VW Vorstandsvorsitzender Herbert Diess Volkswagen

Volkswagen und Ford

Auto-Allianz "kurz vor dem Abschluss"

VW-Chef Herbert Diess kündigt die Kooperation der Autohersteller an. Das Unternehmen sei „sehr chinesisch geprägt“ – und es brauche ein Gegengewicht in den USA. Starten will man wohl mit gemeinsamen Pickups und Transportern. Auch beim autonomen Fahren und bei Mobilitäts-Services wollen beide zusammenarbeiten.

Die große Auto-Allianz steht kurz bevor. Wie VW-Chef Herbert Diess laut „Handelsblatt“ vor 500 Führungskräften des Konzerns sagte, stünden entsprechende Gespräche „kurz vor dem Abschluss“. Zentrale Themen der Kooperation sollen die kostenintensiven Felder Elektromobilität und autonomes Fahren sein. Außerdem hat Diess bei den Plänen die internationale Ausrichtung des Volkswagen-Konzerns im Blick. „Heute sind wir de facto ein sehr stark chinesisch geprägtes Unternehmen“, wird Diess vom „Handelsblatt“ zitiert. „Dazu brauchen wir ein Gegengewicht in den USA.“ Bereits im Juli könnte die Kooperation besiegelt werden.

Ford-Kooperation als Lösung für die China-Probleme

Tatsächlich verkauft Volkswagen etwa die Hälfte seiner Autos in China; der Markt ist der mit Abstand wichtigste für den Konzern. Gleichzeitig wächst dort der Absatz von Elektroautos rasant, wobei Volkswagen noch nicht die entsprechenden Produkte im Portfolio hat. Eine Kooperation mit Ford könnte diese Entwicklung beschleunigen und die Probleme abfedern, die aufgrund wachsender Handelsspannungen, strengerer Abgasvorschriften und daraus resultierender sinkender Ansatzzahlen resultieren.

Auf einem anderen Gebiet ist die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Ford bereits beschlossene Sache: Beide Konzerne werden gemeinsam einen Pickup entwickeln. VW-Nutzfahrzeug-Chef Thomas Sedran bestätigte im März, dass von beiden Unternehmen eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet wurde. Erstes gemeinsames Modell wird der Nachfolger des Amarok sein, der auf der Plattform des neuen, 2020 startenden Ford Ranger entstehen wird. Die bereits seit 2010 gebaute erste Amarok-Generation dürfte zu einem ähnlichen Zeitpunkt einen Nachfolger bekommen.

VW wird sich wohl an Argo beteiligen

Wie Vorstandschef Herbert Diess nun bestätigte, soll die Allianz perspektivisch auf die Entwicklung elektrischer und autonomer Fahrzeuge sowie neuer Mobilitäts-Services ausgeweitet werden. „Wir sind seit Wochen in konstruktiven Gesprächen, uns an Argo, der Ford-Abteilung für die Entwicklung autonomer Fahrzeuge, zu beteiligen“, sagte Sedran bereits vor einigen Wochen bei der Bilanz-Pressekonferenz der VW-Nutzfahrzeug-Division. Laut „Wall Street Journal“ könnte es sich dabei um ein Investment von 600 Millionen Dollar handeln.

Herbert Diess mit der Studie VW ID. Roomzz. Die geplante Kooperation soll vor allem auf die E-Mobilität zielen.

Mitte Januar 2019 erläuterten VW und Ford in einer weltweiten Telefon-Konferenz die ersten Details einer breit angelegten Kooperation. Ziel der Zusammenarbeit soll die Minimierung der Risiken bezüglich neuer Technologien wie Elektromobilität und dem autonomen Fahren sein, aber auch die Absicherung der Wettbewerbsfähigkeit in der weltweit agierenden Automobilindustrie. Und damit natürlich auch der Profite der Unternehmen sowie der Einlagen der Aktionäre. Schließlich sind sowohl Ford als auch Volkswagen börsennotierte Konzerne.

Skaleneffekte – sparen bei Einkauf und Entwicklung

Die beiden Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen (Herbert Diess) und Ford (Jim Hackett) konkretisierten dabei die ersten Schritte der geplanten Zusammenarbeit bei Transportern und Pickups. Die Kooperation sieht vor, dass die beiden Unternehmen gemeinsam in künftige Fahrzeugarchitekturen investieren, um höchstmögliche Skaleneffekte zu erzielen und damit die Effizienz in der Entwicklung und Produktion zukünftiger Fahrzeuge und bei leichten Nutzfahrzeugen wesentlich zu steigern. Die beiden Marken sollen aber – trotz der gemeinsamen Entwicklung und Produktion – unterschiedliche Modelle präsentieren, die den jeweiligen Markenkernen in Optik, Abstimmung und Auslegung treu bleiben sollen.

