EU-Energiekommissar Oettinger

Netzausbau: „Wir brauchen kürzere Genehmigungsverfahren“

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Brüssel. Für den raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und der Stromleitungsnetze in Europa hält EU-Energiekommissar Günther Oettinger kürzere Genehmigungsverfahren für dringend notwendig.

„Wir brauchen europäische Überlandleitungsnetze. Da müssen wir die Genehmigungsverfahren beschleunigen. Es macht keinen Sinn, die nächsten zwölf Jahre zu prüfen“, sagte Oettinger, der Keynote-Sprecher auf dem auto motor und sport-Kongress am 14. April in Stuttgart ist, dem Magazin auto motor und sport. Die EU habe sich „für 2020 einen Energiemix mit zehn Prozent erneuerbaren Energien im Transportbereich und 33 Prozent im Strombereich als Ziel“ gesetzt. „Das heißt, wir brauchen perfekte Netze. Wenn im Norden kein Wind bläst, dann kommt der Strom über die Sonne aus Südeuropa.“

Der rasche Ausbau der Netze sei auch deshalb unverzichtbar, weil die Abhängigkeit Europas von Energie-Importen stark zunehme. „Wenn man alle Energieträger nimmt, dann haben wir eine Abhängigkeit von Drittstaaten von 55 Prozent – und die wird noch steigen, trotz Energieeffizienz und erneuerbarer Energien. Im Jahr 2030 wird die Abhängigkeit der Importe auf 75 Prozent gestiegen sein.“

Deshalb müsse Europa vermeiden, zu stark von einem Energieträger und einem Land als Energielieferant abhängig zu werden. „Es darf aus dieser Abhängigkeit (von Importen, die Red.) kein wirtschaftlicher Nachteil entstehen. Deshalb brauchen wir einen breiten Energiemix und eine Vielzahl von Transporten – im Gasbereich neue Pipelines, höhere Speicherkapazitäten für Gas und neue Terminals für Flüssiggas. Wir wollen die Mitgliedsstaaten dazu bringen, ihren Gasbedarf für 30 Tage zu speichern. Dann kann man schnell Gas von Brindisi nach Warschau bringen – und die Abhängigkeit reduzieren. Aber all dies geht nur, wenn wir die erneuerbaren Energien ausbauen.“

Dabei werde die Energiespeicherung eine zentrale Aufgabe. „Die jetzige Generation heißt Pumpspeicherwerke – egal ob im Schwarzwald, in Vorarlberg oder in Norwegen. Dann käme die Energieumwandlung in Wasserstoff. Und drittens die Batterien in Elektroautos.“ Die Bundesregierung hat zur Entwicklung neuer Speichertechniken ein Sonderprogramm von 200 Millionen Euro aufgelegt, berichtet die WirtschaftsWoche. Die Förderung soll alle Formen der Energiespeicher umfassen, vor allem thermische, stoffliche und elektrische. Unternehmen erhalten bis zu 50 Prozent der Kosten erstattet, Universitäten und Forschungsinstitute können sogar bis zu 100 Prozent erhalten.

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