Diskussion um BMW-Plug-in-Hybride

Fahren PHEVs nur noch elektrisch durch die Stadt?

BMW 330e Details Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Britische Zahlen zeigen: Fahrer von Plug-in-Hybriden nutzen den Elektroantrieb kaum. Und in Deutschland drohen Diesel-Fahrverbote. BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich bringt das auf eine Idee, die nicht bei jedem gut ankommen dürfte.

Plug-in-Hybride spielen bei BMW eine immer größere Rolle. Aktuell gibt es den 2er Active Tourer, den 5er und den 7er mit Verbrennungs- und Elektromotor sowie aufladbarer Batterie. Bald folgen der neue 330e, der nach Norm 60 rein elektrische Kilometer schafft, und der neue X5 xDrive45e, der sogar bis zu 80 Kilometer absolvieren können soll, ohne dass der Reihensechser unterstützt. Die Strategie dahinter: Die Teilzeit-Stromer sollen die BMW-Modellpalette nach und nach etwas unabhängiger vom Diesel machen, was der CO2-Bilanz der eigenen Flotte helfen würde. Zudem den Kunden, die sich mit immer mehr Diesel-Fahrverboten konfrontiert sehen. Und letztlich auch den schadstoffbelasteten Innenstädten.

BMW 330e (2019)
BMW 3er mit Plug-in-Hybrid und Extra-Boost

Interessantes Zitat von BMW-Vorstand Fröhlich

Genau darauf zielte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich kürzlich ab, als er am Rande der LA Auto Show auf etwas Interessantes hinwies: PHEVs könnten per GPS-Kennung beim Einfahren in eine abgasbelastete Innenstadt dazu gebracht werden, auf reinen Elektrobetrieb umzuschalten. „Das Auto schaltet den Verbrennungsmotor automatisch ab“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Das könne vor allem in jenen deutschen Städten von Belang sein, die Fahrverbote für Dieselautos verhängen müssen.

Fröhlichs Vorstoß könnte aber auch ein anderes Problem lösen, das sich verstärkt in Großbritannien zeigt. Dort sind – auch wegen großzügiger finanzieller Förderung vonseiten des Staates – Plug-in-Hybride auf dem Vormarsch. Der BBC zufolge wurden in diesem Jahr bereits 37.000 PHEVs auf der Insel verkauft, 70 Prozent davon kommen in Firmenflotten zum Einsatz. In der Theorie geht das so: Im Überlandverkehr fahren die Autos mit Benzin oder Diesel, in der Stadt vorwiegend elektrisch. Deshalb sind Plug-in-Hybride beispielsweise von Londons Citymaut befreit, die sich nach dem Schadstoffausstoß der Autos bemisst. Doch wie eine aktuelle Studie zeigt, über die ebenfalls die BBC berichtete, werden die Autos nur höchst selten elektrisch gefahren.

Schwache Nachlade-Disziplin der Fahrer

Tesla Model 3 (2019) Prämie für E-Autos und Plug-in-Hybride Für diese Autos gibt's Geld vom Staat

Die Rundfunkanstalt zitiert Daten, die die aufs Autoflotten- und Kraftstoff-Management-Geschäft spezialisierte Beratungsgesellschaft The Miles Consultancy (TMC) erhoben hatte. Demnach verbrauchten 1.500 überprüfte Plug-in-Hybride im wahren Leben im Schnitt 7,2 Liter, dabei hätten es eigentlich nur 2,2 sein sollen. Klar, hier spielt die Diskrepanz zwischen Norm- und Realverbrauch, die beim Plug-in-Hybriden erfahrungsgemäß noch größer ist als beim reinen Verbrenner, eine beträchtliche Rolle. Aber eben auch die schwache Nachlade-Disziplin der Fahrer.

„Es gibt einige Beispiele, in denen die Angestellten die Autos niemals aufladen“, sagt Paul Hollick, TMC-Geschäftsführer, der BBC. „Die Ladekabel sind immer noch in Folie verpackt im Kofferraum.“ Diese Praxis sei lächerlich. Schuld seien sowohl der Staat als auch die Firmen und die Fahrer. Der Staat deshalb, weil er Dieselautos stärker besteuert und gleichzeitig Plug-in-Hybride mit bis zu 4.500 Pfund bezuschusst. Die Firmen deshalb, weil sie statt Dieselautos auch für jene Mitarbeiter PHEVs angeschafft hätten, die vorrangig auf der Langstrecke unterwegs seien. Und die Fahrer deshalb, weil sie den bequemen Weg gingen und lieber die von der Firma bezahlte Tankkarte zückten, als sich um Lademöglichkeiten für ihr Auto zu kümmern.

Steuervorteil für Plug-in-Hybride

Interessant wird sein, wie sich das Verhalten der Firmen und ihrer Angestellten ändert, sobald der Staat seine direkte finanzielle Förderung einstellt. Stattdessen soll es in Großbritannien fortan steuerliche Vorteile und mehr kostenlose Parkplätze für Plug-in-Hybride geben, außerdem Zuschüsse, um die Ladeinfrastruktur zu verbessern. Auch Deutschland führt bald eine steuerliche Beihilfe für PHEVs und Elektroautos ein. Als Bemessungsgrundlage für die Dienstwagensteuer (die sogenannte Ein-Prozent-Regel) dient ab 1. Januar 2019 nicht mehr der volle, sondern nur noch der halbe Listenpreis. Man darf gespannt sein, welche Auswirkungen das auf die Absatzzahlen und das Verhalten der Fahrer von Plug-in-Hybriden hat. Auch Klaus Fröhlich dürfte die Entwicklung gepannt verfolgen.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen die derzeit auf dem deutschen Markt erhältlichen Plug-in-Hybride.

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