Die beiden Unternehmen rechnen sich durch ihre Zusammenarbeit bei Transportern und Pickups jeweils einen dreistelligen Millionenbetrag an jährlichen operativen Ergebnisverbesserungen vor Steuern aus.

VW und Ford bringen auch Image und Reputation zusammen

Volkswagen verkaufte 2018 insgesamt 10,8 Millionen Fahrzeuge weltweit und bringt in die Allianz die erfolgreiche MQB-Plattform ein, sowie auch die zukünftige MEB-Plattform, auf der alle zukünftigen Elektroautos basieren sollen. Und eben auch die nächste Generation des VW Transporters (siebte Generation). „Wir sind hier grundsätzlich offen, uns mit Ford die Kosten zu teilen, damit wir beide von den Skaleneffekten profitieren können“, sagte VW-Chef Herbert Diess in der Telefonkonferenz. „Es fehlt uns bei leichten Nutzfahrzeugen und mittelgroßen Pickups an ausreichenden Skaleneffekten. Indem wir Plattformen und Komponenten mit Ford teilen, erschließen wir uns diese Skaleneffekte – und können dort gemeinsam die Nummer Eins sein“.

Volkswagen und Ford brächten nicht nur Technologien und Kompetenzen in diesem Segment zusammen, sondern auch Image und Reputation von so weltweit anerkannter Fahrzeuge wie dem VW Bus oder dem Caddy oder den Ford Pickups und dem Transit. „So schaffen wir eine exzellente Ausgangsbasis für eine weltweit sehr vielversprechende Allianz“, kündigte Diess an. Er ließ zudem durchblicken, dass auch Motoren an den jeweils anderen geliefert werden könnten. Die Kooperation wird künftig über ein gemeinsames Leitungsgremium gesteuert, welches aus Führungskräften beider Unternehmen besteht und von den beiden CEOs Hackett und Diess persönlich geleitet wird.

Ford Ranger 3.2 TDCi, VW Amarok 3.0 TDI, Frontansicht
Hans-Dieter Seufert
VW Amarok und Ford Ranger: Die nächste Generation der Pickups wird gemeinsam entwickelt.

Zusammenarbeit bei Transportern und Pick-ups

Sowohl Ford als auch Volkswagen sind bei leichten Nutzfahrzeugen weltweit sehr gut aufgestellt – mit bekannten Modellen wie Transit und Ranger von Ford sowie Transporter, Caddy und Amarok von Volkswagen. Zusammen haben beide Unternehmen 2018 insgesamt rund 1,2 Millionen leichte Nutzfahrzeuge weltweit abgesetzt. Auf dieser Basis wäre dies die branchenweit volumenstärkste Zusammenarbeit auf diesem Gebiet.

In den kommenden fünf Jahren wird eine weltweit steigende Nachfrage nach mittelgroßen Pickups und Transportern erwartet. Die Allianz wird es beiden Unternehmen ermöglichen, die Entwicklungskosten zu teilen, ihre jeweiligen Fertigungskapazitäten optimal auszulasten, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Fahrzeuge zu verbessern und Kosteneinsparungen zu realisieren – und dabei ihre unverwechselbaren Markeneigenschaften zu bewahren.

„Branche durchläuft tiefgreifenden Wandel“

Über die Pickup-Kooperation hinaus plant Ford für den europäischen Markt die Entwicklung und Produktion von größeren Transportern für beide Unternehmen, während Volkswagen dann für beide Partner einen City Van auf den Markt bringen wird.

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Zum Abschluss der Telefon-Konferenz wies Herbert Diess (VW) darauf hin, dass die Kooperation ein wichtiger Schritt für beide Unternehmen sei – aber auch zunächst der erste Schritt. „Es ist kein Geheimnis, dass unsere Branche einen tiefgreifenden Wandel durchläuft. Triebfedern sind die umfassende Elektrifizierung, immer strengere Abgasvorschriften, die Digitalisierung, der Trend zum autonomen Fahren und nicht zuletzt sich rasant ändernde Kundenbedürfnisse. Vor diesem Hintergrund investieren Autohersteller weltweit Milliarden, um ihre Modellpaletten anzupassen und ihre Innovationszyklen zu verkürzen. In einem solchen Umfeld ist es sinnvoll, Investitionen zu teilen, Innovationskräfte zu bündeln und Skaleneffekte in klar definierten Bereichen zu schaffen“.

Fazit

Zwei Schwergewichte tun sich zusammen: Die tiefgreifende Kooperation zwischen Volkswagen und Ford steht kurz vor dem Abschluss. Angesichts der riesigen Herausforderungen, mit denen sich Autokonzerne aktuell und in naher Zukunft konfrontiert sehen, ergibt die Zusammenarbeit sicher Sinn. In der Theorie können sich Ford und VW fraglos gut ergänzen. Was nicht zwangsläufig heißen muss, dass die Allianz im täglichen Miteinander spannungsfrei funktioniert.

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