Werkstatt-Tipp

So tauscht man einen Kühler

Kühlertausch, Anna Matuschek Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Der Tausch eines Kühlers gehört zu den einfachsten Übungen an älteren Fahrzeugen – und den günstigsten. Wesentlich wichtiger als der Wechsel selbst ist es aber, einen tatsächlichen Defekt im Kühlflüssigkeits-Kreislauf eines Autos zu erkennen. Wir zeigen wie's geht.

Kochen macht Spaß - solange es sich um die Zubereitung einer köstlichen Mahlzeit handelt. Wenn es hingegen aus dem Motorraum dampft, ist die Freude eher verhalten. Der Grund für Überhitzung beschränkt sich meist auf ein defektes Bauteil - oder eine Verkettung unglücklicher Umstände.

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Motoren, die lange gelagert wurden und mit zu wenig Frostschutz befüllt sind, rosten von innen. Das muss nicht unbedingt bei der ersten Ausfahrt auffallen. Meist treten Überhitzungsprobleme erst auf längeren Distanzen auf, wenn das System richtig geflutet wird. Dann lösen sich die Bröckchen und verstopfen peu à peu den Kühler. In diesem Falle macht es Sinn, diesen auszubauen und zu spülen. Zudem sollte auch das restliche System mit reichlich Wasser gereinigt werden, bis keine Verschmutzung mehr sichtbar ist. Bei einem Motor, der stark überhitzt war, sollte man die Zylinderkopfdichtung prüfen. Sie ist das schwächste Glied und hält übermäßiger Belastung oft nicht stand.

"Schmand" im Ausgleichsbehälter ist ein Warnzeichen

Ein einfach zu erkennender Defekt ist verölte, dickflüssige Kühlflüssigkeit. Dazu einfach den Ausgleichsbehälter aufschrauben und den Zustand sichten. Ein weiteres Symptom kann weißer Rauch aus dem Auspuff sein. Im Motor wird dann Wasser verbrannt. Schwarzer Rauch kann ebenfalls eine defekte Dichtung enttarnen. In diesem Fall verbrennt Öl im Brennraum. Das Ausschrauben der Zündkerzen bringt Klarheit.

Eine weitere Schwachstelle und Grund für Überhitzung kann der Thermostat sein. Ein Auto verfügt in der Regel über zwei Kühlkreisläufe: Der kleine sorgt dafür, dass der Wagen schnell auf Betriebstemperatur kommt. Der große ist dafür zuständig, dass genug Wasser zur Kühlung im System ist. Dazwischen sitzt ein Bimetall, das bei Erreichen der idealen Temperatur öffnet. Dann fließt das Wasser auch im großen Kreislauf.

Fehlerquelle Thermostat

Macht der Thermostat nicht auf, wird der Motor nicht ausreichend gekühlt. Die Funktion des Bauteiles kann in einem Kochtopf geprüft werden. Bimetall in kaltes Wasser legen und erhitzen. Passiert bis zum Erreichen des Siedepunktes nichts, ist das Teil defekt. Im Pannenfall ist die Weiterfahrt auch ohne Thermostat möglich. Das geht bei einem Defekt der Wasserpumpe keinesfalls. Sie sorgt dafür, dass die Flüssigkeit im Motor in Bewegung bleibt. Bei gut gewarteten Fahrzeugen ist ein Ausfall eher unwahrscheinlich. Zum Test: das Ausgleichsgefäß öffnen und den Motor bei leicht erhöhter Drehzahl laufen lassen. Im Behälter muss das Wasser sichtbar zirkulieren.

Bei unserem VW Golf auf den Fotos liegt die Überhitzung ganz eindeutig an Rostrückständen durch lange Lagerung ohne Frostschutz-Beigabe. Diese schützt nicht nur im Winter vor Frost, sondern verhindert auch die Rostbildung. Während im höheren Preissegment das Überarbeiten eines Kühlers bei Verstopfung oder Undichtigkeit durch einen Fachmann infrage kommt, lohnt sich diese teure Variante bei einem Golf eher nicht: Schon ab 30 Euro gibt es Ersatz.

"Kühlerdicht" oder nicht?

Klar, für diesem Preis gibt es keine High-End-Qualität. Aber für die Fahrt durch den nächsten Sommer ist das günstige Bauteil brauchbar. "Kühlerdicht" sollte nur im Notfall verwendet werden, da es neben dem Stoppen eines Lecks bei dauerhaftem Beifüllen auch das restliche Kühlsystem langsam verstopfen kann. Dann hilft nur noch eine professionelle Reinigung.

Dabei ist der Umbau beinahe spielend leicht erledigt. Die Stecker für den Ventilator und den Temperaturfühler sind schnell abgezogen, ein kleiner Schraubenzieher schont im Bedarfsfall die Fingerkuppen. Eine große Wanne zum Auffangen sollte dringend parat stehen, denn wenn der obere und der untere Wasserschlauch gelöst werden, läuft die Flüssigkeit in großen Mengen aus dem System. Ein kleiner Schlauch ist zudem am oberen Teil des Kühlers mit einer Schelle befestigt. Am Stehblech zwischen den Kotflügeln gibt es zwei Schrauben zu lösen. Die L-förmigen Halter können nach oben herausgezogen werden.

