Mobilitätstest, E-Bike, Moove 0119 Dino Eisele

Der große Mobilitätstest

Unterwegs mit dem E-Bike

Wir wollten das Rad nicht neu erfinden, sondern testen, ob sich ein E-Bike als Autoersatz eignet. Antwort: Ja, aber auf die passende Ausrüstung kommt es an.

Nichts ist mit der einfachen Freude vergleichbar, Rad zu fahren, soll John F. Kennedy einmal gesagt haben. Und obwohl US-Präsidenten früher auch vernünftige Dinge von sich gegeben haben, ist momentan nichts vergleichbar mit der Kälte, die unter meiner viel zu dünnen Radjacke emporkriecht. Also sofort umdrehen und wärmer anziehen.

Ich geb’s ja gern zu: Rad fahren war für mich immer reines Hobby, ausgeübt bei schönem Wetter und Temperaturen im zweistelligen Bereich. Mit Freunden in den Biergarten oder an den nächsten Baggersee – einfach nur herrlich. Aber als ernsthaftes Verkehrsmittel in einer hügeligen Autostadt wie Stuttgart, wo Radwege gern abrupt an vierspurigen Straßen enden? Viel zu anstrengend und gefährlich.

Doch seit ich mich für das E-Bike in unserem Alltagstest gemeldet habe, merke ich, wo es tatsächlich klemmt: Meine Radklamotten sind ein Scherz bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Zweite Lektion: Auf E-Bikes muss man weniger treten und friert noch mehr. Also erst mal ein paar warme Sachen ausgeliehen, Skiklamotten umfunktioniert und eine Helm-Unterzieh-Mütze gekauft. Jetzt kann’s losgehen.

Mobilitätstest: Unterwegs mit dem E-Bike
5:04 Min.

Das Cube Cross-Hybrid One, das ich ausprobiere, gehört mit rund 2000 Euro Anschaffungspreis zu den Einsteigerrädern mit Stromunterstützung. Dennoch bin ich begeistert, wie ausgereift es wirkt: Der Bosch-Motor unterstützt nicht nur sehr leise, sondern auch harmonisch, es fühlt sich alles wie normales Radfahren an – nur dass ständig der Wind von hinten bläst. Und wie er bläst. Die stärkste Stufe heißt bei Bosch passenderweise „Turbo“, jetzt ist kaum noch Kraft nötig. Trotzdem hält der Akku ewig. Ich lade einmal die Woche, meine Arbeitsstrecke ist nicht so lang. Doch selbst auf Wochenendtouren mit Gepäck hält der Speicher 80 Kilometer.

Auf Turbo komme ich ohne zu schwitzen in der Redaktion an, was für mich Grundvoraussetzung ist, um dauerhaft aufs Auto zu verzichten. Im Verlag gibt es zwar Duschen, aber die Körperpflege erledige ich dann doch lieber zu Hause. Auf dem Heimweg macht mir die Anstrengung jedoch nichts aus, im Gegenteil: Schon am zweiten Tag fahr ich nicht direkt nach Hause, sondern drehe noch eine Extrarunde durch den Wald, schalte den E-Motor auf „Eco“ und steig kräftig in die Pedale. Wie oft bin ich schon mit dem Auto nach Hause gefahren, um dann noch ins Fitnessstudio zu gehen – was für ein Quatsch. Doch nicht nur das Sportprogramm lässt sich perfekt mit dem Arbeitsweg kombinieren: Mit dem Rad darf ich auch dort fahren, wo Autos ausgeschlossen sind: in Teilen der Fußgängerzone, um dann direkt vor dem Geschäft zu parken.

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Navigations-Apps wie Komoot lotsen gezielt über Nebenstraßen und Radwege.

Rad-Navi: bloß weit weg von den Autos

Nachdem ich die Stadt jahrelang aus der Autoperspektive erfahren habe, merke ich jedoch, dass sich meine gewohnten Routen nicht fürs Rad eignen: Hauptstraßen scheiden nicht nur aus Sicherheitsgründen aus. Alle paar Meter an einer roten Ampel zu stehen macht einfach keinen Spaß. Ich besorge mir eine Handy-Halterung für den Lenker, starte die Google-Navigation, klicke auf die Fahrradoption – und bin dennoch enttäuscht. Auch Google lotst recht Hauptstraßen-lastig, lediglich die Ankunftszeit wird ans Radtempo angepasst. Doch es gibt Apps, die jeden Radweg kennen und in der Stadt durch ruhige Wohngebiete führen. Meine derzeitige Lieblings-App hierfür heißt Komoot. In der Gratisvariante ist ein Kartenausschnitt umsonst, weitere Regionen lassen sich gegen geringe Gebühr freischalten.

Ohne Extragebühr darf ich mein Stromrad mit in die S-Bahn nehmen. Da der Motor nur bis 25 km/h unterstützt, gilt es rechtlich als normales Fahrrad. E-Bikes, die 45 km/h fahren und ein Kennzeichen benötigen, müssen draußen bleiben. Doch gerade die Kombination mit dem ÖPNV macht das E-Bike so praktisch: Die weite Strecke erledigt die S-Bahn, den Weg vom Bahnhof ans Ziel das Pedelec. Last-Mile-Konzept nennen das Mobilitätsexperten, ich würd eher Last-Smile-Konzept sagen.

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Fazit

Manchmal muss man zu seinem Glück gezwungen werden. Allein wäre ich wohl nie auf die Idee gekommen, im Winter E-Bike zu fahren. Vom Start weg genieße ich die Freiheit, überall parken zu dürfen, entscheide, ob ich nebenbei meine Ausdauer trainieren oder lieber schweißfrei ankommen möchte. Klar, für Großeinkäufe gibt es Geeigneteres, und was ich mache, wenn es in Strömen schüttet, weiß ich auch noch nicht. Doch mit warmen Klamotten und einer Navi-App meistert so ein Stromrad die meisten Alltagsfahrten.

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Das Spezialfahrzeug fährt bis vor die Supermarkt-Tür und ist völlig autark.

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