Stuart Rowley Ford

Ford of Europe CEO Stuart Rowley

Kein Focus RS, das wäre verwerflich

Stuart Rowley, Präsident und CEO Ford of Europe, spricht im Interview über die Elektrifizierung der Modellpalette, die Nutzung des VW-MEB, den Trend zum Crossover sowie den kommenden Focus RS.

Aktuell sind die Absatzzahlen bei Ford vielversprechend. Wie können Sie das weiterführen?

Rowley: Ich würde nicht sagen, dass es großartig läuft. In Deutschland sind die Zahlen gut und im Rest von Europa machen wir Fortschritte. Wir befinden uns mitten in einem Transformationsprozess, den wir Anfang des Jahres angekündigt haben. Daher befinden wir uns in Europa in Gesprächen mit den Arbeitnehmervertretern und besprechen die Details, sind dabei auf einem guten Weg. Die Hälfte des Weges liegt aktuell hinter uns, das so genannte Reset-Programm läuft bis Ende 2021.

Was passiert dabei noch?

Rowley: Man sieht bereits an unseren Geschäftszahlen, dass der Prozess erste Früchte trägt. Wir strukturieren das Europa-Geschäft dahingehend um, dass wir drei Geschäftsbereiche aufbauen: Nutzfahrzeuge, Pkw und Import-Fahrzeuge. Die darin zusammengefassten Baureihen müssen jeweils eigenständig als Geschäftsmodell funktionieren. Dann steht der Modellwechsel beim Kuga an, der Puma startet, die ersten Explorer PHEV kommen nach Europa. Und dann kommt nun noch der Mustang Mach-E. Insgesamt bekommen wir also vier neue SUV. Der Marktanteil in Deutschland wächst, speziell der Focus Turnier kommt gut an.

Ford Mustang Mach-E
Ford

Jetzt denken wir gerade intensiv über die nächste Generation an Ford-Modellen nach, also jene, die ab 2023 starten. Dabei stellen wir uns die Frage, für was die Marke steht, welche Ziele wir mit den Fahrzeugen verfolgen. In Europa beispielsweise waren wir immer einer von vielen Volumenherstellern mit einem Marktanteil von rund acht Prozent. Das hat sich entzerrt, darüber müssen wir uns keine Gedanken machen. Wir sind nun der einzige US-Hersteller in Europa. Wie also machen wir uns das zu Nutze? Was erwarten die Kunden von uns? Die Antworten darauf fließen dann in die Produktplanung mit ein, beispielsweise in den ersten in Europa produzierten Pkw mit batterieelektrischem Antrieb, aber natürlich auch in die Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Modell.

Wo soll das Elektro-Modell gebaut werden?

Rowley: Wir haben noch nicht entschieden, wo der gebaut wird. Wir haben ja Werke in Valencia, Köln, Saarlouis, Craiova. Jetzt geht es darum, wie sie dieses Auto vom Wettbewerb unterscheiden soll.

Die Differenzierung wird aber schwierig, wo es doch den Modularen Elektrifizierungs-Baukasten von VW nutzt…

Rowley: Ja, wir nutzen den MEB von VW, den Rest entwickeln wir aber eigenständig in Köln.

Und dieses Modell soll helfen, den Marktanteil in Europa zu erhöhen?

Rowley: Nein, wir planen nicht vorrangig, unseren Marktanteil erheblich zu steigern. Uns geht es nun darum, die Ertragsseite zu verbessern. Das Ziel ist eine Marge von sechs Prozent, unser gesamtes Geschäftsvolumen liegt derzeit bei 30 Milliarden Euro in Europa.

Hinsichtlich der Marge dürften Modelle wie der Explorer und der Mach-E aufgrund ihres komplexen Antriebes aber nicht viel nützen, oder?

Rowley: Ich bin mir sicher, dass uns der Explorer PHEV und der Mach-E hinsichtlich der Marge sehr wichtige Produkte sind, auch wenn sie kein großes Volumen machen werden. Darüber hinaus helfen sie uns natürlich sehr beim Erreichen unserer CO2-Ziele.

Ford schafft also die 95 Gramm pro Kilometer?

Rowley: Unser Plan ist zunächst, 2020 die 98-Gramm-Marke zu erreichen. Das ist der für uns von der EU vorgegebene Übergangswert. Dabei helfen uns die Fahrzeuge mit elektrifizierten Antriebssträngen.

Wo liegt Ford jetzt?

Rowley: Vergleichen mit letztem Jahr, liegen wir etwa 20 Prozent darunter. Genaue Zahlen kommunizieren wir nicht.

Neben den 14 elektrifizierten Modellen bis 2021: Wie viele rein elektrische Fahrzeuge wollen Sie auf den Markt bringen?

Rowley: Jetzt kommen erst einmal der Mach-E, 2021 dann der Elektro-Transit und danach das Fahrzeug, über das wir eben gesprochen haben. Auf dessen Basis könnte noch ein weiteres dazu kommen. Dann gäbe es ja noch die Möglichkeit aus dem weltweiten Angebot Modelle hinzuzunehmen. Diesbezüglich ist aber noch nichts entschieden.

Plant Ford auch in Europa, klassische Karosserieformen auszusortieren?

Rowley: Der Schritt, sich in den USA auf Crossover-Modelle zu konzentrieren, war notwendig. Und auch in Europa ist der Trend zu diesen Fahrzeugen klar erkennbar. Im C-Segment ging der Absatz um 10 Prozent nach unten, zugleich wachsen die Segmente, in denen Puma und Kuga starten.

Ford Puma, Best Cars 2020, Kategorie I Kompakte SUV/Geländewagen
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Und was passiert darüber?

Rowley: Unsere Modelle werden erst etwa in der zweiten Hälfte des nächsten Jahrzehnts ersetzt. Was also wollen die Kunden dann? Das Segment ist praktisch nicht mehr existent. Welche Kunden wollen wir also ansprechen und was sind deren Anforderungen? Welches Package, welche Dienstleistungen, welche Antriebe? Es wäre also nicht klug, zuerst vom Design aus zu starten. Klar ist allerdings schon jetzt: Die Kunden willen höher sitzen. Sehen Sie, was ist denn der Puma? Ein SUV? Ein Pkw? Ich denke, es ist die moderne Interpretation eines Autos. Das Segment von Mondeo, Galaxy und S-Max schrumpft nun mal. Dennoch haben wir sie jüngst aufgewertet, unter anderem mit einem Hybrid-Antriebsstrang. Was danach kommt? Darüber diskutieren wir gerade.

Jetzt startet gerade der Focus ST. Wann kommt der RS? Immerhin hat diese Variante Kult-Status.

Rowley: Bei den RS-Modellen haben wir eine lange Tradition. Aber auch unsere ST-Varianten sind fantastische Modelle. Aber es wäre natürlich verwerflich, die RS-Marke nicht weiterzuführen.

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