Autofahrer können in der Regel auch im Dezember noch ihre Kfz-Versicherung wechseln: Sonderkündigung bei Prämienerhöhung Thorben Wengert_pixelio.de.

KFZ-Versicherungen

Die wichtigsten Fragen zum Wechsel

Pünktlich zum Stichtag für einen möglichen Vertragswechsel starten die Versicherungen wieder eine Rabattschlacht. Der Tarif-Check zeigt die besten Angebote und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum gibt es Wechselfristen?

Oft endet das Versicherungsjahr am 31.12. Kündigen kann man mit einer Frist von einem Monat – also bis zum 30.11.
Ausnahme: Verträge mit anderer Hauptfälligkeit.

Lohnt ein Wechsel überhaupt?

Er kann sich lohnen. „Die Preisentwicklung der letzten Jahre zeigt deutlich, wie die Kfz-Versicherer pünktlich zur Wechselsaison die Preise senken. Im Oktober werden die Angebote rund fünf Prozent günstiger, bevor die Preise ab Dezember wieder steigen“, sagt Wolfgang Schütz, Geschäftsführer von Verivox. „Mit einem Tarifvergleich können Autofahrer rund ein Viertel sparen. So groß ist die Differenz zwischen dem mittleren Preissegment und den günstigsten Anbietern.“

Sind günstige Policen ein Tipp?

Beim Vergleich darf nicht nur der Preis zählen. Oft kommen billige Offerten durch einen Leistungsbeschnitt zustande. Dazu ist meist auch der Spareffekt mager: Wie auto motor und sport-Stichproben zeigen, sind Ersparnisse von weit über 30 Prozent selten.

Was bringen Kilometertarife?

Die Pay-as-you-drive-Tarife sollen sich für Wenigfahrer rechnen. Bei bis zu 5.000 Kilometern im Jahr können die fahrleistungsorientierten Verträge günstiger sein – laut Verivox-Analyse mit günstigen Versicherungen am Markt um die 200 Euro.

Ist ein Wechsel immer sinnvoll?

Je besser die Einstufung, desto geringer das Einsparpotenzial. Wer schon lang bei einer Versicherung ist, kann in einem Streitfall auf Kulanz hoffen. Ob sich der neue Anbieter so freundlich verhält, ist fraglich. Noch ein Tipp: Beim Preisvergleich bringt es etwas, wenn man seiner Versicherung ein günstigeres Angebot einer anderen Assekuranz vorlegt. Das drückt sehr oft den Preis.

Wie sieht ein guter Vertrag aus?

Die Redaktion und Marktbeobachter Verivox legten sechs Merkmale fest, die einen guten Vertrag auszeichnen. So fehlt etwa bei den Billigpolicen oft der Verzicht auf Einspruch bei grober Fahrlässigkeit. Noch schlimmer sieht es bei der Neuwertentschädigung aus. Wird das Auto gestohlen oder erleidet einen Totalschaden, ist häufig nur in den ersten sechs Monaten der Neupreis garantiert – gute Verträge bieten mindestens zwölf Monate lang Schutz. Außerdem sollte der Vertrag eine gute Absicherung bei Marderbissen enthalten, kundenfreundliche Policen zahlen auch die Folgeschäden und nicht nur den zerbissenen Schlauch. Allerdings gibt es bei vielen Versicherungen auch hier Grenzen. Überhaupt kann es bei Tierschäden schnell zu einer Unterdeckung kommen. Oft beschränken sich die Leistungen auf Schäden durch Haarwild – zu wenig, alle Tierarten müssen abgedeckt sein. Ferner ist die Mallorca-Police wichtig, die im Ausland bei Mietwagen geringere Deckungssummen in der Kfz-Haftpflicht ausgleicht. Zu guter Letzt ist es ratsam, dass der Vertrag den Rabattschutz beinhaltet. Diese oft kostenpflichtige Leistung (meist ab Schadenfreiheitsklasse 4) verhindert teure Rückstufungen nach Unfällen.

Welcher Versicherungsschutz?

Die Haftpflicht übernimmt lediglich die Schäden des Unfallgegners. Die Teilkasko zahlt die Schäden am eigenen Auto, die zum Beispiel durch Überschwemmung, Hagel, Brand, Explosion, Entwendung, Sturm, Blitzschlag oder Glasbruch entstehen. Die Vollkasko dagegen kommt für die finanziellen Folgen von Schäden am Fahrzeug bei selbst verschuldeten Unfällen und mutwilligen Beschädigungen durch Fremde (Vandalismus) auf. Sie beinhaltet außerdem alle Leistungen der Teilkasko.

Wie lange lohnt die Vollkasko?

Auch nach vier Jahren kann sich die Vollkasko noch rechnen. Dabei müssen immer individuelle Faktoren wie geringe Fahrleis-tung, günstige Grundprämie oder hoher Schadenfreiheitsrabatt berücksichtigt werden. Autobesitzer, die nur noch 30 Prozent des Jahresbeitragssatzes bezahlen, können häufig länger die Vollkasko behalten. Auch die jeweilige Auto-Typklasse ist wichtig: Je größer der Unterschied zwischen beiden Typklassen (hohe Teilkasko, niedrige Vollkasko), desto wahrscheinlicher ist es, dass man mit der Vollkasko günstiger fährt.

