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SUV (Sport Utility Vehicle)
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Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic im Praxistest: Sparsames Schwergewicht

Ein SUV? Aber gerne doch! Nur sparsam sollte er sein. Dieses aktuelle Marktdiktat zwingt die Hersteller zum Umdenken. Neuester Ansatz: Mercedes rüstet die neue M-Klasse mit einem Vierzylinder-Diesel und NOX-Kat aus - Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic sein Name.

Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic im Praxistest 5

Verflixt, schon wieder versehentlich den Vordermann angeblinkt. Dabei sollte doch eigentlich nur der Geschwindigkeitsregler des Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic seine Arbeit aufnehmen. Doch hinterrücks tauschte Mercedes die Position von Blinker- und Tempomathebel, obwohl deren Position seit gefühlten 125 Jahren in den Kunststoff der Lenksäule gemeißelt schien.

Sei‘s drum, denn so, wie sich die Mercedes-Kunden an den SUV Mercedes ML gewöhnt haben, akzeptieren sie sicher auch dieses kleine Neuarrangement. Und den dezent knurrenden Vierzylinder-Diesel unter der von Finnen geschmückten Motorhaube.

Mehr Masse als in der S-Klasse

Richtig gelesen, in der Neuauflage markieren zwei Pötte weniger den Einstieg in die Selbstzünder-Palette des 4,80 Meter langen Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic. Dass dieser Job für das inzwischen hinlänglich als OM 651 bekannte Aggregat nicht leicht wird, war klar. In Zahlen: 2.132 Kilogramm Leergewicht, ein zulässiges Gesamtgewicht von 2.950 Kilogramm plus knapp drei Tonnen Anhängelast. Damit schultert das Triebwerk mit 2,1 Liter Hubraum sogar mehr Masse als in der S-Klasse. Man habe die Gewichtsspirale stoppen können, verkündet der Hersteller stolz - es wurde höchste Zeit.

Hier und jetzt, auf der A7 Richtung Süden, scheint dem Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic das alles jedoch ziemlich schnuppe zu sein. Der Tempomat übernimmt bei Tempo 180, und von vorne dringt nur ein gelangweiltes Knurren in den Innenraum. Offenbar fruchteten die Erziehungsversuche der Entwickler endlich, denn hinsichtlich der Laufkultur zählt der 651 bisher wahrlich nicht zu den sanftesten in der Ölbrenner-Klasse. Die neue Zurückhaltung gelang ihnen unter anderem durch kennfeldgesteuerte Motorlager, eine Stirnwandisolierung mit partiell unterschiedlicher Massenverteilung sowie einer Kunststoff-Trennwand zwischen Motor- und Innenraum.

Am Triebwerk selbst änderte sich wenig. Wie gehabt lupfen je ein in Reihe geschalteter Niedrig- und Hochdruckverdichter mit bis zu 215.000 Umdrehungen die Leistung auf 204 PS, das maximale Drehmoment beträgt 500 Newtonmeter und steht schon ab 1.600 Touren zur Verfügung. Mehr hatte der abgelöste ML 300 CDI mit V6-Motor auch nicht auf der Pfanne, wollte dafür allerdings durchschnittlich mit 8,3 L/100 km gefüttert werden. Der Mercedes ML 250 Bluetec soll dagegen mit 6,0 L/100 km auskommen.

Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic mit 6,1 Liter Verbrauch

Mit Reisetempi weit jenseits der Richtgeschwindigkeit lässt sich dieser Wert natürlich nicht realisieren, doch wenn es mal nicht eilt, spuckt der Bordcomputer durchaus Verbräuche mit einer Sechs vor dem Komma aus. Auf der unter möglichst ökonomischen Bedingungen absolvierten ams-Verbrauchsrunde realisierte der Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic beachtliche 6,1 L/100 km. So käme die M- Klasse mit dem serienmäßigen 70-Liter-Tank (93 Liter gegen Aufpreis) 1.147 Kilometer weit. In diesem Segment gelingt das bislang keinem, und auch in der Klasse darunter wird die Luft dünn. Daran beteiligt: die weiter optimierte Siebengang-Automatik im Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic mit nochmals verringertem Wandlerschlupf und Fliehkraftpendel, um bei niedrigeren Drehzahlen ruckfrei zu fahren. Sie bietet drei Schaltprogramme: "E" für den zurückhaltenden, "S" für den fordernden Gasfuß und "M" für unruhige Finger, die unbedingt an den verschämt hinter dem Lenkrad hervorlugenden Schaltpaddeln werkeln möchten.

Zum Sparpaket zählt zudem eine einwandfrei arbeitende Start-Stopp-Automatik, die bereits den Motor anwirft, wenn der Fahrer nur den Bremsdruck verringert, aber noch nicht losrollen möchte - das hilft, um an der Ampel auf den Punkt starten zu können. Überhaupt kommt der Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic recht flott aus den großen Puschen, erfüllt mit einer Zeit von 9,0 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h exakt die Werksangabe. Der Motor packt engagiert an, leistet sich keine Anfahrschwäche und dreht zügig hoch. Doch bereits kurz nach der 4.000/min-Marke droht der rote Bereich, und schon schickt die Automatik das Triebwerk wieder in den Drehzahlkeller, um eine Schippe Newtonmeter nachzufassen.

