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VW-Werk jetzt in der Slowakei?

Weiterer Standort als Türkei-Alternative im Gespräch

VWs Werkprojekt in der Türkei ist vorerst gestoppt. Nach Bulgarien ist jetzt auch die Slowakei als Alternativstandort im Gespräch.

Ursprünglich plante VW, den Passat demnächst in einem Werk in der Türkei zu bauen: Im 40 Kilometer nordöstlich von Izmir gelegenen Manisa sollten pro Jahr 300.000 Passat und Skoda Superb vom Band laufen. Aktuell ist es allerdings offen, ob Volkswagen das türkische Werk tatsächlich baut, die Entscheidung fällt voraussichtlich am Montag dem 4. November 2019. Wie das Fachblatt Automotive News berichtet, ist jetzt die Slowakei als neuer Produktionsstandort im Gespräch.

VW plant laut Automotive News für das neue Werk einen Betriebsbeginn bis Oktober 2022 – dann läuft die aktuelle Passatproduktion in Emden aus. Im norddeutschen Werk sollen dann Elektroautos vom Band rollen

In der slowakischen Hauptstadt Bratislava betreibt VW bereits ein großes Mehrmarken-Werk. Dort laufen die VW-Modelle Touareg und Up, Audi Q7 und Q8, der Porsche Cayenne, der Seat Mii und der Skoda Citigo vom Band. Auch andere Hersteller wissen die Slowakei als Produktionsstandort zu schätzen: Kia baut dort genauso Autos wie der französische PSA-Konzern. Die Türkei ist ebenfalls ein wichtiger Produktionsstandort, dort stellen unter anderem Ford, Toyota, Renault, Honda und Fiat Autos her. In Bulgarien ist aktuell der chinesische Hersteller Great Wall präsent.

VW stoppt Pläne – Bulgarien meldet sich

VW hat wegen der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien den für das Jahr 2022 geplanten Aufbau eines Werks vorerst gestoppt. Damit kommt auch wieder eines der Nachbarländer der Türkei auf den Plan: Bulgarien sieht neue Chancen, das Werk zu bekommen. Das EU-Land möchte hierfür sein Angebot aufstocken.

Stamen Janew, Chef der bulgarischen staatlichen Agentur für Investitionen (AI), frohlockt, dass man in der Europäischen Gesetzgebung nach einer Möglichkeit suche, das eigene (seinerzeit unterlegene) finanzielle Angebot zu überdenken.

Staats-Chef gibt Gas

Auch der bulgarische Staats-Chef Rossen Plewneliew ist voller Zuversicht: Man habe einen Weg gefunden, Volkswagen 250 bis 260 Millionen Euro finanzielle Unterstützung anzubieten – ursprünglich waren 135 Millionen im Topf. Der frühere Unternehmer Plewneliew ist auch Ehrenvorsitzender des bulgarischen Verbandes der Autoindustrie. Er bietet VW zusätzlich Unterstützung bei Infrastruktur- und Ausbildungsmaßnahmen an. Außerdem wolle man die Zusammenarbeit mit VW um den Ausbau einer Ladeinfrastruktur für Elektroautos erweitern.

Nachdem VW in der Türkei eine Tochter gegründet hatte, warf Plewneliew dem Nicht-EU-Nachbarland vor, sich bei den angebotenen Subventionen nicht an die Regeln des Marktes zu halten.

VWs Entscheidung für ein Mehrmarkenwerk, das Fahrzeuge für den osteuropäischen Markt produziert, fiel schon vor einiger Zeit. Die neuen Vorgänge mit dem möglicherweise neuen Angebot von Bulgarien möchte Wolfsburg aktuell nicht kommentieren.

VW wegen türkischer Militäroffensive besorgt

Wie das Handelsblatt aus Konzernkreisen erfahren hat, ist die Entscheidung über das neue Werk in der Türkei vertagt worden. Nach dem Einmarsch türkischer Truppen in den Nordosten Syriens könne es in diesem Umfeld keine Entscheidung für das Land geben, heißt es. Die fertigen Verträge würden nicht unterzeichnet. „Wir beobachten die Situation mit großer Sorge“, zitiert das Blatt einen VW-Sprecher. Der Vertragsabschluss sollte Anfang Oktober finalisiert werden.

Für das VW-Werk in Izmir soll eine Investitionssumme von mehr als eine Milliarde Euro bereitgestellt werden. In der neuen Fabrik, in der Modelle mehrerer Konzernmarken gebaut werden könnten, sollten jährlich bis zu 300.000 Fahrzeuge entstehen. Dort sollten unter anderen der VW Passat und der verwandte Skoda Superb für den Export nach Osteuropa vom Band rollen. Am Standort Manisa nahe Izmir im Westen Anatoliens würden dann rund 4.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Emden entlasten

Der Bau der Fabrik sollte nach den nun auf Eis gelegten Plänen Ende 2020 beginnen. Die neue Produktionsanlage hätte den Standort Emden entlasten sollen, der wie andere deutsche Werke mehr und mehr auf die E-Auto-Produktion umgerüstet wird. Zuvor hatte Volkswagen monatelang mit den Behörden über die Bedingungen für den Standort verhandelt. Mitentscheidend für den Standort Türkei sollen auch die staatlichen Förderungen des Nicht-EU-Landes gewesen sein. Zudem sei das Lohnniveau niedrig, die Arbeitskräfte aber qualifiziert. Weitere Alternativen wurden in Bulgarien geprüft.

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Fazit

Der Kampf um den neuen VW-Produktionsstandort wieder voll entbrannt – Bulgarien sieht seine Chance auf einen zweiten Versuch und nutzt ihn, jetzt ist auch die Slowakei im Gespräch. VW könnte bei einem erneuten Bietergefecht der lachende Dritte sein. Während die Türkei und Bulgarien mit Vorteilen in Millionenhöhe locken, müsste VW in der Slowakei nur die Produktion umstellen oder das ohnehin bereits vorhandene große Werk erweitern.

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