Erschwerte Sicht

Das blecherne Luftleitblech am Kühler selbst muss nicht zwingend raus, der Arbeitsschritt erleichtert den Ausbau aber enorm. Es gilt vier Schrauben zu lösen. Vor dem Kühler sitzt ein weiterer Luftleiter aus Kunststoff, dieser kann von vorn am Kühlergrill ausgeklipst werden. Damit sind alle Arbeitsschritte erledigt. Meistens. Denn die Gummihalter am unteren Ende sind gerne störrisch - hier hilft sanfte Hebelage mit einem großen Schlitz-Schraubendreher.

Beim Herausnehmen Vorsicht walten lassen, möglicherweise lässt sich der Kühler ja doch noch durch kräftiges Spühen mit einem Wasserschlauch retten. Allerdings sitzt das Ausmaß der Zerstörung und Verstopfung schwer einsehbar im Inneren.

Beim Golf gibt es lediglich über die beiden Schlauchöffnungen einen kleinen Eindruck. Wir entscheiden uns für den Kühlertausch. Den beliebten Spruch "und dann in umgekehrter Reihenfolge zusammenbauen" sparen wir uns an dieser Stelle. Nach dem Umschrauben des Thermofühlers den Kühler vorsichtig im Motorraum in Position bringen und mit den beiden oberen Haltern fixieren. Stecker rein. Schläuche dran. Luftleitbleche wieder anschrauben oder anklipsen.

Bei günstigen Zubehörkühlern ist der Rahmen aus Kunststoff, sind die Löcher für die Schrauben ohne Gewinde. Hier darauf achten, dass die Schrauben schön gerade sitzen. Anschließend das System mit einem Frostschutz-Wasser-Mix nach Herstellerangabe auf minus 30 Grad Celsius befüllen.

System entlüften

Durch sanften Druck der Kühlerschläuche mit der Hand die Verbindungen auf Dichtheit prüfen, bevor der Motor angeworfen wird. Der Ausgleichsbehälter muss dabei aufgeschraubt bleiben. Nach der Reparatur des Kühlers befindet sich Luft im System. Während des Warmlaufens immer wieder auf Undichtigkeiten achten und bei Bedarf Wasser nachfüllen. Parallel die Heizung im Innenraum auf "heiß" und die Lüftung auf "hoch" stellen.

Wenn die Betriebstemperatur erreicht ist, öffnet das Thermostat den zweiten Kühlkreislauf. An diesem Punkt sinkt der Stand und sollte sofort ausgeglichen werden. Zudem ist es ratsam, die Temperaturanzeige im Instrumentenbrett im Auge zu behalten. Durch vorsichtiges Fühlen und Drücken an den Schläuchen kann ertastet werden, ob das Kühlsystem komplett geflutet ist. Sicherheitshalber sollten nach einer Probefahrt der Wasserstand sowie Schrauben und Schläuche erneut gecheckt werden.

6 Ursachen für Motorüberhitzung

  1. Wasserpumpe: Sie wird über einen Keilriemen, Keilrippenriemen oder Zahnriemen angetrieben und garantiert die Zirkulation der Flüssigkeit im Kühlsystem. Fällt sie aus, steht das Wasser, der Motor wird zu heiß.
  2. Leck im System: Kleine Undichtigkeiten können zum Problem werden, wenn der Kühlwasserstand nicht regelmäßig kontrolliert wird. Häufige Leckagen sind an Schellen zwischen Schlauch und Metall zu beobachten.
  3. Thermostat: Das Kühlsystem besteht in der Regel aus zwei Kühlkreisläufen. Ist der Motor betriebswarm, öffnet der Thermostat und schließt den zweiten Kreislauf an. Bei einem Defekt kocht der Motor nach kurzer Fahrt.
  4. Thermoschalter: Er misst die Temperatur der Kühlflüssigkeit im System. In der Regel schaltet er das Lüfterrad bei 90 Grad Celsius zu. Besonders im Stau ist Überhitzung wegen Ausfall des Thermoschalters häufig.
  5. Zylinderkopfdichtung: Bei Defekt läuft Wasser oder Öl in den Brennraum. Auch Öl im Wasser kommt vor, dieses wird fest und zirkuliert nicht mehr. Weißer oder schwarzer Rauch sowie Wasserverlust sind ein Zeichen.
  6. Verstopfung: Rost im Motor – durch mangelnde Zugabe von Kühlerfrostschutz können Schläuche und Kühler verstopfen. Auch übermäßiger Einsatz von Kühlerdichtzusatz kann zum selben Ergebnis führen.
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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