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Audi A3 Sportback 2.0 TDI

Fast ein Sportler

13.02.2017 Gefällt mir

Auch wenn der Facelift-Rundumschlag der A3 Familie einen neuen Dreizylinder-Einstiegsmotor beschert, so wird nach Meinung von Audi der große Diesel mit 2,0 Liter Hubraum in Deutschland im doppelten Sinne das Volumenmodell bleiben. Also sind wir den 2.0 TDI in seiner Top-Version mit 150 PS gefahren.

Fahrzeug in diesem Video: Audi A3

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Fast ein Sportler? Sorry, aber ein Sportler ist der A3 ganz sicher nicht!
Ich fahre die 184-PS Diesel-Version vor dem Facelift mit Handschaltung.
Es gab da den schönen Vergleichstest der 184-PS-Version von "sport auto" mit den Dieselversionen von Mini und 1er BMW von Roman Domes:
https://www.auto-motor-und-sport.de/vergleichstest/bmw-120d-audi-a3-20-tdi-mini-clubman-cooper-sd-vergleichstest-12396682.html
Dazu hatte ich - aus Sicht des sportlichen Fahrers - folgendes geschrieben:

Lieber Herr Domes,

ich möchte an dieser Stelle mal ausdrücklich erwähnen, dass ich Ihre Testberichte außerordentlich schätze, weil die für einen Sportfahrer relevanten Themen klar zur Sprache kommen - auch dann, wenn das Testergebnis hier eben kein positives ist!

Ein gutes Beispiel dafür ist dieser Vergleichstest und der ehrliche Kommetar zur Lenkung des Audi A3. Ich fahre diesen Wagen ja selber: Zwar noch vor dem Facelift, mit Frontantrieb statt Quattro, mit Handschaltung statt DSG und mit dem bei der Ambition-Version serienmäßigen Sportfahrwerk , aber ansonsten ist es eben der gleiche Wagen.

Vorweg: Mir würde privat ganz sicher kein Fronttriebler ins Haus kommen. Das gilt für den Audi A3 genauso wie für den Mini Clubman oder den zukünftigen Frontantriebsnachfolger des 1er BWM. Leider stand als Dienstwagen kein - pardon - anständiges Fahrzeug zur Auswahl. Auf die privat Nutzung dieses A3 verzichte ich daher komplett.

In der Tat ist es die Lenkung, die diesen A3 in sportlicher Hinsicht völlig entwertet. Sie beschreiben die Rückmeldung exakt so, wie sie ist: Sie ist schlichtweg nicht vorhanden! Nicht mal im Ansatz!
Man hat wenigsten noch ein Rückstellmoment der Lenkung, das heißt, mit zunehmendem Lenkwinkel wird sie schwergängiger, etwa so, als ob sie an einer Feder hängen würde. Wobei selbst hier schon nicht klar ist, ob dieses Rückstellmoment nun wenigstens vom Nachlauf und der Spreizung an der Vorderachse kommt, oder ob es auch schon künstliche erzeugt wurde.
Außerdem ist die Lenkung auch wenig zielgenau: Man kann in schnell angegangen Kurven nur schwer eine saubere Linie fahren, weil man damit zum Überlenken neigt.
Aber eine Rückmeldung darüber, wie es mit dem Grip an der Vorderachs aussieht und ab wann die Schwimmwinkel größer werden, die gibt es nicht mal im Ansatz.
In der Tat bleibt einem nichts weiter übrig, als etwas Rückmeldung aus dem Chassis nachzuspüren. Die bleibt aber unzureichend für einen sicheren Aufenthalt im Grenzbereich.
Was bei Trockenheit mit einiger Erfahrung mit diesem merkwürdigen Auto noch halbwegs funktioniert, wird bei Nässe wirklich gefährlich: wenn man die Nähe zum Grenzbereich mangels Rückmeldung falsch eingeschätzt hat, benötigt der Wagen dann ggf. extrem viel Platz zum Untersteuern, der meist einfach nicht vorhanden sein wird. Angesichts so erbärmlicher Rückmeldung wundert es mich nicht, wenn ich in letzter Zeit so oft von Unfällen lese, bei denen die Fahrer in einer Kurve im Gegenverkehr gelandet sind.
Während ich persönlich ja eigentlich kein aktiviertes ESP haben will, wenn ich wirklich mal Gas gebe (weil es nun mal der Sinn des Sportfahrens ist, den Aufenthalt im Grenzbereich selbst zu managen), schalte ich im A3 das ESP nur selten ab (es ist ohnhin nicht wirlich abschaltbar, offensichtlich aus gutem Grund!), weil man zumindest mit dem Ambition-Sportfahrwerk nur selten tatsächlich im ESP-Regelbereich landet. Und das liegt keineswegs an einem hohen Grenzbereich, sondern an der unterirdischen Rückmeldung, durch die man sich eben nur ganz zart und vorsichtig an die echte Grenze herantasten kann.
Das Ambition-Sportfahrwerk kommt mir dabei in der Tat erheblich sportlicher vor im Vergleich zu Ihrer Beschreibung des Serienfahrwerks im Test. Das Ambition-Fahrwerk selbst würde ich ganz sicher nicht kritisieren wollen. Die Seiteneigung ist moderat, auch wenn das mit sehr deutlicher Härte erkauft wird. Eine Härte, die auf Absätzen richtig herbe Schläge in den Wagen überträgt. Beim Anbremsen in Kurven empfinde ich die Lastwechsel-Neigung allerdings schon als recht heftig und eher unangenehm.
Es ist allerdings die Lenkung, die in diesem Wagen trotz des an sich brauchbaren Fahrwerks jede Sportlichkeit sabotiert!

