Wütende Autofahrer ams

KI-System gegen Fahrer-Frust

Mittelfinger erkennen, bevor sie entstehen

Das Forschungsprojekt F-Relacs (Frustration Real-time Recognition for an Adaptive in-Car System) soll frustrierte und aggressive Autofahrer erkennen und sie zurück auf die gute Seite der Macht holen. Peace, Love and Fahrvergnügen durch künstliche Intelligenz im Auto.

„Dir hat auch noch keiner erzählt, dass das Gaspedal rechts ist, oder?“ Ja, Mittelspur-Mieter, Diät-Blinker und der gute alte Feierabend-Verkehr strapazieren die Nerven. Täglich brüllen wir die Windschutzscheibe an, verprügeln unser Lenkrad. Wild gestikulierend verteilen wir Schimpfworte und behalten: den Frust. Darunter leidet in der Folge die eigene Konzentration und damit die Fahrsicherheit. Hier sehen die Forscher des Projekts F-Relacs Handlungsbedarf.

Aktiv gegen Frust im Auto

Ein emotionssensitives System namens MUsE (my user Experience) soll durch Kameras und Sensoren negative Gefühle des Fahrers sowie die Ursache erkennen. Videoaufnahmen des Gesichts und Signale wie Herzrate und Pupillenweite werden hierzu ausgewertet. Anschließend soll ein digitaler Assistent das Stresslevel senken. Im Test sind momentan die Einflüsse von Lichtfarben, Gerüchen, Musik und sogar eines künstlichen Beifahrers, der aktiv zuhört. Haben Sie schon einmal versucht, Siri, Alexa oder Google von ihren Problemen zu erzählen? Wirklich entspannend ist diese Unterhaltung nicht. Aber diese Stimmen wurden schließlich auch nicht direkt auf Deeskalation geschult.

Knapp ein Jahr hat das Team noch Zeit, das System mit einem Projektvolumen von 1,22 Millionen Euro heranzuzüchten. Beauftragt und gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sind maßgeblich drei Partner beteiligt: Die TWT Science & Innovation GmbH, die SoundReply GmbH und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) – Institut für Verkehrstechnik. Ende 2020 sollen die Ergebnisse schließlich bei einem Abschluss-Event in Braunschweig präsentiert werden.

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Ein duftendes, leuchtendes KI-System

Fazit

Schwer vorstellbar, dass der kleine tägliche Ausraster durch den Duft von Sandelholz oder Vogelgezwitscher aus dem Soundsystem verhindert werden kann. Wenn aber doch, wäre der Personentransport künftig vielleicht nur noch Nebenjob eines Autos. Hauptberuflich ist es dann nämlich ein geheimer Rückzugsort, ein rollendes Spa und vielleicht sogar gesunder Ersatz für das eine oder andere Genussmittel.

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