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Lamborghini Huracán Performante vs. Porsche 911 GT2 RS

Onboard-Video - Welcher schafft die schnellste Runde?

07.12.2017 Gefällt mir

Der ehemalige trifft auf den amtierenden Nordschleifen-Rekordhalter: Lamborghini Huracán Performante gegen Porsche 911 GT2 RS. Kurz: der Vergleichstest des Jahres! Welcher ist schneller? Beide Runden onboard gibt's hier im Video – mit den Zeiten. Den ganzen Vergleichstest lesen Sie in sport auto 01/2018. Hier zeigen wir Ihnen, was da sonst noch drinsteht. Das Heft können Sie hier kaufen.

Neuester Kommentar

Lieber Herr Gebhardt,

es war wirklich das erste Mal, dass ich fast einen Leserbrief geschrieben hätte noch bevor ich den Testbericht überhaupt gelesen hatte. Denn man sieht schon auf den ersten Blick, dass beim GT2 RS einfach nur die "Wunderreifen" der entscheidende Faktor waren.

Herzlichen Glückwunsch zunächst an Porsche zum neuen Rekord. Nein, ich meine nicht die unfassbar schnelle Rundenzeit von 1.03,8 min auf dem kleinen Kurs in Hockenheim. Nein, ich meine auch nicht den Rekord-Warmbremswert von 100 auf 0 km/h in unglaublichen 29,3 Metern (13,2 m/s2).
Ich meine den Kaltbremswert aus 100 km/h, der mit 46,6 Meter = 8,3 m/s2 so ziemlich das schlechteste ist, was man seit der Ausmusterung der Trommelbremsen zu sehen bekommen hat.

Nur mal zum Vergleich: Der Lamborghini Huracán Performante trägt mit dem Pirelli P Zero Trofeo einen auf hohen Trockengrip hin optimierten Semislick, der (schön aufgewärmt!!) deutlich griffiger ist als der moderatere Pirelli P Zero Corsa Semislick. Damit allerdings dürfte der Trofeo auch wesentlich wärmebedürftiger als der Corsa sein, sollte also bei Kälte entsprechend wenig Grip bieten. Mit diesem Trofeo-Semislick erzielt der Lamborghini unter gleichen Testbedingungen - nämlich sehr moderaten 17°C Luftemperatur und 19°C Asphalttemperatur - einen Kaltbremswert von 39,8 Metern = 9,7 m/s2. Eigentlich völlig peinlich für einen Supersportwagen, aber trotzdem um Welten besser als beim Porsche!

Warum ich mich ausgerechnet auf den Kaltbremswert fixiere, statt die beiden anderen Rekorde hervorzuheben? Weil diese Kaltbremswert des Porsche zeigt, wie es zu den anderen Rekorden überhaupt gekommen ist und warum das ganze herzlich wenig mit dem Serienstand zu tun haben kann. Was wir hier sehen, verhält sich wie ein extremer Rennreifen. Trotz sehr moderater 17°C Luftemperatur und 19°C Asphalttemperatur zeigt der Reifen kaum Grip im kalten Zustand. Und zwar noch wesentlich weniger als all die üblichen Semislicks.

Dabei wird dem GT2-Testwagen natürlich zum Fallstrick, dass wir mit dem GT3 RS und dem GT3 RS MR zwei direkte Vergleichsmöglichkeiten haben, durch die man sofort sieht, dass beim GT2 keineswegs eine geniale Verbesserung der Fahrwerksabstimmung vorliegt, sondern schlicht und einfach ein Reifen aufgezogen wurde, der mit käuflichen Serienreifen rein gar nichts zu tun hat.

