Martin Winterkorn VW

VW will Schadenersatz von Winterkorn, Stadler und Co.

Abgas-Skandal von Volkswagen VW will Schadenersatz von Winterkorn, Stadler und Co.

Der Diesel-Skandal hat für die ehemaligen VW-Top-Manager Martin Winterkorn und Rupert Stadler neben dem strafrechtlichen Nachspiel eine neue Dimension bekommen.

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat nach seiner Sitzung vom Freitag (26.3.2021) bekannt gegeben, dass sie von dem Ex-VW-CEO Martin Winterkorn und vom damaligen Audi-Chef Stadler Schadenersatz verlangen wird. Nach der Mitteilung haben beide Top-Manager die aktienrechtliche Sorgfaltspflicht verletzt, "Pflichtverletzungen anderer Mitglieder des Konzernvorstands wurden nicht festgestellt", so der Autobauer. Eine konkrete Höhe der Schadenersatzforderung nannte VW nicht.

Umfassende Untersuchung bestätigt Pflichtverletzung

Der Aufsichtsrat der Volkswagen AG beruft sich in der Entscheidung auf eine Untersuchung der Rechtsanwaltskanzlei Gleiss Lutz, die im Auftrag des Kontrollgremiums eine umfassende Untersuchung zu Pflichtverletzungen aller im betreffenden Zeitraum amtierender Vorstandsmitglieder durchgeführt hat. Nach eigenen Angaben wurden dafür rund 1,6 Millionen relevante Dateien gesichtet und geprüft sowie mehr als 1.550 Interviews geführt. Des Weiteren hat die Kanzlei die Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft, die Berichte des US-Monitors sowie weitere weltweite Verfahren von Behörden und Gerichten ausgewertet.

Martin Winterkorn
Politik & Wirtschaft

Das Ergebnis der Untersuchung stellt klar eine Sorgfaltspflichtverletzung des damaligen VW-Konzernschefs Martin Winterkorn fest. Er habe es in der Zeit ab dem 27. Juli 2015 unterlassen, "die Hintergründe des Einsatzes unzulässiger Softwarefunktionen in 2,0-Liter-TDI-Dieselmotoren, die in den Jahren 2009 bis 2015 im nordamerikanischen Markt vertrieben wurden, unverzüglich und umfassend aufzuklären. Außerdem hat Herr Prof. Winterkorn es unterlassen, dafür zu sorgen, dass in diesem Zusammenhang gestellte Fragen der US-amerikanischen Behörden umgehend wahrheitsgemäß und vollständig beantwortet werden."

Winterkorn und Stadler vor Gericht

Auch Ex-Audi-Boss Rupert Stadler habe die Sorgfaltspflichten verletzt, "indem er es in der Zeit ab dem 21. September 2016 unterließ, dafür zu sorgen, dass von Audi entwickelte 3,0- und 4,2-Liter-TDI-Dieselmotoren, die in EU-Fahrzeugen von Volkswagen, Audi und Porsche verbaut waren, im Hinblick auf unzulässige Softwarefunktionen untersucht werden."

Rupert Stadler
Politik & Wirtschaft

Beide Manager müssen sich in der Abgas-Affäre bereits vor Gericht verantworten. Gegen Winterkorn ist ein Verfahren wegen des mutmaßlichen gewerbs- und bandenmäßgen Betrugs beim Landgericht in Braunschweig anhängig. Stadler muss sich vor dem Landgericht in München wegen einer möglichen Mitverantwortung bei den manipulierten Abgaswerten verantworten.

Schadenersatz-Forderungen auch gegen Hackenberg, Knirsch und Hatz


Auf Basis der Untersuchung haben auch die Aufsichtsräte der VW-Gesellschaften Audi und Porsche fahrlässige Pflichtverletzungen bei weiteren Vorständen festgestellt. Entsprechend soll auch Schadensersatzansprüche gegen Ulrich Hackenberg und Stefan Knirsch (ehemalige Audi-Vorstände) sowie Wolfgang Hatz (früherer Porsche-Vorstand) geltend gemacht werden. "Zudem wurden bereits Ansprüche gegen den früheren Vorstand der Marke Volkswagen Pkw, Dr. Heinz-Jakob Neußer, geltend gemacht", so der VW Konzern.

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Fazit

Der Abgasskandal von VW hat neben der strafrechtlichen Aufarbeitung noch weitere Auswirkungen auf ehemalige Vorstände des Autobauers. Nach einer umfassenden Untersuchung hat nun eine vom Aufsichtsrat beauftragte Kanzlei ermittelt, ob aktienrechtliche Sorgfaltspflichtverletzungen vorliegen – auf Basis dieser Untersuchung will der Aufsichtsrat nun die Schadenersatz-Forderungen geltend machen.

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