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Verbesserte Kfz-Hauptuntersuchung

Erweitere HU bei Dekra, TÜV, GTÜ und Co.

Hauptuntersuchung Foto: Reinhard Schmid 4 Bilder

Sind Gurtstraffer, Airbags oder Stabilitätsprogramm in einwandfreiem Zustand? Bei der Hauptuntersuchung wird jetzt auch die Sicherheitselektronik geprüft. Dafür war der Aufbau einer gigantischen Datenbank notwendig.

Die Zahl ist alarmierend: Allein im vorigen Jahr wurden von den Ingenieuren der deutschen Prüforganisationen 60.000 Airbag-Mängel im Zuge der Hauptuntersuchung festgestellt - oft eine böse Überraschung für Zweit- oder Drittbesitzer des Fahrzeugs. Dies dürfte allerdings nur die Spitze des Eisbergs markieren, denn bislang hat sich die Kontrolle elektronischer Sicherheitskomponenten im Auto auf konventionelle Sicht- und Funktionsprüfungen beschränkt. Doch das ändert sich jetzt.

Ab sofort wird erweitert gecheckt

Seit dem 1. April 2006 ist die HU von sicherheitsrelevanten elektronisch geregelten Bauteilen auf Basis einer entsprechenden Änderung der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung beschlossene Sache. Die gesamte privat genutzte Neuwagen-Population von 2006 rollt in diesem Jahr erstmals in die HU-Prüfhallen von TÜV, Dekra und Konsorten und hat den erweiterten Check zu absolvieren. Acht Elektronik-Baugruppen stehen nun zusätzlich auf dem Prüfstand: Brems- und Lenkanlage, aktive Lichttechnik, Rückhaltesysteme, Airbags, dynamischer Überrollschutz, Geschwindigkeitsbegrenzer sowie Fahrdynamikregelungen mit Bremseingriff.

Ein-Euro-Obolus für die erweiterte Prüfung

Um dies zu ermöglichen, war Pionierarbeit vonnöten. Zu diesem Zweck formierte sich vor knapp fünf Jahren die Fahrzeugsystemdaten GmbH, kurz FSD genannt, in Dresden. Gründer und Gesellschafter des Unternehmens sind alle deutschen Prüforganisationen. Im technischen Beirat sitzen zudem noch Vertreter des Verbands der deutschen Automobilindustrie und der internationalen Kraftfahrzeughersteller, der Autohersteller, des Kraftfahrzeuggewerbes und des Verkehrsministeriums. Die FSD ist mit einem Etat von rund 20 Millionen Euro pro Jahr ausgestattet, den die Autofahrer mit einem Ein-Euro-Obolus zusätzlich zur Hauptuntersuchungs-Gebühr finanzieren.

60 Millionen deutsche Fahrzeuge in der HU-Datenbank

Das 80 Mitarbeiter zählende Unternehmen trägt seit 2006 die spezifischen Daten sämtlicher Sicherheitssysteme der jeweiligen Autohersteller und deren Modellen zusammen und entwickelt entsprechende, standardisierte Prüfvorgaben für die Sachverständigen - Gleiches gilt übrigens auch für Nutzfahrzeuge, Busse und Motorräder. "Je nach Fahrzeug und Sicherheitsausstattung dauert dies mindestens 14 Tage", sagt FSD-Produktionsleiter René Babick. In Ausnahmefällen könne der Zeitaufwand doppelt so hoch sein. Die Hersteller sind übrigens vom Gesetzgeber in die Auskunftspflicht gegenüber der FSD genommen. Mittlerweile umfasst deren Datenbank Informationen für über 60 Millionen deutsche Fahrzeuge.

Systemdaten-Recherche-Anwendung

Die Brücke in die Prüfhalle schlägt die so genannte Systemdaten-Recherche-Anwendung, eine spezielle Software, mit der die Laptops oder PDA der Sachverständigen ausgerüstet sind. Die Fahrzeugidentifizierungsnummer (FIN) fungiert dabei als Schlüssel. "Anhand der FIN sieht der Sachverständige, mit welcher individuell bestellten und verbauten Sicherheitstechnik das Fahrzeug ausgerüstet sein muss", sagt Hans-Ulrich Höhn, Leiter der TÜV-Süd-Niederlassung in Dresden. Die Recherche-Anwendung prüfe dann, ob alle Systeme an Bord und korrekte Programmversionen vorhanden seien sowie sämtliche Funktionen einwandfrei arbeiteten.

Doch die Zukunft hat bereits begonnen: In der FSD-Erprobung ist der so genannte HU-Adapter, der an die On- Bord-Diagnose-Schnittstelle aufgesetzt wird und die fahrzeugspezifischen Daten für die Prüf-Software übersetzt. Das soll ab nächstem Jahr den Elektronik-Check weiter vereinfachen.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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