Nun aber im Detail:
Wir haben den Porsche 911 GT3 RS, der letzlich wohl doch einfach die Basis für den GT2 RS ist (nur eben mit Saugmotor statt Turbo wie im GT2), nun schon in zwei Tests zu sehen bekommen: Zuerst als Supertestwagen im angeblichen Serienzustand. Danach noch mal in der speziellen Version GT3 RS MR, in der er vom Manthey Porsche-Werksrennteam ganz extrem zugespitzt auf Rundstreckenrekorde verfeinert wurde. Manthey zieht hier wirklich ALLE Register, verbaut sein spezielles Fahrwerk aus dem Manthey-Rennwagen und adaptiert dessen Abstimmung, senkt das Fahrzeug 1,5 cm ab, erhöht den Sturz für Hockenheim rundum auf extreme 3,5° (laut Angabe von Manthey zumindest, nachgemessen wurde das ja nicht, vielleicht war es also noch mehr), tauscht die Michelin Pilot Cup 2 N1 gegen die N0-Version des Reifens, die noch etwas mehr Trockengrip bietet (das ist der Spezial-Reifen des Porsche 918!!), erhöht den aerodynamischen Abtrieb bei 200 km/h von 144 kg auf 194 kg, verbaut Rennbremsbeläge und ultraleichte und sündhaft teuere Magensiumräder (12,6 kg leichter als die RS-Serienräder!!). Im Supertest beeindruckt dieser Wagen mit einer maximalen Querbeschleunigung von 1,7 g! Wirklich alltagstauglich ist er in dieser zugespitzten Manthey-Version natürlich nicht mehr, schon wegen der extremen Sturzwerte.

So, und nun kommt der Porsche GT2, und lässt in den Kurven (sic!) selbst den extremen Manthey-GT3 RS wie eine Schnecke aussehen!
In der Nordkurve erreicht der Manthey-GT3 140 km/h (1,2 g), der GT2 aber 150 km/h (1,5 g). In der Sachskurve sind es 83 km/h (1,5 g) für den extremen Manthey, aber 87 km/h (1,5 g) für den GT2. Im 18-Meter-Slalom schafft der Manthey 74 km/h und der GT2 76,5 km/h.
Hallo? Wer bitte soll denn da noch glauben, dass da alles mit rechten Dingen zugeht? Wunder geschehen jedenfalls auch in der Autoentwicklung nicht!

Nun hatten wir ja auch schon drei Testwagen mit den Michelin Pilot Cup 2 in der ganz speziellen, supergriffigen ZP-Spezifikation, nämlich den AMG GT R sowie die Corvette in zwei Motorisierungen.
Wir erinnern uns, der ZP war der Reifen, wo man sich auch schon verwundert die Augen rieb, weil beim ersten Blick auf die Testwerte gleich auffiel, dass die gezeigten Leistungen wohl eher am Reifen als am Auto liegen.
Es war der Reifen, der angeblich eine Straßenzulassug habe, aber der beim AMG GT R trotz dieser Straßenzulassung eine Einzelabnahme (!) beim Kauf über AMG benötigt (Heft 5/17, Seite 22).
Es war der Reifen, der im Bild vom GT-R-Supertest nach Gebrauch fast wie ein Slick aussah.
https://www.auto-motor-und-sport.de/supertest/mercedes-amg-gt-r-supertest-nordschleife-hockenheim-rundenzeit-12016334.html
Hier das Bild:
https://imgr2.auto-motor-und-sport.de/Mercedes-AMG-GT-R-Reifenauswahl-fotoshowBig-efc0c6ae-1067823.jpg
Und es war der Reifen, bei dem wir im Supertest der Corvette nach der Norschleifenrunde das Bild eines Vorderreifens mit völlig zerbröseltem Mittellaufsteg auf der Lauffläche gesehen haben. Eine Lauffläche, die ohnehin nur noch am äußersten Rand so etwas wie Reste von Profil zeigte (Heft 8/17, Seite 25).
https://www.auto-motor-und-sport.de/supertest/chevrolet-corvette-c7-z06-supertest-12424543.html
Hier das Bild:
https://imgr1.auto-motor-und-sport.de/Chevrolet-Corvette-Z06-Felge-fotoshowBig-d51a42c0-1109895.jpg
Also offensichtlich ist der ZP ein Reifen, der außer für eine einzelne Rekordrunde eigentlich zu nichts zu gebrauchen ist.
Trotzdem glaube ich, dass Porsche hier noch viel weiter gegangen ist, als "nur" den ZP zu verwenden.
Warum? Man vergleiche mal die Kaltbremswerte des Porsche GT2 (46,6 Meter = 8,3 m/s2, 17°C Luftemperatur und 19°C Asphalttemperatur) mit denen des ZP-Reifens auf den anderen Testwagen:

Heft 10/17, Seite 11 (18°C Lufttemperatur, 26°C Asphalttemperatur):
- Corvette Z06: 42,0 m = 9,2 ms2
- AMG GT R: 40,0 m = 9,7 ms2
Heft 5/17, Seite 14 (16°C Lufttemperatur, 20°C Asphalttemperatur):
- Corvette Grand Sport: 40,1 m = 9,6 ms2
Heft 2/17, Seite 11 (6°C Lufttemperatur, 5°C Asphalttemperatur):
- Corvette Grand Sport: 41,0 m = 9,4 ms2

Tja, und dann liest man im Test folgendes:
"Neben den seriemäßigen Sportreifen Michelin Pilot Sport Cup 2 N2 und Dunlop Sport Maxx Race 2 wird es ab Frühjahr optional einen noch extremeren Cupreifen vom Typ Michelin Pilot Sport Cup 2 geben. Der Reifen ähnelt in Konstruktion, Mischung und Gripniveau dem Cup 2 ZP, den es auch für die Corvette Z06 und den Mercedes-AMG GT R gibt. Für die GT-Modelle von Porsche wurde aber eine eigene Spezifikation entwickelt, Wie der neue Reifen schlussendlich heißen wird, verrät Porsche noch nicht - dafür dürfen wir ihn aber heute exklusiv vorab schon testen."

Sie testen doch die Wagen grundsätzlich mit Reifen mit Straßenzulassung, oder? Und nicht mit Quali-Rennreifen mit handgeschnitztem Profil?
Haben Sie nicht einfach mal auf der Seitenwand des Reifens geguckt, was da stand? Und wie kann eigentlich ein Reifen eine E-Mark haben, wenn nicht mal der Name des Reifens feststeht?
Aber vermutlich stand da auf der Flanke ja auch nichts oder nichts korrektes, denn ein Serienreifen ist es ja offensichtlich nicht. Und welches tatsächliche Gripniveau der vermeindlich zukünftig einmal erscheinende Serienreifen dann haben wird, bleibt ja noch abzuwarten. In Anbetracht der katastrophalen Kaltbremswerte und des ohnehin extrem hohen Verschleißes der anderen ZP-Reifen, wird die Gummimischung wohl deutlich härter ausfallen, falls es jemals zu einem Serienreifen kommt.
Aber Hauptsache, der GT2 hat sich mit diesem vermeindlichen "Vorserien"-Reifen schon mal einen Rekordwert in der "sport auto"-Tabelle gesichtert. Hinterher sieht das ja keiner mehr, wie da geschummelt wurde.
Ganz im Ernst, es wird heute so viel von den Herstellern beschissen, da gehört so eine Rekordrunde definitiv nicht in die Bestwerte-Tabellen, wenn er ganz offensichtlich nicht mit Serienmaterial zustande kam.
Denn das was wir hier gesehen haben, war ein Qualifikationsreifen um sich in Autotests die Pole Position zu sichern, aber kein Serienreifen!

Und was sagt so ein Test dem potentiellen Kunden? Eigentlich gar nichts, oder?

Herr Gebhardt, lassen Sie es nicht zu, dass Ihre wertvolle Testarbeit durch solche Mogelreifen unterminiert wird!

Mit freundlichen Grüßen
ChrisH

P.S.: Zum Schluß noch ein pikantes Detail: Der GT2 erreicht auf der Zielgeraden unfassbare 230 km/h. Die schafft er mit angeblichen 700 PS bei massigen 1521k g, wobei der Bruder GT3 RS im Supertest einen Luftwiderstandswert (Cw x A) von 0,73 hatte, dabei als Sauger aber weniger Kühlluft braucht als der Turbo GT2.
Nun gab es da ja in Heft 12/16 dummerweise den Supertest des Ferrari 488 GTB, ebenfalls ein Turbomotor. 1552 kg schwer, auf dem Prüfstand mit ebenfalls 700 PS (statt nominaler 670 PS), allerdings mit einem Luftwiderstand (Cw x A) von nur 0,65. Der erreichte auf der Zielgeraden allerdings nur 223 km/h.
Da wird Porsche doch nicht etwa (wie ja leider üblich) wieder mal am Dampfrad des Testwagens gedreht haben?

ChrisH 21. Januar 2018, 13:13 Uhr
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