Ford Focus RS, Sommerreifentest 2010, Größe 235/35-19 Frank Herzog
Ford Focus RS, Sommerreifentest 2010, Größe 235/35-19
Ford Focus RS, Sommerreifentest 2010, Größe 235/35-19
Ford Focus RS, Sommerreifentest 2010, Größe 235/35-19
Ford Focus RS, Sommerreifentest 2010, Größe 235/35-19 30 Bilder

Sommerreifentest der Größe 235/35 R19

Haft-Pflicht von elf 19-Zoll-Reifen im Vergleich

Insgesamt elf Ultra-Highperformance-Reifen stellen sich in der Dimension 235/35-19 auf einem Ford Focus RS dem harten Vergleich im Grenzbereich auf trockener und nasser Fahrbahn. Getestet wird auch die Dauerbelastung der Reifen auf der Rennstrecke. Der Mix aus Etablierten und Neuerscheinungen zeigt: Neue Besen kehren gut.

Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Eine schlaue Erkenntnis, die auf die stetig voraneilende Reifenentwicklung passt wie die berühmte Faust aufs Auge. Denn beim so facettenreich beanspruchten schwarzen Gold bedeutet Stillstand erst recht Rückschritt.

Aufbau der Konstruktion und die Gummimischung reifen

Das Rad dreht sich sprichwörtlich weiter, auch wenn es noch das gleiche Profilbild abgibt wie bereits vor einigen Jahren. Innere Werte, sprich der Aufbau der Konstruktion oder auch die Gummimischung reifen – obwohl auf der Flanke exakt jene Bezeichnung prangt wie schon zur Geburtsstunde des guten Stücks.

Aktuelles Beispiel gefällig? Der beim diesjährigen Reifentest von sport auto auf ein Neues in den Ring steigende Michelin Pilot Sport hat schon einige Jahre auf der Schulter. 2003 präsentiert, schlug der ausgewiesene Trockenspezialist einige Testschlachten. Und nun, sieben Jahre später, ist er immer noch im Rennen. Obwohl sein legitimer Nachfolger, der Pilot Sport 3, bereits in den Startlöchern steht, muss der vermeintliche Oldie im Feld doch tatsächlich noch einmal herhalten.

Test-Reifen im Format 235/35-19

Und das sogar aus unverständlichem Grund: Weil der französische Reifengigant das weit verbreitete Segment der ausgewählten Testgröße – nämlich 235/35-19 – zumindest noch nicht mit seiner neuesten Errungenschaft beehrt. Aber die eine oder andere Mixtur des Neuen trägt der vermeintlich Alte mit Sicherheit zwischen seinen Gürtellagen. Was letztlich dazu führt, dass der Michelin Pilot Sport 2 gegen absolute Neuentwicklungen im Feld noch immer überzeugend Profil zeigt.

Zumindest in den Trockendisziplinen gehört der extrem sportliche und zackig direkte Franzose nach wie vor zur ersten Garde. Daran kann ihn auch eine Weiterentwicklung bei den Testkriterien von sport auto nicht maßgeblich bremsen.

Neues Testkriterium: Dauerbelastung auf der Rennstrecke

Dauerbelastung nennt sich die neu eingeführte Instanz. Neben dem am stärksten gewichteten Trockenhandling, bei dem innerhalb der drei auf Zeit gefahrenen Runden auch das umgängliche Fahrverhalten sowie die Lenkpräzision eine ausschlaggebende Rolle spielen, kommen nun sozusagen auch Langstreckenqualitäten zum Tragen. Oder anders umschrieben: Schließlich will derjenige, der sich am Wochenende auf ein paar fahrdynamisch vergnügliche Runden auf die Rennstrecke begiebt, am Ende des Tages nicht gänzlich profillos nach Hause rodeln.

Also verifizieren bei Trockenheit zehn scharf gefahrene Runden auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim jenes neu ins Leben gerufene Kriterium. Hierbei spielen dann die Rundenzeiten keine Rolle, es zählt der subjektive Eindruck, wie der Reifen im Lauf der gleichmäßig schnell gefahrenen Umläufe an Performance und Präzision verliert. Beziehungsweise welchen augenscheinlichen Schaden das Profilbild dabei nimmt.