Ich werde dieses Jahr mit dem A3 mal an einem Sicherheitstraining teilnehmen können und bin schon mal sehr gespannt auf die Schleuderplatte: Wird mich das ESP durch unpassende Bremseingriffe in den Konterschwung schicken, wenn ich als trainierter Sportfahrer das ausbrechende Heck mit Gegenlenken einfange? Das ist etwas, dass ich auf öffentlichen Straßen ganz sicher nicht ausprobieren will, dazu ist das Vertrauen in diesen Wagen viel zu gering.

Übrigens hat der 184-PS-Diesel auch mit Handschaltung eine deutliche Anfahrschwäche. Ich habe noch nie einen Motor so oft beim Anfahren abgewürgt wie eben diesen hier. Dass das DSG das dosierte Anfahren am Berg dann erst recht unmöglich macht, kann ich mir sehr gut vorstellen.
Die Handschaltung des A3 ist zwar halbwegs exakt, aber das Schaltgefühl völlig synthetisch. Während man in meinem BMW 323ti E36 und erst recht im Caterham wirklich etwas vom Vorgang im Getriebe spürt, spürt man im Audi nur einen künstlichen Widerstand, den man beim Einlegen des Ganges überwinden muss. Vom Getriebe selbst spürt man rein gar nichts.

Wenn man wie ich gerne mit Zwischengas beim Anbremsen arbeitet, dann stellt man auch schnell fest, dass die viel zu leichtgängige Bremse eine vernünftige Bremsdosierung beim gleichzeitigen Zwischengasstoß immer wieder sabotiert.

Überhaupt, der Bremsassistent fällt (wie schon beim Golf VII) immer wieder mal damit auf, dass er in völlig harmlosen Situationen Handlungsbedarf sieht und kurzzeitig viel zu stark bremst: als wenn man mit dem an das Kupplungspedal gewöhnten linken Fuß erstmalig versucht, die Bremse zu betätigen.
Anscheinend reagiert er auch auf die Zeit, die man vom Wechsel vom Gas auf die Bremse benötigt. Selbst beim langsamen Herumeiern, z.B. dem Verlassen eines Parkplatzes, bin ich vielleicht oft immer noch viel zu schnell an den Pedalen. Vor meinem 90. Lebensjahr werde ich die Vorstellungen der Audi-ABS-Programmierer von einem tpyischen Audifahrer wohl nicht mehr erfüllen.

Die Traktion der Frontantriebsversion ist gemessen am satten Drehmoment durchaus recht gut, sicherlich vor allem dank der hochwertigen Bereifung. Wenn die Traktion beim Beschleunigen allerdings abreißt, geht oft ein Schlag durch den Wagen, als sei gerade eine Abtriebswelle gerissen. Sehr gesund fühlt sich das wahrlich nicht an.

