Tesla-Unfall, Technik Archiv

Captain Sully gegen Tesla

Verbraucherschützer gehen gegen Autopilot vor

Verbraucherschutzorganisationen in den USA haben die Nase voll von Teslas Behauptungen zum autonomem Fahren und gehen jetzt dagegen vor. Auch Sicherheitsexperte Captain Sully hat Bedenken.

Tesla-Chef Elon Musk verkauft seine Marke als führend bei der Erforschung und Umsetzung von autonomem Fahren. Allerdings mehren sich die Zweifel – schließlich versagte das bei Tesla „Autopilot“ genannte System zum teilautonomen Fahren bereits mehrfach fatal, die Folge waren tödliche Verkehrsunfälle. Der Autopilot steht schon länger in der Kritik, da seine Bezeichnung den Eindruck erwecken könnte, ein damit ausgerüsteter Tesla sei zu vollautonomem Fahren fähig. Da die Tesla-Verantwortlichen trotz der Unfälle mit Toten und Verletzten nicht daran denken, die Bezeichnungen für ihre Assistenzsysteme realistischer zu gestalten, gehen jetzt US-Verbraucherschutzverbände dagegen vor. Tesla selbst betont immer, dass die Fahrer in der Betriebsanleitung darauf hingewiesen werden, permanent die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten.

Klage bei Verbraucherschutz-Behörde

Das in Washington, D.C. ansässige Center for Auto Safety (CAS) klagt gegen Tesla. Die Klage geht bei der ebenfalls in der US-Hauptstadt sitzenden Federal Trade Commission (FTC) ein, einer unabhängigen Bundesbehörde, die für Verbraucherschutz zuständig ist. Das CAS wandte sich bereits vor einem Jahr an die FTC mit der Bitte, Teslas Verhalten in Sachen Assistenzsysteme zu überprüfen. Seitdem gab es weitere Unfälle mit Toten und Verletzten, betont das CAS. Zudem arbeitet das CAS mit weiteren Gruppen zusammen, um von Generalstaatsanwälten die Werbepraktiken Teslas untersuchen zu lassen.

Tesla Model 3, Autopilot-Unfall
NTSB
Die Technik des von Tesla "Autopilot" genannten Systems hat inzwischen mehrfach beim Erkennen einfacher Hindernisse versagt und zu tödlichen Unfällen geführt. Tesla beruft sich darauf, dass die Fahrer weiterhin hätten aufmerksam sein müssen.

Anwälte haben Tesla im Visier

Adam Scow, einer der Chefanwälte der im kalifornischen Santa Monica beheimateten Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog (viele Mitglieder sind Rechtsanwälte), findet deutliche Worte. Er wirft Tesla vor, seine Technologie verantwortungslos als sicherheitsfördernd angepriesen zu haben – stattdessen wurden Menschen getötet. Tesla habe die Technik konsequent und täuschend hochgespielt, es sei an der Zeit, dass die Aufsichtsbehörden einschreiten und die Öffentlichkeit schützen.

Institut bestätigt vermeintliche Irreführung mit Studie

Das Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) aus Arlington im US-Bundesstaat Virginia ist eine von US-Autoversicherern finanzierte gemeinnützige Organisation mit der Hauptaufgabe, die Zahl an Fahrzeugkollisionen zu reduzieren. Das IIHS führt eigene Crashtests und Studien durch. In einer Studie untersuchte die Organisation die Auswirkungen von Teslas Autopilot-System auf dessen Anwender. Das Ergebnis: Die Verbraucher haben den Eindruck, es sei absolut sicher, bei eingeschaltetem Autopilot während der Fahrt die Hände vom Steuer zu nehmen. Dabei ist die Tesla Technik nur für rudimentäres teilautonomes Fahren nach Level 2 geeignet – vollautonom wäre Level 5 und der Entwicklungssprung steigt von Level zu Level.

Das CAS fordert jetzt eine förmliche Untersuchung zu Teslas Sprache in Sachen Autopilot. Die Verbraucher sollten umfassend über die stark eingeschränkten Möglichkeiten des Systems informiert sein.

Tesla Model S Assistenzsysteme
Tesla
Aktuell schaffen Teslas teure Assistenzsysteme gerade mal teilautonomes Fahren nach Level 2 - vollautonom wäre Level 5.