Und hierbei offenbart sich, dass der neue Spross von Continental, der SportContact 5P, am meisten Federn, sprich Gummi lässt. Zwar spielt das jüngste Kind aus Hannover in nahezu allen Kriterien ganz vorne mit und kann bei Nässe sowie bei Trockenheit grundsätzlich überzeugen. Dauerstress spielt dem Profilbild des 5P allerdings übel mit. Auch der neue Toyo T1 Sport nimmt die zehn zusätzlichen flotten Runden nicht völlig gleichgültig hin. Während sich der bei Nässe so hervorragend aufgelegte Hankook S1 Evo schon etwas besser aus der Affäre ziehen kann.

Fünf Reifen erhalten das Test-Prädikat „sehr empfehlenswert“

Am überzeugendsten aus der mit dem Prädikat „sehr empfehlenswert“ ausgezeichneten Spitzengruppe bestehen die jüngst eingeführte Rubrik der sehr sportliche sowie ausgewogene Pirelli P Zero und das jüngste japanische Glanzstück, der Bridgestone Potenza S 001. Der neue Asiate wischt sogar auf Nässe den Rest des namhaften Feldes überzeugend vom Tisch. Und bei Trockenheit rangiert der S 001 immerhin auf Rang vier. Und der Michelin? Der schlägt sich nach wie vor wacker, sichert sich trotz der Abstriche bei Nässe aber dank seiner sportlichen Ausrichtung noch ein begehrtes „sehr empfehlenswert“. Wie sich die dafür nötigen Punktvergaben im Einzelnen gestalten, die dazugehörigen Messwerte ausfallen und sich die jeweiligen Stärken und Schwächen aller elf angetretenen UHP-Reifen im Detail präsentieren, weist die untenstehende Tabelle aus.

Eine übersichtliche und kompakte Veränderung, um sich den Reifen herauszupicken, der dem persönlichen Anforderungsprofil gerecht wird. Schließlich muss sich auch ein Reifentest weiterentwickeln.

Stärken und Schwächen der elf Testreifen

Fazit:

Die japanische Neuentwicklung kann auf Anhieb überzeugen. Bei den Nässekriterien ist der S 001 das Maß der Dinge – mit einem sehr ausgeglichenen, neutralen Fahrverhalten und Bestwerten beim Aquaplaning sowie beim Handling. Auf trockenem Asphalt rangiert der Potenza bis auf die glänzende Verzögerung nicht ganz vorn. Hier mangelt es etwas an Lenkpräzision, und im Grenzbereich tendiert der Bridgestone zum sicheren Untersteuern. Dennoch reicht es zum Testsieg.

Fazit:

Im Vergleich zum Vorgänger, dem SportContact 3, geht der Continental SportContact 5P einen deutlichen Schritt in Richtung mehr Sportlichkeit. Das präzise Lenkgefühl gefällt, ohne übertrieben spitz zu wirken. Beim Bremsen macht dem Conti weder bei Nässe noch bei Trockenheit einer der zehn Konkurrenten etwas vor. In schnellen Kurven fehlt dem 5P etwas die Stabilität des Michelin, bei Nässe gehören  Lastwechselreaktionen zur Tagesordnung. Die Dauerbelastung von zehn Runden hinterlässt extreme Spuren am Profil.

Fazit:

Der Hankook S1 Evo rangiert in der eng gestaffelten Spitzengruppe punktgleich mit dem Continental. Jedoch sind die Stärken und Schwächen anders gewichtet. Der Koreaner überzeugt auf nassem Terrain mit dem höchsten Gripniveau, schwächelt jedoch beim Aquaplaning. Bei Trockenheit ist das Fahrverhalten nicht glasklar definiert. Mit dem S1 Evo bestückt, wechselt der Focus RS zwischen anfänglichem Untersteuern und beherrschbaren Lastwechselreaktionen.

Fazit:

Der Pirelli P Zero gehört zu den kostspieligsten Reifen im Feld. Untermauert dies aber einmal mehr mit sehr guten Leistungen. Direkt und mit einer sportlichen Prägung bewältigt der Italiener die Nassprüfungen, offenbart leichte Lastwechselreaktionen und schwächelt beim Bremsen. Dafür gehört er auf Trockenheit zu den Besten – mit einer bereits aus der Nulllage heraus sehr exakt ansprechenden Lenkung und einem hohen Gripniveau, im Grenzbereich sehr neutral, Lastwechselreaktionen erfolgen angenehm sanft.

