Traton-Börsengang vorgezogen

VW bringt Lkw-Sparte früher an die Börse

Traton Foto: Jochen Knecht

Mit der Traton Group schließen sich einstige Konkurrenten wie MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus und Rio zu einem Team zusammen. Nun will der VW-Konzern Teile seiner Nutzfahrzeug-Sparte an die Börse bringen – früher als geplant.

Die Transportbranche ist im Umbruch. Transportvolumina und Emissionsstandards steigen. Die Nachfrage der Kunden nach effizienten, nachhaltigen und wettbewerbsfähigen Lösungen ebenso. Da wundert es kaum, dass selbst hartnäckige Konkurrenten wie Scania und MAN näher zusammenrücken – oder genauer gesagt zusammenarbeiten. In den letzten Jahren wurden die Lkw- und Bushersteller bereits unter dem Dach des VW-Konzerns zusammen- und dann in eine eigene Unternehmensgruppe überführt. Unter der Bezeichnung Traton (TRAnsport und TONage) finden sich daher Scania, MAN, Volkswagen Caminhões e Ônibus und RIO zusammen. Gut 80.000 Mitarbeiter fertigen innerhalb des Firmenverbundes rund 200.000 Fahrzeuge pro Jahr. Die leichten Nutzfahrzeuge, Lkw und Busse werden an 31 Standorten in 17 Ländern produziert.

Hin und Her beim Zeitpunkt des Börsengangs

Andreas Renschler Foto: Daimler
Traton-Vorstandschef Andreas Renschler führt MAN, Scania, Volkswagen Caminhões e Ônibus und RIO zusammen.

Andreas Renschler, Traton-Vorstandschef, sagt: „Der neue Name Traton ist ein wichtiger Meilenstein auf unserem Weg zum Global Champion der Transportbranche. Seit unserer Gründung sind wir schneller zusammengewachsen als erwartet. Traton verschafft uns größere Unabhängigkeit. Der neue Name wird die gemeinsame Identität weiter fördern und betont die Einzigartigkeit unserer Gruppe. Zugleich stärkt er unsere Präsenz als führendes Unternehmen für innovative Transportlösungen. Er macht uns attraktiver für Arbeitnehmer und für den Kapitalmarkt.“

Von vornherein stand ein Börsengang auf dem Plan des Unternehmens. Allerdings gab es ein Hin und Her, wann dieser durchgeführt werden sollte. Erst war das Jahresende 2018 im Gespräch. Dann hatte der Konzern Mitte März 2019 beschlossen, „von den Vorbereitungen für einen Börsengang zunächst Abstand zu nehmen“. Jetzt revidiert die Volkswagen AG ihre Entscheidung und strebt einen Börsengang des nun offiziell Traton SE genannten Unternehmens noch vor der Sommerpause an. Medienberichten zufolge könnte der Konzern bis zu 25 Prozent des Lkw-Unternehmens an die Börse bringen und dabei bis zu sechs Milliarden Euro erlösen.

Traton vereint vier Marken

VW e-Delivery Foto: Jochen Knecht
Der e-Delivery von Volkswagen fährt rein elektrisch und ist für Lateinamerika und Afrika bestimmt.

„Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir den Börsengang unverändert anstreben“, sagt Frank Witter, Finanzvorstand der Volkswagen AG. „Die aktuellen Markteinschätzungen haben uns ermutigt, jetzt diese Entscheidung zu treffen.“ Auch Renschler sieht den Zeitpunkt nun gekommen: „Wir haben hervorragende Vorarbeit geleistet und werden nun mit voller Kraft auf ein mögliches IPO (Initial Public Offering, die Erstausgabe von Aktien an der Börse; d. Red.) noch vor der Sommerpause zusteuern.“

Neben MAN und Scania sind unter dem Traton-Dach auch die brasilianische Kutzfahrzeug-Tochter des VW-Konzerns und RIO zusammengefasst. RIO bietet keine Fahrzeuge an, sondern eine offene, herstellerunabhängige und cloudbasierte Plattform für den Güterverkehr. Sie soll digitale Lösungen für die gesamte Lieferkette bündeln und Handlungsempfehlungen in Echtzeit liefern.

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