Porsche-Schriftzug, Werk Leipzig Porsche

Manipulierte Getriebe-Hardware bei Porsche

Neue Hinweise auf Abgasmanipulation

Porsche selbst hat mögliche Benzinmotor-Abgasmanipulationen ermittelt und gemeldet. Testautos hatten anscheinend andere Getriebe als Serienautos.

Bereits im Juni 2020 informierte Porsche die Staatsanwaltschaft Stuttgart, das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) und amerikanische Behörden über mögliche Abgasmanipulationen bei seinen Benzinmotoren. Wie das Wirtschaftsmagazin Business-Insider jetzt herausfand, geschahen die Manipulationen anscheinend mithilfe von geänderten Getrieben. So berichten Porsche-Mitarbeiter, dass bei den für Abgastests vorgesehenen Fahrzeugen Zahnrad-Paarungen zum Einsatz kamen, die eine längere Übersetzung und somit einen niedrigeren Verbrauch ermöglichten. Die späteren Seriengetriebe hatten eine kürzere Übersetzung für eine dynamischere Beschleunigung – bei höherem Verbrauch. Es wäre unzulässig, wenn das Testfahrzeug technisch vom späteren Serienfahrzeug abweicht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat deshalb inzwischen Anklage gegen vier Beschuldigte erhoben.

Porsche 911 Achtgang-Porsche Doppelkupplungsgetriebe PDK Baureihe 911 (Typ 992)
Porsche
Porsche soll Getriebe von Testfahrzeugen mit geänderten Übersetzungen manipuliert haben (im Bild das Achtgang-Doppelkupplungegetriebe des Porsche 911 Baureihe 992, das nicht von den Manipulationsvorwürfen betroffen ist).

Acht Prozent Abweichung möglich

Nach porscheinternen Untersuchungen sollten die Manipulationen anscheinend eine Abweichung beim CO2-Ausstoß von maximal acht Prozent bewirken – solche Abweichungen ließen sich angeblich auch mit Messtoleranzen begründen. Den Getriebetrick soll Porsche von 2008 bis 2016 angewandt haben – wer ihn anordnete, ist bisher nicht bekannt. Laut Business Insider fallen die Manipulations-Verdachte in die Zeit, als Ex-Porsche-Chef Matthias Müller bei dem Zuffenhausener Sportwagenhersteller war. Müller wechselte im September 2015 zu VW, um den im Zuge des VW-Abgasskandals zurückgetretenen VW-Chef Martin Winterkorn zu ersetzen. Kurz danach kamen erste Gerüchte um manipulierte Getriebe zutage.

Hardware wohl nur bei Porsche geändert

Seinerzeit ging es aber vor allem um Getriebe von Audi, bei denen Testfahrer durch Starten des Fahrzeugs, Aktivieren der Warnblinkanlage und fünfmaliges Durchtreten des Gaspedals eine spezielle verbrauchsgünstige Getriebesteuerung aktivieren konnten. Von manipulierter Getriebe-Hardware in Form von anderen Zahnrädern war seinerzeit noch nicht die Rede. Laut VW-Konzernangaben haben interne Prüfungen ergeben, dass die Getriebe anderer VW-Marken nicht von der Zahnradmanipulation betroffen sind.

Porsche Cayenne GTS 2015
Porsche
Welche Modelle vom Manipulations-Verdacht betroffen sind, ist bisher nicht bekannt. Das besondere Augenmerk der Prüfer richtet sich auf ältere Benzinmotoren (im Bild ein Porsche Cayenne GTS von 2015).

Kontrollen und Meldungen sind Routine

Porsche betont in einem offiziellen Statement, dass man regelmäßig interne Kontrollen zur Einhaltung von Standards durchführe. Sobald die Prüfer bei Hard- und/oder Software eine Abweichung von den Serienstandards feststellen, melden sie dies dem KBA. Dies ist auch bei Verdachtsfällen in der Vergangenheit bereits mehrfach geschehen.

Porsche Panamera Turbo
Porsche
Benzinmotoren standen im Zuge des Abgasskandals bisher weniger im Fokus der Ermittler (im Bild ein Porsche Panamera Turbo von 2016). Welche Modelle betroffen sein könnten, kann Porsche erst nach Abschluss der Untersuchungen in einigen Wochen bekanntgeben.

Aktuelle Produktion nicht betroffen

Nach bisherigem Kenntnisstand sind keine Fahrzeuge aus der laufenden Produktion betroffen, die Entwicklung der fraglichen Komponenten liegt bereits einige Jahre zurück. Konkrete Angaben zu betroffenen Baureihen und Modell-Jahrgängen macht Porsche wegen der laufenden Ermittlungen nicht. Konzernsprecher weisen auf unsere Nachfrage darauf hin, dass sich die Untersuchungen noch einige Wochen hinziehen können. Nach Abschluss dieser Untersuchungen wird die Öffentlichkeit über deren Ergebnisse informiert.

Umfrage

1175 Mal abgestimmt
Ist der Abgas-Skandal langsam ausgestanden?
Ja, das Thema dürfte sich seinem Ende nähern.
Nein, da dürfte noch so einiges ans Licht kommen.

Fazit

Interne Untersuchungen zur Einhaltung von Serienstandards gehören bei allen Autoherstellern genauso zur Routine, wie die Meldung von etwaigen Abweichungen an das KBA. Allerdings geht es hier um mögliche Manipulationen an Abgasanlagen und Motoren, um Emissions-Grenzen einzuhalten. Der Diesel-Abgasskandal hat dem Volkswagen-Konzern in den vergangenen Jahren heftig zugesetzt – und ist vielleicht noch nicht komplett ausgestanden. Schließlich stehen jetzt bei Porsche Benzinmotoren im Manipulationsverdacht. Mit Porsches Selbstanzeige dürfte das KBA auch die übrigen Benzinmotoren des VW-Konzerns genauer unter die Lupe nehmen.

Die proaktive Selbstanzeige auch in den USA zeigt, dass die US-Milliardenstrafe ihre Wirkung nicht verfehlt hat – weiteres Vertuschen dürfte sich kaum ein Nicht-US-Autohersteller in den USA leisten können.

Porsche
Artikel 0 Tests 0 Baureihen 0 Videos 0
Alles über Porsche
Mehr zum Thema VW-Abgas-Skandal
Martin Winterkorn
Politik & Wirtschaft
Daimler Schriftzug Logo
Politik & Wirtschaft
Adblue Zapfsäule
Tech & Zukunft