Frankreich

Protest gegen Autobahnbau

Foto: Archiv

Aufruhr herrscht in den weltweit wohl bekanntesten Rotweinlagen nördlich von Bordeaux. Winzer protestieren gegen ein 1,3 Milliarden Euro teures Autobahnprojekt, das die südwestfranzösische Metropole Bordeaux vor einem Verkehrsinfarkt bewahren soll.

Sie sehen ihren tiefrubinroten Klassetropfen der Appellation Margaux gefährdet und drohen sogar mit Widerstand gegen die Staatsgewalt. Francis Idrac, Präfekt der Region Aquitaine, steht vor der womöglich schwierigsten Entscheidung seiner Karriere. Welche Trasse schlägt er denen in der Hauptstadt Paris vor? Immerhin geht es um einen der feinsten und teuersten Roten im Weinparadies Frankreich.

"Margaux - die berühmteste Herkunftsbezeichnung der Welt, zerstört von einer Autobahn?" Auf Protestschildern mitten in ihren Weinbergen rund um das Flaggschiff "Château Margaux" rufen die Winzer bereits seit geraumer Zeit dazu auf, eine Petition gegen die Baupläne für eine nördliche Umgehung von Bordeaux zu unterzeichnen. Sie machen somit mobil gegen den "nicht hinnehmbaren Anschlag auf französisches Kulturgut" und fragen mit bitterer Ironie: "Wann droht die Autobahn durch die Gärten von Versailles?"

Das Allerschlimmste hat der Präfekt aber schon abgewendet: Um eine "Verkehrsthrombose in zehn Jahren" zu verhindern, hatten Experten auch zwei Trassen vorskizziert, die südlich des Städtchens Margaux mitten durch die Weinberge geführt hätten. Was noch kommen kann, ist eine Autobahn, die das Margaux-Gebiet nördlich einschnürt - wenn sich die Behörden wegen des lauten Widerstands nicht doch für eine Trasse weiter von Margaux entfernt und näher an Bordeaux entscheiden.

Fünf Jahre werden die Arbeiten dauern

Die Weinmetropole Bordeaux braucht diese Entlastung. Auf dem "atlantischen Korridor" von der spanischen Grenze nach Nordfrankreich befahren täglich mehr als 14.000 Fahrzeuge die bisherige "Rocade" (Umgehung) direkt vor den Toren der Stadt. Und im Jahr 2025 werden es - je nach Schätzung - 20.800 bis 23.800 sein. Die Winzer fürchten nicht zuletzt, dass sich die Abgase einer täglichen Blechlawine auf ihre Reben niederschlagen.

"Drängte sich eine Trasse auf, würden wir die sofort nehmen." Präfekt Francis Idrac muss entscheiden, und dies dürfte ihm schwer fallen. Bis Ende August lässt er sich dafür noch Zeit. Die Winzer an der legendären Weingüter-Départementstraße "D2" der Médoc-Halbinsel sind in Habachtstellung. Wo ihre "Grand Cru"-Spitzenroten auf 1.350 Hektar wachsen, dort soll jedenfalls keine Autobahn gebaut werden.

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