Tesla Gigafactory Berlin Sean Gallup/Getty Images
Tesla Gigafactory Berlin
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Tesla-Fabrik in Grünheide 5 Bilder

Tesla-Projektleiter Evan Horetsky

Der „Giga Meister“ baut „Giga Berlin“ in Rekordzeit

Die Gigafactory in Grünheide ist bereits zu 20% fertig, im ersten Halbjahr 2021 sollen die ersten Tesla Model Y vom Band rollen. Möglich macht das ein junger Maschinenbauer, der bereits die Fabrik in China in Rekordzeit hochgezogen hat.

Elon Musk ist Tesla. Und Tesla ist Elon Musk. So einfach ist das. Oder eben kompliziert. Weil die Fixierung auf den großen Vorsitzenden die Arbeit für diejenigen relativ kompliziert macht, die sich näher mit Tesla beschäftigen. Journalisten, zum Beispiel. Weil eben gilt, dass bei Tesla außer dem CEO, keine anderen Namen genannt werden. Und auch niemand für Aussagen zur Verfügung steht. Im Zweifel wird man an den Twitter-Account von Elon Musk verwiesen. Der ist zwar meistens recht unterhaltsam, aber immer dann automobil wenig hilfreich, wenn der große Meister gerade damit beschäftigt ist, Tunnel zu bohren (The Boring Company), Computer-Chips in Schweinehirne zu verpflanzen (Neuralink) oder Satelliten (Starlink) und Menschen (SpaceX) ins All zu schießen.

Tesla Gigafactory Berlin
Sean Gallup/Getty Images
Tesla und die deutschen Bau-Partner setzen in Grünheide vor allem auf vorgefertigte Beton-Elemente, die ein extrem hohes Bau-Tempo ermöglichen. Beim Ortstermin mit Elon Musk am 3. September 2020 zeigte sich Horetsky vor allem von der Flexibilität der deutschen Bau-Experten beeindruckt. Das mache es möglich, voraussichtlich noch schneller zu bauen, als in China.

Gigafactory zu 20% fertig

Vielleicht liegt es tatsächlich an der unternehmerischen Hyperaktivität von Elon Musk, dass die kommunikative Ein-Mann-Strategie langsam aber sicher Risse bekommt. Seit Anfang September 2020 zum Beispiel, hat die Gigafactory in Brandenburg ein Gesicht. Das von Evan Horetsky nämlich. Der verantwortet als "Head of Engineering, Procurement & Construction" (Gesamtprojektleiter) den Bau der Gigafactory in Grünheide. Die ist laut Horetsky aktuell zu etwa 20% fertig und soll bereits früh im Jahr 2021 die ersten Tesla Model Y ausspucken. Ein Terminversprechen, dass das Zeug hat, dem einen oder anderen Entscheider bei der europäischen Konkurrenz die Laune zu verhageln. "Früh im Jahr" heißt eben nicht, erst im Juli 2021, wovon noch in den aktuellen Bauanträgen die Rede ist.

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Reichlich Giga-Erfahrung

Tesla und die deutschen Bau-Partner setzen in Grünheide vor allem auf vorgefertigte Beton-Elemente, die ein extrem hohes Bau-Tempo ermöglichen. Beim Ortstermin mit Elon Musk am 3. September 2020 zeigte sich Horetsky vor allem von der Flexibilität der deutschen Bau-Experten beeindruckt. Das mache es möglich, voraussichtlich noch schneller zu bauen, als in China. Heißt: Zwischen Spatenstich und Fertigstellung in Grünheide müssten weniger als 11 Monate vergehen. So lange hat Tesla gebraucht, um das Werk in Shanghai aus dem Boden zu stampfen. Der Kopf hinter dem Bau der Gigafactory in Shanghai: Evan Horetsky. Zuvor betreute er nach eigenen Angaben die Fertigstellung der Akku-Fabrik in Nevada, die Produktionsvorbereitungen fürs Model Y in Fremont sowie den Umbau der auf die Produktion von Solarzellen spezialisierte Gigafactory in New York.

"Mr. Gigafactory" will der studierte Maschinenbauer und Nukleartechniker deshalb aber noch lange nicht genannt werden. "Er fühle sich geschmeichelt und geehrt", teilt er auf seinem LinkedIn-Account mit. "Tatsächlich bevorzuge er selbst für sich die Bezeichnung ‚Giga Meister‘!", gab ansonsten die Lorbeeren aber an sein Konstruktionsteam weiter, über das bislang ja kaum etwas bekannt sei.

Prototyp des Musk-Mitstreiters

Der Amerikaner arbeitet seit über fünf Jahren für Tesla und ist mit seiner Vita wahrscheinlich der Prototyp des idealen Musk-Mitstreiters: gut ausgebildet, selbstbewusst und mit einem breit gefächerten Erfahrungshorizont. Horetsky sagt bei LinkedIn über sich selbst, er haben an diversen privatwirtschaftlichen und staatlichen Projekten mitgearbeitet, zum Beispiel an der Neutralisierung syrischer Chemie-Waffen, an der Elektronik von Formel 1-Autos sowie an der Installation von Drohnen auf US-Kriegsschiffen. Außerdem sei er es gewohnt, "mehrere Projekte gleichzeitig zu betreuen". Mehrere Projekte gleichzeitig. Sowas findet nicht nur Elon Musk super, sondern auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach. Der ist schon von Amts wegen Fan des Tesla-Projekts und kennt Horetsky seit dem 26.09.2019, weil der Amerikaner von Beginn an Teil des Teams war, das die Standortentscheidung traf. Inzwischen sind die beiden befreundet und Steinbach ist natürlich einer der Twitter-Follower des "Giga Meisters".

Jörg Steinbach (link) und Evan Horetsky auf der Gigafactory-Baustelle
https://twitter.com/joergstb
Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (links) lernte Evan Horetsky auf der Baustelle der Gigafactory kennen und gratulierte dem Tesla-Manager per Twitter zu dessen selbst gewählten Spitznamen "Giga Meister".

Bei Twitter auf Deutsch

Der war offensichtlich selbst ein wenig überrascht davon, wie schnell man bekannt wird, wenn man aus dem Heer der namenlosen Tesla-Top-Manager heraustritt. Sein seit September 2014 praktisch ungepflegter Twitter-Account ("Fabrik-, Schiff- und Auto-Bauer, Bastler und rundum netter Kerl") erwacht seit seinem ersten offiziellen Auftritt nur langsam zum Leben. Aber selbst dabei wandelt der Tesla-Manager auf den Spuren seines CEOs Elon Musk und bestritt sein Twitter-Comeback auf Deutsch: "Ich fühle mich geehrt, hier zu sein", antwortete Horetsky auf die Nachricht von Minister Steinbach. Gute Beziehungen zur örtlichen Politik sind trotz der beeindruckenden Bau-Fortschritte extrem wichtig. Allein schon deshalb, weil die finale Baugenehmigung für die Gigafactory ja noch aussteht.

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Fazit

Elon Musk verpasst seinen Gigafactorys ein Gesicht. Das ist schlau, weil Tesla damit jemand hat, der als Mensch Brücken zu Politik, Bevölkerung und Gegnern bauen kann. Gleichzeitig steht Evan Horetsky aber auch für einen Typ Mitarbeiter, von dem Elon Musk in Grünheide jede Menge braucht: Gut ausgebildete, kreative und aggressive Problemlöser, die kein Problem damit haben, ihren eigenen Namen zurückzustellen.

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