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Renault und Nissan

Japaner stellen Allianz in Frage

Die Spannungen innerhalb der französisch-japanischen Auto-Allianz Renault, Nissan und Mitsubishi treten immer stärker zutage. Vor allem Nissan fühlt sich ungerecht behandelt.

Nissan hält eine Fusion mit Renault für „keine gute Idee“, so Nissan-Chef Hiroto Saikawa auf der Hauptversammlung des Autoherstellers in Yokohama. Die Japaner wollen gar die gegenseitigen Kapitalverflechtungen mit den Franzosen und dem einheimischen Konkurrenten Mitsubishi auf den Prüfstand stellen. Vor allem die Anteilsstruktur ist Nissan ein Dorn im Auge: Renault gehören 43,4 Prozent von Nissan, Nissan aber nur 15 Prozent von Renault (zusätzlich hält Nissan noch 34 Prozent der Mitsubishi-Anteile). Gleichzeitig haben die Franzosen ein großes Mitspracherecht bei den Japanern, andersherum gebe es aber gar keins. Dabei ist Nissan deutlich größer als Renault und verkauft mit mit 5,6 Millionen Exemplaren etwa 1,5 mal so viele wie Renault.

Nissan will erst seine eigenen Probleme lösen

Während Renault unter seinem neuen Chef Jean-Dominique Senard auf eine Fusion hinarbeitet, will Nissan lieber zuerst seine eigenen Turbulenzen in den Griff bekommen. Der Hersteller hat einerseits wirtschaftliche Probleme: Der Nettogewinn schrumpfte für das abgelaufene Geschäftsjahr um 57 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro – ein Neun-Jahres-Tief. Andererseits spürt Nissan die Nachwirkungen der Verhaftung des ehemaligen Verwaltungsratschefs Carlos Ghosn, der in Japan wegen diverser Wirtschaftsvergehen angeklagt ist, stärker als der europäische Partner. Deshalb will Nissan seinen Führungskreis neu aufstellen, um die Macht, die sich zuvor enorm auf Ghosn konzentrierte, besser zu verteilen.

Vor wenigen Wochen war Renault/Nissan wegen eines anderen Themas in den Schlagzeilen. Der Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) hatte dem Konkurrenten Renault offiziell eine Fusion vorgeschlagen. Darin offerierte FCA einen Zusammenschluss, in dem beide Partner jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Nachdem die Franzosen eher zögerlich auf das insgesamt 35 Milliarden Dollar schwere Angebot reagierten, besserte es die italo-amerikanische Allianz nach. Stärkere Garantien für Werkerhaltungen und Jobs, eine Renault-Sonderdividende und ein Unternehmenssitz in Paris sollten die französische Regierung von dem Vorhaben überzeugen. Der Staat, mit 19,74 Prozent derzeit größter Aktionär bei Renault, soll außerdem einen Sitz im Vorstand erhalten und mit 7,5 Prozent an dem neuen Joint Venture beteiligt sein.

FCA zog sein Fusionsangebot zurück

Fiat-Chrysler stellt dem Vernehmen nach Kosten- und Investitionseinsparungen von fünf Milliarden Euro in Aussicht. Wirtschaftsexperten hielten das für zu optimistisch und bezweifelten, dass sich der Deal für die Renault-Aktionäre lohnen würde. Auch war fraglich, wie er sich auf die über Kapitalbeteiligungen mit dem Renault-Konzern verflochtenen Marken Nissan und Mitsubishi auswirken würde. Schließlich zog Fiat-Chrysler sein Angebot zurück. Dem FCA-Management sei klar geworden, dass derzeit die politischen Voraussetzungen in Frankreich nicht gegeben seien, damit ein solcher Zusammenschluss erfolgreich sei.

Zu Fiat-Chrysler gehören unter anderem die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Fiat, Jeep und Maserati. Zu Renault gehören noch die Marken wie Dacia und Lada sowie die Autosparte von Samsung. Rechnet man alles zusammen, wäre mit insgesamt gut 15 Milliarden verkauften Autos ein Weltmarktführer entstanden. Zum Vergleich: Die bisherigen Konkurrenten um die globale Vorherrschaft, Volkswagen und Toyota, kommen „nur“ auf 10,8 beziehungsweise knapp 10,6 Millionen Fahrzeuge. Die Renault-Nissan-Mitsubishi-Allianz kam allein auf ähnliche Zahlen.

FCA-Übernahme schon einmal gescheitert

Bereits vor 2016/2017 hatte der nunmehr abgesetzte Renault-Chef Carlos Ghosn erste Fusions-Gespräche mit dem italienischen Autohersteller geführt. Die Pläne sind jedoch damals an der französischen Regierung gescheitert, die das Vorhaben nicht unterstützen wollte. Fiat-Chrysler gilt seit geraumer Zeit als potentieller Übernahmekandidat. Auch Peugeot wurde schon mit einer FCA-Übernahme in Verbindung gebracht.

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