McLaren Hauptquartier Woking Impfzentrum McLaren / Natalya Vaitkevich / Patrick Lang
McLaren Speedtail
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McLaren Hauptquartier in Woking wird Impfzentrum

Sportwagen-Hersteller McLaren baut um Hauptquartier wird Impfzentrum

Nach dem geplanten Verkauf des McLaren-Hauptquartiers in Woking wird der Standort temporär einem neuen Zweck zugeführt. Dort entsteht ein Impfzentrum.

Ende 2020 meldete der von der Corona-Pandemie schwer gebeutelte Sportwagenhersteller McLaren den geplanten Verkauf des Hauptquartiers in Woking für rund 220 Millionen Euro. Nun haben die Briten einen ganz eigenen Weg gewählt, um es dem Virus heimzuzahlen. Temporär wird der Komplex in ein Impfzentrum verwandelt. Ortsansässige Risiko-Patienten und Pflegekräfte erhalten in den Hallen der Sportwagen-Manufaktur nun ihre Impfungen. Die finanziellen Probleme löst McLaren damit freilich nicht, eine freundliche Geste ist die Bereitstellung dennoch.

Auf der Suche nach Geld

Cashflow heißt das, was McLaren gerade dringend braucht – frisches Geld, das den laufenden Kosten entgegensteht. McLaren geht es eigentlich nicht schlecht, die Auftragslage ist besser, als unternehmensintern zu Beginn der Corona-Krise befürchtet. Aber aktuell gibt es nur wenige Auslieferungen und damit kaum Einnahmen.

Seine extrem flexible und gut durchorganisierte Manufakturarbeit musste McLaren im Zuge der nach wie vor in England recht heftig wütenden Corona-Pandemie komplett einstellen – auch weil die Zulieferketten zusammenbrachen. Ganz langsam versuchen die Engländer, wieder die Produktion zu starten – die Arbeiten an Modellen der Ultimate-Series haben bereits wieder zaghaft begonnen. Aber die Auslieferungen reichen bei weitem nicht.

McLaren MP4-1
Gregor Hebermehl
Technologisch wichtiger Ahne: Das Formel-1-Auto McLaren MP4-1 (vorn) von 1981 war das erste Auto mit einem Karbon-Monocoque.

Speedtail als Goldesel unfreiwillig gestoppt

Besonders der neue Speedtail war für 2020 als Cashcow geplant – und die ersten Exemplare des McLaren-F1-Nachfolgers sind bereits in Kundenhand. Mit Beginn der Corona-Pandemie endeten die Auslieferungen des rund zwei Millionen Euro teuren Modells der Ultimate Series abrupt. Die Einnahmen fielen auf Null und als unabhängiger Hersteller konnte sich McLaren auch keine Hoffnungen auf Querfinanzierungen oder Finanzspriten aus anderen Unternehmensteilen machen.

Auf der Suche nach Geldquellen fragte McLaren auch bei der britischen Regierung an – ein Darlehen in Höhe von 150 Millionen Pfund (aktuell umgerechnet zirka 168 Millionen Euro) wünschte sich der Autobauer. Die Minister lehnten das Ansinnen ab. Laut der BBC ist man bei McLaren inzwischen bereit, eine Hypothek auf das Hauptquartier im englischen Woking aufzunehmen. Außerdem denken die Engländer darüber nach, ihre Sammlung historischer McLaren-Rennwagen zu verpfänden – dies könnte noch mehr Geld einbringen als die Hypothek auf das Hauptquartier. Der Bezahl-Sender Sky schätzt, dass die Hypothek bis zu 200 Millionen Pfund (224 Millionen Euro) bringt, und dass die Rennwagen-Sammlung einen Wert von 250 Millionen Pfund (281 Millionen Euro hat). McLaren bestätigt derweil nur, dass man viele Möglichkeiten durchdenke, an das nötige Geld zu kommen.

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Erst verkaufen, dann leasen

Eine davon ist auch der komplette Verkauf des Hauptquartiers. Allerdings wäre dieser Schritt weniger endgültig, als er im ersten Moment klingt. Der Komplex solle im Anschluss via Leasing-Modell weiterhin von McLaren in gewohnter Manier genutzt werden, wie ein Sprecher gegenüber Sky äußerte. Damit könne man sicherstellen, dass einerseits die Liquidität gesichert und andererseits das Tagesgeschäft nicht beeinflusst werde. Das wäre in der Tat wichtig, denn so könnte auch die Produktion des Speedtail wieder Fahrt aufnehmen.

Austin 7 Racing
Gregor Hebermehl
Der Austin 7, mit dem Bruce McLaren sein Renndebut hatte, steht heute in der McLaren Sammlung im englischen Woking.

Im November 2016 hatte McLaren sein neues dreisitziges Hypercar bestätigt. Die 106 zu bauenden Exemplare waren sofort ausverkauft, obwohl es zu diesem Zeitpunkt kaum Informationen zur späteren Serienversion gab. Die Produktion per Hand startete 2019 im McLaren-Werk im englischen Woking – 22 Autos aller Modellreihen verlassen dort im Schnitt pro Tag die Werkhalle. Ab Anfang 2020 war der Speedtail zu haben. Die Kunden zahlen pro Auto 1,75 Millionen britische Pfund, ohne Steuern. Inklusive Mehrwertsteuer wären das in Deutschland aktuell umgerechnet zirka 2,37 Millionen Euro. Wie viele Speedtail nach Deutschland gehen, verrät McLaren auch auf Nachfrage nicht. Bisher gingen zirka zehn Prozent der produzierten Modelle an Kunden aus Deutschland.

McLaren F1

Fazit

Die Corona-Pandemie setzt der Autoindustrie weltweit zu. Besonders die kleinen Hersteller haben ihre finanziellen Reserven dabei schnell aufgebraucht. McLaren hat es in England besonders hart erwischt, schließlich leiden die Briten stark unter der Corona-Pandemie, gleichzeitig musste McLaren die Auslieferungen seines neuen Speedtail stoppen.

Die Kunden sind zwar scharf auf den extravaganten Hoffnungsträger und McLaren-F1-Nachfolger – aber das Corona-Virus zerstörte die Lieferketten und die Manufaktur-Produktion in Woking. Jetzt muss der Supersportwagen-Hersteller sehen, wo er frisches Geld herbekommt – auch wenn er dafür sein Hauptquartier und seine wertvolle Rennwagen-Sammlung beleihen muss.

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