Maut-Bezahlsysteme in Europa telepeage

Maut-Bezahlsysteme in Europa

Wegweiser durch die Wegelagerei

Einmal registrieren und dann alle Dienste nutzen – ein gängiges Geschäftsmodell für Streamingdienste, Carsharing und viele andere Bereiche. Aber nicht für das Befahren der europäischen Straßen. Wo Sie wie bezahlen können und wo Fallen lauern.

Wer mit dem Auto ins Ausland fährt, der muss mit Mautgebühren rechnen. Die Nutzung von Autobahnen und Schnellstraßen ist in vielen europäischen Ländern kostenpflichtig und Verstöße können schnell sehr teuer werden. Im Zeitalter digitaler Lösungen von Bezahlsystemen für nahezu alles könnte man jetzt davon ausgehen, dass die Gebühren einfach und schnell elektronisch übermittelt werden können. Aber weit gefehlt, denn die Bezahlmöglichkeiten sind insgesamt zwar vielfältig, doch in den einzelnen Ländern völlig unterschiedlich. Sich durch den Mautdschungel zu schlagen, ist daher kompliziert und zeitaufwendig. Universallösungen für Pkw-Fahrer sind noch nicht in Sicht.

Welche Länder erheben Mautgebühren?

In der EU erheben insgesamt neun Länder eine sogenannte streckenbezogene Maut: Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Großbritannien, Irland, Kroatien, Polen und Portugal. An meist beschrankten Mautstationen wird dabei die jeweilige Gebühr fällig. In Österreich, der Schweiz, Bulgarien, Rumänien, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn sind für das Befahren von Schnellstraßen und Autobahnen Vignetten verpflichtend, die vorher gekauft und im Fahrzeug platziert werden müssen. Hört sich noch einigermaßen übersichtlich an, aber bei der Bezahlung der einzelnen Gebühren wird es dann tricky.

Mautboxen – eigentlich einfach und schnell

Elektronische Bezahlsysteme versprechen eine einfache Mautabwicklung. Sie sind für die Bezahlung der streckenbezogenen Gebühren vorgesehen. Neben Bargeld und Karte kann an den Mautstationen über eine an der Windschutzscheibe angebrachte Box, etwa so groß wie eine Streichholzschachtel, elektronisch bezahlt werden. Vorteile: Mit einer Mautbox müssen Sie nicht anhalten, die Bezahlung erfolgt automatisch beim langsamen Durchfahren der Mautstation, außerdem sind eigene Spuren für Mautbox-Besitzer reserviert.

Maut-Bezahlsysteme in Europa
Ideauto
Mautboxen vereinfachen das Passieren der beschrankten Mautstellen erheblich. Leider nicht überall.

Aber einfach eine Mautbox bestellen und dann sorgenfrei durch die EU-Länder fahren geht nicht. Die elektronischen Systeme sind nicht überall nutzbar und unterschiedliche Länder haben auch unterschiedliche Mautbox-Systeme. Für Frankreich und Spanien gibt es immerhin das übergreifende Bip&Go System und Dänemark, Norwegen sowie Schweden haben gemeinsam den Autopass eingeführt. Italien nutzt alleine den Telepass, Polen die viaBOX, Portugals Anbieter nennt sich Viaverde. Die Boxen können meist mit einem Guthaben aufgeladen, oder die Gebühren anschließend per Rechnung oder Lastschrift gezahlt werden.

Die (E-)Vignette

Der Vorteil der streckenbezogenen Maut: Es ist äußerst unwahrscheinlich, aus Versehen ohne Bezahlung eine kostenpflichtige Straße zu befahren. Bei der Vignettenpflicht ist das hingegen schnell passiert. Die Vignetten müssen vor dem Befahren der Mautstrecken an Verkaufsstellen erworben und in der Windschutzscheibe platziert werden. Sie gelten unterschiedlich lange. Ohne Vignette in eine Kontrolle zu geraten, bedeutet in den meisten Fällen ein Bußgeld.

Maut-Umgehungsstrecken
fotolia/Hilpert, Asfinaq, Archiv
Vignetten müssen vorschriftsmäßig in der Windschutzscheibe angebracht sein.

Vereinfachung soll die neben dem normalen Pickerl online erhältliche E-Vignette schaffen. Seit 2018 ist sie etwa für Österreich verfügbar, allerdings muss sie hier mindestens 18 Tage vor dem Befahren der Strecke gekauft werden. Ungarn, Rumänien und die Slowakei setzen ausschließlich auf E-Vignetten, die dort sofort gültig sind. Bei E-Vignetten ist nur der Beleg als Nachweis mitzuführen, sowie selbstverständlich die Fahrzeugpapiere.

Keine Universallösung in Sicht

Eine Mautbox oder Vignette, die in allen EU-Ländern gilt, existiert nicht. Die Arbeit an einer Universallösung wurde für Flotten von Geschäftskunden – vorrangig Lkw – bereits aufgenommen, beispielsweise bietet UTA eine Box an, die Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, Österreich und Abschnitte in Polen sowie Belgien einschließt. Auch die DKV widmet sich dem Thema und wirbt damit, schon bald eine europaweit funktionierende Mautbox anbieten zu können. Tatsächlich sind aktuell (Juli 2019) aber nur Deutschland, Belgien und Österreich angebunden. Bis 2021 soll die Box, die nur für Gewerbetreibende und Unternehmen erhältlich ist, EU-weit funktionieren. Private Pkw-Fahrer werden hingegen derweil noch völlig allein gelassen. Freie Fahrt mit dem Auto durch Europa bedeutet vollgeklebte Windschutzscheibe.

Sonderfälle oder Mautfallen

Wenn Sie bis hierher noch nicht verwirrt genug sind, haben wir einige Sonderfälle parat: Zum Beispiel wurde in Italien für das Befahren der Autostrada 36 im Großraum Mailand ein neues automatisiertes Mautsystem namens Free Flow eingeführt, das durchfahrende Fahrzeuge anhand des Kennzeichens erfasst. Wer sich nicht im Vorfeld online registriert hat oder einen Telepass besitzt, muss dann selbst innerhalb von 15 Tagen die Kundendienststelle Punto Verde aufsuchen oder die Gebühr an einer von acht Tankstellen in der Region bezahlen.

Auch in Großbritannien, genauer gesagt in den Regionen um London und Dublin gibt es Streckenabschnitte, für die Sie sich vorher online anmelden müssen.

Fazit

Vereintes Europa? Von wegen! Die Zeiten des Reisens ohne Grenzkontrollen sind in einigen Ländern schon wieder vorbei. Bei den Straßenbenutzungsgebühren und ihren Bezahlsystemen in Europa war immer schon nur die Vielfalt grenzenlos. Dabei wäre Einheitlichkeit ein wichtiger Schritt zur Kosten-Transparenz für die Reisenden und bedeutete vor allem das Ende aufwendiger Vorrecherche – nur um bezahlen zu können.

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