40 bis 100 Euro auf der Minusseite. Will sich der Schüler dann endlich für die Prüfung anmelden, fallen erneut Gebühren an: 38,30 Euro erhält alleine die Führerscheinbehörde, 5,10 Euro gehen an die Wohnsitzbehörde. Für die Abnahme der Prüfungen verlangt auch der TÜV sein Obolus in Höhe von 11,07 Euro für die Theorie und 84,97 Euro für die Praxis.

Gebühren werden aufgerundet

"Einige schwarze Schafe unter den Fahrschulen sehen hier die Möglichkeit, etwas Geld dazuzuverdienen und runden die Gebühren großzügig auf", erklärt Peter Tschöpe, der stellvertretende Vorsitzende des Bundesfahrlehrerverbands. Schüler sollten sich deshalb vor der Anmeldung nicht nur über die Stunden-Preise, sondern auch über die Prüfungs-Gebühren informieren.

Der größte Teil der Ausbildungskosten geht aber an die Fahrschule selbst . Mit 1.600 Euro Umsatz pro Schüler rechnen die Schulen hierzulande im Schnitt. Nach Berechnungen des Fahrlehrerverbands gehen davon alleine 230,31 Euro für die Fahrzeugkosten drauf. Neben den Belastungen für den Unterhalt und den Sprit schlagen vor allem die relativ hohen Anschaffungskosten zu Buche: 800 bis 1.500 Euro verlangen Hersteller je nach Modell zusätzlich für die Umrüstung mit einem zweiten Pedalsatz und Extra-Spiegeln.

Der Anteil für die Bereitstellung eines Unterrichtsraums (Miete, Strom, Heizung) und der Unterrichtsmittel, wie Computer und Beamer, fällt mit 100 Euro dagegen etwas geringer aus. Auch die Unfallversicherungen für die Schüler sind mit durchschnittlich 4,29 Euro kein großer Kostenfaktor. Mit rund einem Viertel der Gesamtkosten fällt der Lohn für den Fahrlehrer schon deutlicher ins Gewicht: Die Praxisfahrstunden lässt sich der Ausbilder im Schnitt mit 363 Euro vergüten, das anteilige Gehalt für die Theorie summiert sich auf 56,57 Euro pro Schüler.

Lohnnebenkosten schmälern Gewinn

Den größten Teil muss der Inhaber der Fahrschule allerdings für Steuern einplanen. Die Umsatzsteuer beträgt in der Beispielrechnung 304 Euro, an Einkommensteuer, Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag wandern noch einmal 240 Euro an das Finanzamt. Damit aber noch nicht genug der Lohnnebenkosten: 85,71 Euro gehen noch an die Krankenversicherung, für die Rentenvorsorge müssen 137,14 Euro beiseite gelegt werden. Wer jetzt gut mitgerechnet hat, kommt am Ende auf einen reinen Gewinn für den Fahrschulinhaber von 78,98 pro Schüler.

Eine Ein-Mann-Fahrschule, die sowohl Lohn als auch Gewinn einstreichen kann, kommt somit auf einen Gewinn pro Schüler von knapp 500 Euro. Will der Fahrlehrer ein Netto-Einkommen von 20.000 Euro pro Jahr erreichen, wären also mindestens 40 Schüler notwendig. "Im Idealfall sollte eine Schule aber schon auf 65 - 70 Schüler im Jahr kommen", erklärt Tschöpe. Durch die hohe Konkurrenz auf dem Fahrschulsektor würden viele Schulen deutlich unter dem Schnitt von 1.600 Euro bleiben. Außerdem trage ein selbstständiger Fahrlehrer das ganze Risiko und müsse ausreichend Rücklagen für Investitionen schaffen.

Führerscheinkosten

Ausgabe Betrag
Erste-Hilfe-Kurs 10 bis 30 Euro
Sehtest 6,07 Euro
Lehrmaterial (Schüler) 40 bis 100 Euro
Wohnsitzbehörde 5,10 Euro
Führerscheinbehörde 38,30 Euro
TÜV-Gebühr (Theorie-Prüfung) 11,70 Euro
TÜV-Gebühr (Praxis-Prüfung) 84,97 Euro
Unterrichtsraum* 85,71 Euro
Unterrichtsmittel (Fahrschule)* 14,29 Euro
Versicherungen* 4,29 Euro
Fahrzeugkosten* 230,32 Euro
Lohnkosten Fahrstunden* 363,00 Euro
Lohnkosten Theorie (pro Schüler)* 56,57 Euro
Umsatzsteuer* 304,00 Euro
Einkommenst./Kirchenst./Soli* 240,00 Euro
Krankenversicherung* 85,71 Euro
Altersvorsorge des Inhabers* 137,14 Euro
Gewinn pro Schüler* 78,98 Euro
* Berechnungsgrundlage: 1.600 Euro Umsatz pro Schüler
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