Derlei Aktionen entfernen den Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic rasch vom beeindruckenden Normverbrauch. Zum Säufer mutiert er dennoch nicht, wie der Testdurchschnitt von 9,9 L/100 km beweist - kurzer Szenenapplaus. Beim Tanken übrigens bitte nicht erschrecken, denn hinter der Klappe verbergen sich gleich zwei Einfüllstutzen. Nur in den roten kommt Diesel, in den blauen das – wer hätte es gedacht – Ad-Blue-Additiv. Die wässrige Harnstofflösung wird in den Abgasstrang des Mercedes ML 250 eingespritzt und ermöglicht eine Einstufung nach der ab 2014 gültigen Euro 6-Norm. Ein Nachfüllen des 25,7-Liter-Vorrats ist lediglich alle 25.000 Kilometer im Rahmen des Wartungsdienstes erforderlich - oder bei einer ausgedehnten Tour durch jeden Winkel der russischen Taiga.

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Offroad-Paket gegen Aufpreis

Dazu würde der serienmäßige Allradantrieb kaum ausreichen, erst das optionale Offroad-Paket erhöht im Verbund mit der Luftfederung die Bodenfreiheit von 202 auf 285 Millimeter und lässt den Mercedes ML 250 mit einem zu 100 Prozent sperrbaren Mittendifferenzial sowie einem speziellen Offroad-Programm durch aufgeweichten Boden wühlen oder schotterige Steigungen hochkraxeln.

Der Testwagen Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic verzichtete auf die empfindlich teuren Extras - also nur ein Sandkasten-Allradler? Nein, es bleibt ja noch das Zentraldifferenzial in Planetenbauweise, das eine Basis-Kraftverteilung im Verhältnis von 50 zu 50 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse herstellt. Alles Weitere übernimmt die talentierte Regelelektronik, die dafür sorgt, dass die meisten ML-Besitzer dorthin kommen, wohin sie möchten.

Wo auch immer dieses Ziel liegt, geht ihm meist eine sehr komfortable Reise voraus. Obwohl der Mercedes ML 250 Bluetec auf 19-Zoll-Rädern (Serie: 17 Zoll) und ohne Luftfederung Kilometer sammelt, gerät das Fahrwerk nie aus dem Tritt und schluckt mit stoischer Ruhe vor allem lange Bodenwellen. Auf kurzen Unebenheiten und bei herberen Schlaglöchern leidet die Federung etwas unter den großen Rädern, kaschiert deren Unvermögen dennoch mehr als ordentlich. Sportliche Härte? Keinesfalls. Sanft wiegend rauscht der Mercedes ML 250 über Landstraßen und neigt sich in Kurven spürbar zur Seite.

Abhilfe schafft auch hier ein Kreuz an der richtigen Stelle in der Aufpreisliste, bei der Active Curve System getauften Wankstabilisierung, Code 468, für 3.689 Euro. Doch wozu? So ein wilder Hund ist der Vierzylinder-Diesel im Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic nun auch wieder nicht. Und außerdem stimmt der Komfort.

Mercedes ML 250 mit gefühlvoller Lenkung

Dabei darf die Dynamik gerne in den Hintergrund rücken, obwohl die gefühlvoll abgestimmte, elektrohydraulische Lenkung mit verlässlicher Rückmeldung durchaus am Hütchen wedeln Spaß hätte. Doch die Karosseriebewegungen bremsen die Mercedes M-Klasse früh untersteuernd ein, und wer dann noch nicht locker lässt, den staucht das ESP rigide zusammen.

Falls trotz des unerschütterlich sicheren Fahrverhaltens doch Schweiß den Fahrerrücken herunterrinnt, helfen die belüfteten Vordersitze des Mercedes ML 250. Selbst ohne diese Option bietet bereits die serienmäßige Ausführung mit bequemer Polsterung, üppigen Abmessungen und weitem Verstellbereich oberklasseartigen Sitzkomfort. Kunden, die auch die Fahrdynamik-Extras geordert haben, sollten zwecks besseren Seitenhalts die strenger ausgeformten Sportsitze bestellen.

In der zweiten Reihe dürfen sich Mitreisende auf der komfortablen Rückbank ausstrecken, deren Lehne sich überdies in der Neigung verstellen lässt. Über aufgescheuerte Knie oder einen Knick in der Haartolle muss sich keiner in der Mercedes M-Klasse ärgern, hier spielt das pragmatisch-eckige Heckdesign seine Vorzüge aus.