Fazit:

Obwohl der Nachfolger peu à peu in diversen Größen in den Handel rückt, gehört der Michelin Pilot Sport 2 längst nicht zum alten Gummi. Vor allem bei Trockenheit spielt der Franzose noch immer an der Spitze mit. Auf dem Focus RS überzeugt der Pilot Sport mit einem sehr direkten, neutralen und auch bei hohen Geschwindigkeiten stabilen Fahrverhalten. Dafür sind die Bewegungen bei Nässe umso diffiziler, mit einer exzellenten Lenkpräzision zwar, aber einem auch plötzlich auskeilenden Heck.

Fazit:

Von nichts extrem viel, aber doch von allem ein bisschen – so zeigt sich das Können des Nokian ZG 2. Der Finne ist sicherlich nicht der sportlichste im Testfeld, leistet sich aber auch keine groben Schnitzer – vom mäßigen Bremswert bei Nässe einmal abgesehen. Beim Fahrverhalten geht er den sicheren Weg, was jedoch auch bedeutet, dass ein relativ ausgeprägtes Untersteuern zur Grenzbereichserfahrung gehört. Dafür lässt der Nokian die Dauerbelastung ziemlich unbeeindruckt über sich ergehen.

Fazit:

Der Dunlop SportMaxx GT gehört zum breiten sowie auch eng beieinanderliegenden Mittelfeld. Obwohl der Sport-Maxx GT bei Trockenheit subjektiv einen prima Eindruck hinterlässt. Sein Fahrverhalten ist frei von Fehl und Tadel. Um bei der Lenkpräzision ganz vorn zu agieren, fehlt das direkte Ansprechen aus der Mittellage. Die wertvollsten Punkte lässt der Dunlop jedoch bei Nässe liegen, vor allem mit dem mäßigen Bremsweg bei nasser Strecke. Die Dauerbelastung bei Trockenheit steckt er hingegen locker weg.

Fazit:

Dem Toyo T1 Sport fehlt es trotz seiner Namensgebung etwas an sportlicher Schärfe. Zwar reagiert er präzise aus der Mittellage der Lenkung heraus, verfällt dann aber in ein ausgeprägteres Untersteuern. Hingegen sind Lastwechselreaktionen nahezu nicht vorhanden. Bei Nässe hält der T1 Sport ebenfalls keine Überraschungen parat. Jedoch sind die Bremswerte wenig überzeugend. Auch die Dauerbelastung macht
ihm zu schaffen.

Fazit:

Bei der Wasserverdrängung im sieben Millimeter tiefen Aquaplaningbecken spielt der Vredestein Ultrac Sessanta die erste Geige – dann ist es mit der Herrlichkeit jedoch vorbei. Weder beim Handling noch beim Bremsen auf Nässe bekleckert sich der Holländer mit übermäßigem Ruhm. Die Lenkung bietet wenig Rückmeldung, und der Grenzbereich ist von starkem Untersteuern geprägt. Beim Bremsen auf trockenem Asphalt bildet der Ultrac das Schlusslicht.

Fazit:

Der Kumho Ecsta KU 39, der in voller Länge den Zusatz LE Sport im Namen trägt, hadert bei Nässe mit mangelnder Traktion. Hinzu gesellen sich hohe Schräglaufwinkel, ein teigiges Lenkgefühl, zumindest die Bremswerte können sich aber sehen lassen. Bei Trockenheit fehlt es dem LE Sport ebenso an Lenkpräzision. Doch wenigstens die zehn Runden in Hockenheim reißt der Kumho relativ schadlos herunter.

Fazit:

Goodyear Eagle F1 Asymmetrico – ein großer Name, der in den Nässekriterien auch hält, was er verspricht. Das hohe Gripniveau geht einher mit einem sehr exakten, direkten Lenkgefühl, einem neutralen Verhalten im Grenzbereich und äußerst sachten Lastwechselreaktionen. Bei Trockenheit wirkt der Goodyear dann unmotiviert, die Lenkung agiert diffus. Sportlicher Fahrspaß stellt sich nicht ein.

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