Mobilitätstest, Brennstoffzelle, Moove 0119 Dino Eisele

Der große Mobilitätstest

Unterwegs mit dem Wasserstoffauto

Das Wasserstoffauto kann fast alles: schnell tanken, lokal emissionsfrei fahren und eine große Reichweite bieten – wären da nicht der Preis und die Tankstelleninfrastruktur.

Wow, ich bin nachhaltig beeindruckt. Anfangs dachte ich, mit dem Hyundai Nexo müsste ich wie in dünn besiedelten Ländern an absolut jeder erreichbaren Tankstelle panisch Kraftstoff nachfüllen. Stattdessen geht es komfortabel und völlig entspannt durch den Alltag und über weitere Strecken, während die Kollegen verzweifelt nach Ladesäulen fürs E-Auto suchen und sich mit warmen Klamotten für Roller und E-Bike eindecken. Schon nach wenigen Tagen steht fest: Müsste ich mich für eine Alternative zum Verbrenner entscheiden, wäre das klar das Brennstoffzellen-Auto.

Die Gründe? Vielfältig! Vor allem das faszinierende technische Konzept und die Vorstellung, ein eigenes Kraftwerk an Bord zu haben. Denn im Grunde bin ich in einem normalen Elektroauto unterwegs – mit allen Vorteilen, wie dem angenehmen Fahrverhalten, Sonderrechten in einigen Städten sowie freier Fahrt trotz Fahrverboten – nur kommt der Strom nicht aus einem großen Akku, sondern wird von der Brennstoffzelle bedarfsgerecht erzeugt.

Der kleine Drache faucht und dampft

Die verwandelt den Wasserstoff per umgekehrter Elektrolyse in elektrische Energie, übrig bleibt lediglich reines Wasser. Wobei genau das für Aufsehen sorgen kann. So schaltet der Nexo seinen Antrieb unter lautem Fauchen aus, um das Abgassystem leer zu pusten. Manchmal bläst er dabei auch eine ansehnliche Dampfwolke in die Umgebung. Weitere Besonderheiten gibt es aber nicht.

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Vom Wasserstoff, der auf 700 bar in die Tanks verdichtet wird, bleibt nur Wasser übrig.

Dank großer Tanks, in denen der Wasserstoff auf 700 bar verdichtet lagert, ist die Reichweite üppig – wer nicht gerade mit Bleifuß über die Autobahn rauscht, fährt mit dem Nexo auch mal gut 550 Kilometer am Stück. Irgendwann jedoch ist ein Tankstopp nötig, und offen gestanden ein bisschen Respekt hatte ich vor dem ersten Mal schon. Wie das wohl funktioniert? Aber ein ganz klein wenig enttäuscht war ich danach schon. Da steuert man ein Hightechfahrzeug, aber das Tanken ist unspektakulärer als bei einem Gasauto. Zapfsäule per Karte freischalten, Tankstutzen aufsetzen und arretieren, Startknopf drücken – nach maximal fünf Minuten ist alles erledigt. Und da der Preis bislang einheitlich bei 9,50 Euro pro Kilo liegt, kostet das kaum mehr als bei herkömmlichem Sprit.

Allerdings, das sei an dieser Stelle erwähnt, findet sich nicht an jeder Ecke eine passende Zapfsäule. Tatsächlich gibt es gerade einmal 60 in Deutschland, bis Ende des Jahres sollen immerhin 100 gebaut sein. Die sind jedoch flächig verteilt, sodass man innerhalb der Republik fast jede Ecke erreicht. Zumindest wenn man sich vorab Gedanken über die Route macht und den einen oder anderen Umweg in Kauf nimmt. Hilfe bei der Reiseplanung bietet das bordeigene Navi, das viele Tankstellen kennt, sowie H2Mobility. Das Unternehmen baut und betreibt derzeit nahezu alle Zapfsäulen. Bevor ich losfahre, werfe ich einen Blick auf deren Webseite oder App (H2.live), um zu schauen, ob es aktuell Störungen an den Zapfsäulen gibt.

Mobilitätstest: Unterwegs mit dem Wasserstoffauto
3:01 Min.

Auf meiner Reise ging zum Glück alles gut, nicht ein einziges Mal hatte ich Sorge, liegen zu bleiben. Trotzdem ist mir nicht alles positiv in Erinnerung. Denn obwohl es grundsätzlich möglich ist, Wasserstoff CO2-neutral herzustellen, stammen derzeit nur rund 20 Prozent aus grüner Produktion. Die ist nämlich – ähnlich wie bei synthetischen Kraftstoffen – mangels passender gesetzlicher Regelungen noch zu teuer. Es gilt also wie beim E-Auto: Man ist lokal emissionsfrei unterwegs, in Summe aber nur so sauber wie der getankte Kraftstoff.

Ein weiteres Manko sind die verfügbaren Fahrzeuge. So wird der Honda Clarity bislang gar nicht in Deutschland angeboten, den Mercedes-Benz GLC F-Cell kann man nicht regulär kaufen. Bleiben noch der Toyota Mirai und eben der Hyundai Nexo, letzterer für 69.000 Euro. Das ist angesichts der komplexen Technik, der umfangreichen Ausstattung und der hohen Praxis-tauglichkeit zwar absolut angemessen, aber eben doch kein Schnäppchen.

Ob das Brennstoffzellenauto langfristig eine Zukunft hat, ist derzeit noch fraglich. Ich würde es feiern, denn das Potenzial dafür hätte es allemal!

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Fazit

Hätte ich das nötige Kleingeld, würde ich ernsthaft über so ein Brennstoffzellenauto nachdenken – die Technologie fasziniert und ist mit etwas vorausschauender Planung voll alltagstauglich. Ob sie sich durchsetzt und ökologisch sowie wirtschaftlich wird, hängt aber maßgeblich von Politik und Industrie ab.

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Klärung vor dem Bundesgerichtshof steht aber fest.

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