Vernetztes Auto

Digitaler Austausch und Online-Dienste

Cockpit, Future Foto: Archiv 15 Bilder

Über einen digitalen Datenaustausch von Autos und der Verkehrsinfrastruktur wollen die Hersteller Staus und Unfällen an den Kragen. Online-Dienste sowie eine umfassende Vernetzung soll Autofahren jedoch auch komfortabler und kurzweiliger machen.

Für Autofans mit großem Informationshunger dürften Computermessen bald zum Pflichtprogramm gehören. So verriet Mercedes-Chef Dieter Zetsche im Januar auf der CES in Las Vegas, dass eine neue Generation von Fahrzeugen entwickelt werde, die als "digitale Begleiter" dienen, während sein Audi-Kollege Rupert Stadler an gleicher Stelle das Auto der Zukunft vernetzt sieht "mit dem Umfeld, der Verkehrsinfrastruktur und der Welt des Internets".

Tatsächlich arbeiten derzeit fast alle Hersteller an einem optimierten WLAN-Standard, über den Autos zur Vermeidung von Unfällen gegenseitig in Kontakt treten können. Die Anwendungsfälle der Car-to-Car-Kommunikation sind unerschöpflich: Erreicht etwa ein Autofahrer ein Stau-Ende und muss stark bremsen, soll in den Cockpits der nachfolgenden Fahrzeuge binnen Sekundenbruchteilen eine Warnmeldung erscheinen.

Auch Fußgänger sollen besser geschützt werden

Ebenso können Autos, deren ESP auf Glätte anspricht, andere Fahrzeuge in der Umgebung warnen. Da die Verkehrsinfrastruktur in die Vernetzung mit einbezogen werden soll, sind Assistenzsysteme denkbar, die Alarm schlagen, wenn sich ein Auto zu schnell einer roten Ampel nähert oder einer Autobahnauffahrt in falscher Richtung.

Auch Fußgänger sollen besser geschützt werden: Mit einem Transponder, der in Kleidungsstücken, Schulranzen oder Mobil-Telefonen eingebaut wird, lassen sich sogar Passanten orten, die zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn treten. Für die Car-to-Car-Kommunikation laufen derzeit erste herstellerübergreifende Feldversuche an, mit dem Serieneinsatz ist aber nicht vor 2015 zu rechnen.

Doch bereits heute sind viele Autos umfassend vernetzt. So bieten die Infotainment-Systeme aktueller Oberklassefahrzeuge von Audi, BMW oder Mercedes längst Internet-Zugänge, über die auf Nachrichten- und Wetter-Portale, Web-Radio-Sender oder soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter zugegriffen werden kann. Darüber hinaus lässt sich das Autotelefon mit seinen empfangsstarken Außenantennen zum WLAN-Hotspot umfunktionieren, so dass Mitfahrer während der Fahrt via Laptop oder Tablet-PC problemlos im Internet surfen können.

Baustellen und Benzinpreise entlang der Route

Der digitale Datenaustausch wird allerdings kein Privileg teurer Modelle bleiben: So lässt sich das Multimedia-Radio Touch&Go für den Toyota Yaris über gekoppelte Mobiltelefone um Online-Funktionen erweitern. Der Ende des Jahres erscheinende VW Golf VII bekommt ebenfalls ein neues Infotainment-System mit weitreichenden Internet-Diensten.

Zukünftige Anwendungen hängen jedoch von der Verbreitung des Mobilfunk-Standards LTE (Long Term Evolution) ab. Ist das derzeit eingeführte LTE mit seiner Bandbreite von 50 Mbit/s flächendeckend zu empfangen, lassen sich ganze Navigationskarten auf Zentralrechnern speichern und vor jedem Fahrtantritt herunterladen – samt tagesaktueller Baustellen oder den Benzinpreisen entlang der Route.

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