Ökoverbände

Sturmlauf gegen Verkehrsbelastung

Foto: Beate Jeske/dpa

Angesichts der dramatisch steigenden Verkehrs-Belastungen und Folgen für den Klimawandel haben Umweltverbände und Bahn-Lobby die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert. Vor dem Hintergrund zunehmender Staus und immer neuer Rekorde bei den Spritpreisen sollte die Regierung einen "runden Tisch" wichtiger Gruppen einrichten.

Das forderte der Geschäftsführer der "Allianz pro Schiene", Dirk Flege, am Donnerstag (22.5.) in Berlin. Die Bahn benötige eine Investitions-Offensive. Deshalb sollten die erwarteten Erlöse aus der Bahnprivatisierung zu 100 Prozent in die Infrastruktur fließen und nicht - wie geplant - zu einem Drittel in den Bundesetat. Bisher fehle jedes Klimaschutz-Konzept für den gesamten Verkehrssektor, beklagten auch der Naturschutzbund und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Der von Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) vorgelegte Masterplan Verkehr mit der geplanten stärkeren Verlagerung von Gütern von der Straße auf die Schiene sei nur ein erster Schritt, sagte Flege. Die Politik wirke hilflos gegen den wachsenden Güter- und Autoverkehr und den damit verbundenen Kohlendioxid-Ausstoß. "Klimapolitisch ist dies ein Horrorszenario." Diskutiert werde über Einzelmaßnahmen und nicht über eine integrierte Politik. "Was nutzt eine beispielsweise zehnprozentige CO2-Reduzierung pro einzelnem Pkw-Kilometer, wenn der Pkw-Verkehr von der Menge her weiter zunimmt?"

Verkehrsverlagerung gefordert

Regierung und EU sollten das Ziel vorgeben, bis 2020 den CO2- Ausstoß des Verkehrs um 20 Prozent zu senken. Ein solches Einzelziel fehle, während sich die Regierung darauf festgelegt habe, den Kohlendioxid-Ausstoß insgesamt bis dahin um 40 Prozent zu verringern. Die wichtigsten Stichworte seien "Verkehrsvermeidung und - Verlagerung" auf die Schiene. Mit der Investitionsoffensive in das Schienennetz müssten auch Bahn-Engpässe und "Langsamfahrstellen" beseitigt werden. 

Um ein klima- und verkehrspolitisches Gesamtkonzept unter Einbeziehung des steigenden Flugverkehrs sollte es beim Weltverkehrsforum in der kommenden Woche in Leipzig gehen, forderten auch Nabu-Verkehrsexperte Benjamin Bongardt und BUND-Geschäftsführer Gerhard Timm.

Bahn contra Lkw

Bei der CO2-Strategie für Autos sollte die Bundesregierung ehrgeizigere Ziele verfolgen, verlangte Timm. Ziel müsse das Drei-Liter-Auto sein. Allein beim Lkw-Verkehr rechne die Bundesregierung in den kommenden 17 Jahren mit einem Anstieg der Fahrleistung um 40 Prozent und einem Anstieg der Verkehrsleistung um 84 Prozent, sagte Flege. Die CO2-Emissionen des Lkw-Verkehrs stiegen danach bis 2025 um 19 Prozent auf jährlich 57 Millionen Tonnen. Die Bahn habe inzwischen bei den Gütertransporten erheblich zugelegt, habe aber noch großes Potenzial. "Hier müssen oft nur mehr Waggons angehängt werden."

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