Auch Captain Sully sieht Autopilot kritisch

Selbst der in den USA äußerst beliebte Captain Sully hat sich jetzt zum Tesla-Autopiloten geäußert. Sully vertrauen die Amerikaner, er heißt mit vollem Namen Chesley Sullenberger III und ist der Pilot, dem am 15. Januar 2009 nach einem Vogelschlag in den Triebwerken die Notwasserung mit einem Airbus A320 auf dem Hudson River gelang. Nach der Evakuierung der Passagiere ging Sullenberger zweimal komplett durch das sinkende Flugzeug, um sicherzugehen, dass niemand mehr an Bord ist. Dann verließ er als Letzter den Airbus. Jetzt twitterte der weltweit anerkannte Sicherheitsexperte, dass Tesla die Einführung von vollautonomem Fahren angekündigt hätte – dies ginge jeden etwas an, der auf den gleichen Straßen als Fahrer oder Fußgänger unterwegs ist. Die Amerikaner verstehen dies als Warnung. In US-Medien sind Vorschläge zu lesen, dass Captain Sully persönlich die Aktivitäten rund um den Tesla Autopilot prüfen solle. Dazu hat sich der Flugkapitän, der auch an den Untersuchungen zu den beiden Abstürzen der Boeing 737 MAX 8 beteiligt ist, noch nicht geäußert.

Andere Hersteller dämpfen Erwartungen in autonomes Fahren

Während Elon Musk nach wie vor an eine Einführung von vollautonomem Fahren bis Ende 2019/Anfang 2020 zu glauben scheint, treten andere Entscheider gerade heftig auf die Erwartungsbremse. So heißt es von Ford, dass man die Geschwindigkeit zur Einführung von vollautonomem Fahren stark überschätzt habe. Aktuell seien viele Probleme noch ungelöst. Unter anderem gäbe es kaum Möglichkeiten, die Absichten anderer Verkehrsteilnehmer sensorisch zu erkennen.

Auch wenn sich in der gesamten Branche die Zweifel mehren: Elon Musk verkündet weiterhin, dass es in Kürze vollautonom fahrende Autos gibt.

Auch Cruise Automation aus San Francisco, GMs Abteilung für autonomes Fahren, kündigte kürzlich überraschend an, dass man dieses Jahr keine autonom fahrenden Taxis liefern könne. Deren Einführung war für Ende 2019 geplant. Jetzt teilen die Cruise-Verantwortlichen mit, dass sowohl regulatorische als auch technische Hürden die Einführung von autonomen Fahren kurzfristig unrealistisch erscheinen lassen. So betont Cruise-Chef Dan Ammann, dass das Silicon-Valley-Startup-Motto „Move Fast and Break Things“ (sinngemäß: Handele schnell und breche mit Gewohnheiten) bei Sicherheitsthemen nicht ausreicht. Hier müsse gleich der erste Versuch funktionieren. Die Technik habe nur eine Chance, wenn sie nachweislich die Sicherheit auf den Straßen erhöhe.

Umfrage

712 Mal abgestimmt
Ist die Bezeichnung "Autopilot" für die Tesla-Assistenzsysteme okay?
Ja, der Fahrer muss schließlich trotzdem immer die volle Kontrolle über das Auto haben.
Nein, das klingt danach, als könnte das Auto vollautonom fahren.

Fazit

Der Begriff „Autopilot“ scheint sich für Tesla von einer cleveren Marketingidee zu einem Alptraum zu wandeln. Die Unfähigkeit der Tesla-Entscheider, von der möglicherweise irreführenden Begrifflichkeit abzurücken, könnte jetzt Konsequenzen haben. Sollten Gerichte oder Verkehrssicherheitsbehörden Tesla die Verwendung des Begriffs Autopilot verbieten, dürfte das in Sachen Sicherheit und autonomes Fahren durch mehrere tödliche Unfälle ohnehin schwer ramponierte Image des kalifornischen Autoherstellers weiter Schaden nehmen.

Warum Tesla so verbittert an seiner Sichtweise zum autonomen Fahren festhält, ist in den USA mit seinen äußerst klagefreudigen Anwälten unverständlich. Und mehrere Verkehrstote durch versagende Technik dürften selbst bei dem begeistertsten Tesla-Fan auf Unverständnis stoßen.

Verkehr Sicherheit Tesla Model 3, Autopilot-Unfall Tödliche Unfälle mit Tesla-Autopilot "Kunden sollten keine Versuchskaninchen sein"

Auch beim jüngsten tödlichen Tesla-Unfall war der Autopilot aktiv.

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