Nutzen die weichen Tarifmerkmale?

Sie können den Beitrag um bis zu zwei Drittel senken. Mittlerweile bietet die Branche einen bunten Strauß an – rund 50 Nachlässe gibt es. Standard sind Rabatte für Besitzer von Wohnungen, Häusern und Garagen oder Absolventen eines Fahrsicherheitstrainings. Weniger zahlen müssen auch jene, die nach einem Unfall eine Partnerwerkstatt des Versicherers aufsuchen. Vorsicht: Diese Leistung lohnt nicht für Neuwagen in der Garantiezeit. Sparen tun auch die Kunden, die ihren Beitrag jährlich im Voraus entrichten. Andere Zahlweisen kosten fast ein Drittel Aufschlag. Zudem spielen Fahrleistung, Alter von Auto und Halter sowie ein eingeschränkter Nutzerkreis eine Rolle: Ledige Neuwagenkäufer zwischen 25 und 70 Jahren mit unter 10.000 Kilometern Jahresfahrleistung kommen günstig weg.

Sind Rückstufungen vermeidbar?

Gerade wenn es um kleine Schäden geht, ist die Abwicklung über die Versicherung teuer. Günstiger kann es sein, die Reparatur des Gegnerautos selbst zu übernehmen. Ab wann sich das bezahlt macht, steht auf der Jahresrechnung oder muss beim Versicherer erfragt werden. Man kann den Schaden auch von der Assekuranz regulieren lassen und ihn innerhalb von sechs Monaten zurückkaufen. Die Einstufung gilt danach weiterhin als unangetastet.

Ist der SF-Rabatt übertragbar?

Der Schadenfreiheitsrabatt (SF-Rabatt) gehört dem Versicherungsnehmer. Er kann ihn für ein Auto aber abgeben, wenn er ihn nicht mehr braucht – etwa an das Kind, Patenkind oder den Enkel. Der Versicherungsvertrag für ein weiteres Fahrzeug, das dem Versicherungsnehmer gehört, bleibt von der Rabattübertragung unberührt.

Sind Dienstwagenrabatte erlaubt?

Wer lange Dienstwagen fährt, verliert seine Rabatte irgendwann. Beim Kauf eines Privatwagens muss man mit den SF-Klassen wieder von vorn anfangen. Das lässt sich vermeiden, wenn Angestellter und Chef eine Vereinbarung treffen, dass die SF-Klassen des Dienstwagens später dem Nutzer zustehen. Dem muss auch die Versicherung des Firmenautos zustimmen, weil sie die Daten des Nutzers zu pflegen hat.

Schützt Wechsel vor Rückstufung?

Wer nach einem selbst verursachten Unfall glaubt, durch Wechsel der Versicherung eine Rückstufung zu vermeiden, irrt sich. Die Versicherungen tauschen sich aus. Somit bekommt der Autofahrer auch beim Wechsel eine schlechtere Einstufung.

Muss man immer ehrlich sein?

Geht es um die weichen Tarifmerkmale, sollte man nicht schummeln. Ein Strafgeld wartet auf jene, die für diese speziellen Nachlässe bewusst falsche Angaben machen. Viele Assekuranzen verlangen dann eine Vertragsstrafe, die leicht einen Jahresbeitrag ausmachen kann.

Gibt es versteckte Preiserhöhungen?

Die Einstufung in eine bessere Schadenfreiheitsklasse senkt den Beitrag, doch manchmal nicht so, wie es sein sollte. Versicherte müssen daher auf den sogenannten Vergleichsbeitrag in der Rechnung schauen. Diese Angabe, die einige Anbieter im Kleingedruckten verstecken, zeigt, was zu zahlen wäre, wenn der neue Schadenfreiheitsrabatt schon im Vorjahr gegolten hätte. Ist diese Summe niedriger als der bald zu leistende Beitrag, liegt eine Preiserhöhung vor. Man hat dann ein Sonderkündigungsrecht.

Was ist ein Sonderkündigungsrecht?

Wenn Ihre Kfz-Versicherung einen Schaden reguliert oder die Beiträge erhöht, steht Ihnen ein Kündigungsrecht zu. Auch hier gilt eine Frist von vier Wochen. Sollte das Fahrzeug gewechselt werden, erlischt die Kfz-Versicherung automatisch.

Wie sollte man kündigen?

Die Kfz-Police sollten Sie grundsätzlich immer schriftlich kündigen – nicht per Fax oder E-Mail, sondern per Einschreiben mit Rückantwort. Geben Sie in der Kündigung die Versicherungsnummer und das Autokennzeichen an.

Wann muss die Kündigung raus?

Wer unüberlegt kündigt, steht am Ende ohne Police da. Vor dem Wechsel muss der Vertrag mit der neuen Gesellschaft sicher sein. Setzen Sie der alten Assekuranz eine Frist für die Kündigungsbestätigung.

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