Nicht minder geradlinig: die Bedienung des Mercedes ML 250 Bluetec. Einzig vom noch immer etwas überfrachteten Multifunktionshebel für Blinker und Wischer dürften selbst Mercedes-Traditionalisten allmählich die Nase voll haben. Am zwar neu positionierten, aber unverändert einfach zu aktivierenden Tempomat stört sich wohl niemand. Gleiches gilt für die ähnlich klar wie eine Bahnhofsuhr ablesbaren Instrumente sowie die gut gekennzeichneten, meist beleuchteten großen Tasten auf der Mittelkonsole. Und zum Betätigen der Fensterheber kann der linke Arm lässig auf der Türlehne liegen bleiben.

Infotainment-System könnte ausgefeilter sein

Feinschliff täte allerdings dem Infotainment-System der Mercedes M-Klasse gut, beispielsweise in Form von um den Dreh-Drücksteller angeordneten Direktwahltasten. Zudem bringt die Software-Industrie inzwischen aufwendigere Kartendarstellungen zustande. Überflüssig? Vielleicht, angesichts des stolzen Aufpreises aber durchaus wünschenswert.

Bei der Sicherheitsausstattung fährt die Mercedes M-Klasse dagegen alles auf, was die schwäbischen Spezialisten derzeit in petto haben. Ab Werk bekommt der Käufer neben einem großen Wattebausch in Form von Knie- bis Seitenairbag unter anderem einen Müdigkeitswarner, eine Trockenbremsfunktion sowie das Pre-Safe-System. Optional beruhigen zusätzlich ein aktiver Spurhalteassistent, eine Totwinkelerkennung sowie ein Abstandsregeltempomat das Gewissen.

Angst vor der Dunkelheit? Hier hilft der Nachtsichtassistent mit Personen-Erkennung. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung des Mercedes ML 250 Bluetec 4-Matic erscheint inzwischen deutlich ausgereifter, beschleunigt beispielsweise flott, nachdem der Vorausfahrende die Spur verlassen hat, und manövriert sicher zwischen Beton-Leitmauern und Lastwagen hindurch. Zudem schleicht sie sich durch die harmonische Stop-and-go-Funktion in die Träume staugeplagter Berufspendler.

Im Gegensatz dazu kann der aktive Spurhalteassistent noch das eine oder andere aufgefrischte Bit und Byte vertragen. Die Technik hatte speziell auf Landstraßen hin und wieder Mühe, die Fahrbahnmarkierungen zu erkennen und beschloss daher, vorsichtshalber passiv zu bleiben. Überhaupt keine Mühe zeigte die Bremsanlage mit dem Schwergewicht Mercedes ML 250. Egal, ob unbeladen oder mit Gepäck, ob kalt oder warm, die Verzögerungswerte blieben stets deutlich unterhalb der 40-Meter-Marke.

Mercedes ML 250 schluckt 2.010 Liter Gepäck

Apropos beladen: Die eingangs erwähnte Zuladung bleibt nicht nur graue Theorie, da bei der Laderaumgestaltung der Mercedes M-Klasse offenbar einige Entwickler aus der Nutzfahrzeugsparte ein Wörtchen mitzureden hatten. Bis zu 2.010 Liter passen hinter die breite Öffnung, deren Ladekante akzeptable 76 Zentimeter über dem Boden liegt und zum Schutz eine robuste Leiste in Chromoptik trägt. Bei umgeklappter Rücksitzfläche und -lehne ergibt sich ein ebener Boden mit einer Länge von 1,70 Meter. Bei aufgestellter Lehne bleiben immer noch 690 Liter bereit – inklusive geräumigem Fach unter dem Boden.

Richtig nutzen lässt sich der Stauraum des Mercedes ML 250 aber nur, wenn das Trennnetz das Gepäck an Ort und Stelle hält. Dieses nützliche Detail kostet extra, obwohl Geiz schon längst nicht mehr geil ist. Eine unrühmliche Ausnahme, denn in der Basisausstattung fehlt der Mercedes M-Klasse eigentlich nichts Wesentliches. Unter anderem installieren die Arbeiter im US-Werk Tuscaloosa grundsätzlich eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Audiosystem, das Automatikgetriebe und ein Multifunktionslenkrad. Die Verarbeitung hebt sich dabei in ihrer Qualität positiv von den beiden Vorgänger-Generationen ab, auch die Materialgüte legte nochmals zu. Fusseliger Filz? Noch nicht einmal im Laderaum. Pappiges Plastik als Zierleiste? Nein, Alu ist Standard, gegen Aufpreis läuft edles Holzfurnier im Cockpit um.

Wie üblich weckt die Aufpreisliste so viele Begehrlichkeiten wie die Geschäfte der Fifth Avenue in New York. So fällt es – zumindest in der Theorie – leicht, einen Mercedes ML 250 Bluetec mit Extras im Wert von 15.000 Euro vollzustopfen. Immerhin: Auch der neu platzierte Tempomat zählt zur Serienausstattung.

Jens Dralle

Autor

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

25. Oktober 2011
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 22/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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