Spanien

Florierendes Geschäft mit Führerscheinpunkten

Foto: GIW

Die Einführung eines Punkte-Führerscheins hat nicht nur die Straßen sicherer gemacht, sondern auch einen neuen Schwarzmarkt aufkommen lassen. Die Punkte werden offen zum Verkauf offeriert.

"Verkaufe die Führerscheinpunkte meiner Oma“, heißt es da zum Beispiel. Ein Anbieter in Tarragona (Nordostspanien) verlangt 1.000 Euro pro Punkt, eine Frau gibt sich mit 400 Euro zufrieden, andere Bieter mit 250.

Die Führerscheinpunkte sind in Spanien zu einem begehrten Gut geworden. Mit der neuen Regelung erhielt jeder Autofahrer zum 1. Juli nach französischem Vorbild zwölf Pluspunkte, Anfänger starteten mit acht. Ist der Stand auf Null geschrumpft, wird der Führerschein für ein halbes Jahr eingezogen, und der Verkehrssünder muss neben einer Schulung auch eine Theorieprüfung absolvieren. Die neue Regelung hatte sogleich durchschlagenden Erfolg: Im Juli sank die Zahl der Verkehrstoten in Spanien um 20 Prozent auf den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten.

Bald werden mafia-ähnliche Organisationen mit dem Punkthandel beginnen.

Die Punkte sind schnell weg, denn das Reglement ist streng. Nach Angaben des Automobilclubs AEA ist es das strengste in Europa. Rücksichtsloses Fahren kostet sechs Punkte, ebenso wie Alkohol am Steuer. Die Benutzung eines Handys oder das Nichtanlegen des Sicherheitsgurts werden mit dem Abzug von drei Punkten geahndet.

Der verbotene Handel mit den Punkten steht noch in den Anfängen. Die Behörden gehen davon aus, dass schon bald mafia-ähnliche Organisationen in das Geschäft einsteigen werden. Die Polizei ist vom Aufkommen dieses illegalen Geschäfts nicht überrascht. "Wir hatten im Grunde damit gerechnet", sagte ein Sprecher.

Der Schwarzhandel beruht auf einem einfachen Prinzip: Wenn ein Raser in einer Radarfalle geblitzt wird und auf dem Foto nicht zu erkennen ist, gibt er als Fahrer den Namen desjenigen an, der ihm seine Punkte verkauft hat. Auch bei Falschparken werden fremde Punkte eingesetzt, denn auch hier wird der Verkehrssünder meistens nicht auf frischer Tat ertappt.

"In Frankreich waren unter den Ersten, die ihre Führerscheine abgeben mussten, auch auffällig viele Opas gewesen, die ihre Fahrerlaubnis ohnehin nicht mehr brauchten." In Italien hatte nach der Einführung der Punkte-Regelung ein 92-jähriger Greis für Schlagzeilen gesorgt, der mit 126 km/h auf einem Motorrad geblitzt worden sein sollte. In Wirklichkeit hatte ein Enkel auf der Maschine gesessen.

Während der Großteil der Spanier sorgsam darauf achtet, seine Punkte zusammenzubehalten, können ein paar Zeitgenossen sie nicht schnell genug loswerden. Bei der Polizei sprachen in diesen Tagen einige Autofahrer vor, die auf ihr Einspruchsrecht verzichten und - zum Erstaunen der Beamten - ihre Punkte möglichst rasch abgeben wollten. Einer von ihnen nannte den Grund für das eigenartige Gebahren: "Ich möchte der Erste sein in Spanien, der auf Grund der neuen Punkteregelung seinen Führerschein abgeben muss. Dann komme ich ins Fernsehen und in die Zeitung."

Bisher haben allerdings noch alle Spanier ihre Punkte beisammen. Auf Grund der Einspruchs- und Verwaltungsfristen werden die ersten Punktabzüge frühestens im September wirksam.

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