Nach den Vorerfahrungen mit meiner "Wanderdüne" (Golf VII 4motion Variant mit dem mickrigen 105-PS Dieselmotörchen) im Vergleich mit diesem Frontantriebs-A3 würde ich übrigens in einem normalen Golf-Derivat (zu den richtigen Sportvarianten kann ich nichts sagen) kein Allradantrieb mehr bestellen. Der verbessert zwar die Traktion nochmals, kann in Sachen Sportlichkeit allerdings keinerlei Verbesserung bieten. Eher wird das Vertrauen und die Rückmeldung im Grenzbereich noch schlechter. (Der Golf 4motion war mir in Kurven irgendwie noch suspekter. Die Golf-Lenkung ist übrigens ebenfalls völlig frei von jeglicher Rückmeldung.) Der Allrad erhöht hier eigentlich nur das Gewicht und kostet Geld.

Sehr merkwürdig finde ich auch immer die Behauptung, moderne Turbomotoren hätten ja eigentlich überhaupt kein Turboloch mehr. Auf den 184-PS-Diesel des Audi A3 trifft das definitiv nicht zu: Während beim Fahren unter Zug mit anliegendem Ladedruck mehr Gas doch einigermaßen spontan beantwortet wird, zeigt der Wechsel vom Schub (d.h. Motorbremse) auf Zug (Gas geben) eine Verzögerung vom satten 2,5 Sekunden, bis die volle Leistung anliegt:
"Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzw...."
Wenn DAS kein Turboloch ist, dann weiß ich es auch nicht mehr.
Und dieses Turboloch kommt halt gerade in Kurven zum Tragen.

Ein Rennpferd ist dieser Diesel natürlich nicht, sondern eher der Ochse vor dem Pflug. Ein sehr kräftiger Ochse immerhin. Drehzahlen mag er nicht. Zum Glück ist das Verbrennungsgeräusch innen so stark abgedämpft, dass man von der außen doch recht landwirtschaftlich geprägten "Klangkulisse" dieses Ochsen als Fahrer weitgehend verschont bleibt.

So nebenbei noch der Kommentar, dass die Start-Stopp-Automatik den kalten Motor oft schon nach ein paar hundert Metern das erste Mal abschaltet. Das dürfte für die Dauerhaltbarkeit des Motors gravierende Folgen haben. Die zukünftigen Gebrauchtwagenkäufer tun mir jetzt schon leid.

Zusammenfassend will ich zum Audi A3 mal folgendes sagen: Privat fahre ich einen BMW 323ti E36 Baujahr 2000. Der Wechsel vom alten BMW auf den neuen Audi A3 bedeutet einen Sprung von mindestens 20 Jahren Automobilentwicklung. Eigentlich müsste ich im Audi tief beeindruckt sein vom technischen Fortschritt in diesen zwei Jahrzehnten. Tatsächlich ist für mich als Sportfahrer aber das Gegenteil der Fall!
Der Audi A3 Ambition ist durchaus o.k, um von A nach B zu kommen (zumindest wenn man mit dem harten Ambition-Sportfahrwerk leben kann). Sportlichkeit geht ihm trotz dieses eigentlich nicht schlechten Sportfahrwerks und der satten 184 PS aber völlig ab. Da fehlt es einfach vorne und hinten an Rückmeldung und Feinschliff.

Noch kurz zu den beiden anderen Testkandidaten:
Dass der Mini Clubman sich wie ein Maxi Clubman fährt, ist natürlich eine große Enttäuschung. Speziell wenn man bedenkt, dass der zukünftige Einser BMW, bisher ja noch quirliger Hecktriebler, in Zukunft ebenfalls so ein Langweiler auf Basis eben jenes Maxi-Mini wird.
Selbst am derzeitigen Heckantriebs-Einser gäbe es aus Sicht des Sportfahrers ja noch genug zu meckern: Vor allem das nicht richtig abschaltbare ESP (DSC), bei dem mindestens die durch Bremseingriffe simulierte Differenzialsperre immer aktiv bleibt. Und was für Bremseingriffe da noch so aktiv bleiben, da kann man nur raten. Und dass BMW es auch in der zweiten Fahrzeuggeneration nicht schafft, dem Wagen ein Kühlwasserthermometer und/oder ein Ölthermometer zu spendieren, ist schlichtweg inakzeptabel für einen Hersteller mit der sportlichen Tradition von BMW.
Keine Frage, es geht bergab mit BMW - steil bergab!

Mit freundlichen Grüßen
ChrisH

ChrisH 4. Februar 2018, 21:21 Uhr
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