Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo im Praxistest: Gutmütig, komfortabel, reisetauglich

Praxistest, Opel Astra Sportstourer 1.4 Turbo

Opel Astra Sports Tourer heißt die Kombiversion des Astra jetzt. Nutzfahrzeug-Charakter ist unerwünscht, Lifestyle tritt an seine Stelle. Universell begabt soll der Astra sein, was die Version mit 1,4 Liter-Turbomotor im großen Praxistest unter Beweis stellen muss.

So, wie er hier vor uns steht, repräsentiert der Testwagen des Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo einen Neuwert von 30.855 Euro. Das ist eine Menge Geld für ein Auto, das Opel Astra heißt. Wobei der Name, automatisch Kompaktklasse-Assoziationen hervorrufend, in die Irre führt. Denn der Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo bietet einen wirklich stattlichen Auftritt, der weit treffender mit der Einstufung Mittelklasse verbunden wird.

In der Tat bekommt der Käufer eine ganze Menge Auto - der Opel Astra Sports Tourer übertrifft beispielsweise die Kombi-Version der Mercedes C-Klasse in der Länge um fast zehn Zentimeter.Was hat man davon? Kein verschwenderisches Platzangebot jedenfalls, wie das bei konsequent raumökonomischem Umgang mit den gegebenen Abmessungen möglich gewesen wäre.

Platz für vier Erwachsene im Opel Astra Sports Tourer

Stylish und elegant zu sein, hatte bei der Konzeption einen höheren Stellenwert als bestmöglich nutzbarer Platz. Was sich auch darin manifestiert, dass Opel der traditionellen Handwerker-Nutzfahrzeug-Bezeichnung Caravan Adieu gesagt hat und auf den für zeitgemäßer erachteten Namen Sports Tourer verfiel. Immerhin: Vier Personen können, auch was den hinteren Beinraum im Opel Astra Sports Tourer angeht, bequem untergebracht werden, und das Gepäckabteil erweist sich mit 500 Liter Fassungsvermögen bei normaler Konfiguration der Sitze und Beladung bis zur Fensterunterkante als ausreichend bemessen für das Reisegepäck einer Familie.

Die Umbaumöglichkeiten im Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo zeugen von hoher Variabilität. Normalerweise wird es bei anspruchsvolleren Transportaufgaben genügen, die geteilte Lehne der Rückbank nach vorn fallen zu lassen - dazu genügt ein leichter Zug an Schaltern in der C-Säule. Ist eine gänzlich flache Ladeebene gefragt, kann man vorher die Sitzflächen nach oben klappen, auch das ist eine leichtgängige, in Sekunden erledigte Prozedur. So kommen letztendlich 1.550 Liter Volumen zusammen, und damit werden die Einkäufe, zu denen man einen Transporter vom Autoverleih benötigt, zu den absoluten Ausnahmen gehören.

Keine gute Übersichtlichkeit im Opel-Kombi

Die Formgebung des Opel Astra Sports Tourer erfordert dennoch gewisse Zugeständnisse, nämlich bei der Übersichtlichkeit, was im modernen Automobilbau inzwischen leider den Normalfall darstellt. Die Heckscheibe, die überdies zu einem guten Teil innen geschwärzt ist, um die C-Säule zu kaschieren, wirkt aus Fahrerperspektive wie ein Sehschlitz.

Nach vorn ist die Sicht besser, wobei vor allem hervorzuheben ist, dass die nach dem Schmetterlingsprinzip außen angeschlagenen Scheibenwischer ein großes Sichtfeld ohne tote Ecken freimachen. Im täglichen Umgang macht der Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo überhaupt wenig Probleme. Im großen Bedientest von auto motor und sport hat der große Bruder Insignia respektabel abgeschnitten, und da der Astra im Wesentlichen das gleiche Bedienprinzip aufweist, gibt es nicht viel zu meckern.

Die zahlreichen Tasten auf der Mittelkonsole des Opel Astra Sports Tourer mögen auf den ersten Blick zwar verwirrend wirken, aber nach kurzem Studium fühlt man sich heimisch und erkennt, dass Navigation und Soundsystem problemlos und treffsicher zu beherrschen sind.

Leichtgängige und exakte Schaltung im Opel Astra Sports Tourer

Geringe Bedienungskräfte und bequeme Sitze sorgen für müheloses und komfortables Fahren im Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo. Die leichtgängige und exakte Schaltung des Sechsganggetriebes trägt dazu bei, die Gangwechsel zu einem selbstverständlichen, keine Aufmerksamkeit erfordernden Vorgang zu machen.

Eine eher fragwürdige Option stellt das Fahrwerk mit adaptiven Stoßdämpfern dar, mit dem der Testwagen Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo ausgerüstet ist. Die Wahlmöglichkeit zwischen Sport und Tour befriedigt den Spieltrieb, aber letztendlich kommt man schnell dahinter, dass der Modus Tour die bekömmlichste Abstimmung bietet, weil der Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo damit so geschmeidig federt, wie sich das für ein ausgewachsenes Mittelklasse-Auto gehört. Sport verschlechtert das Ansprechvermögen der Federung spürbar. Auch die dann geringere Servo-Unterstützung und das - etwas - spontanere Ansprechen des Motors gehören zu Sport-Zutaten, auf die der Normalfahrer gut und gerne verzichten kann. Zumal der 140 PS starke Turbo-Vierzylinder bezüglich Durchzugskraft und Leistungsentfaltung einen befriedigenden Eindruck hinterlässt. Angemessen sparsam ist der Kombi von Opel obendrein.

Unauffälliges ESP

Die Fahrsicherheit verbessert Sport nicht, und auf diesem Gebiet hat der Opel Astra Sports Tourer 1.4 Turbo auch keinen Nachholbedarf. Seine Fahreigenschaften sind ausgesprochen gutmütig, wobei ihn in Extremsituationen ein unauffällig eingreifendes ESP unterstützt. Einen Ausschaltknopf gibt es bei Opel schon lange nicht mehr. Nur die Antriebsschlupfregelung kann deaktiviert werden, weil Winterreifen auf Schnee nur mit etwas Schlupf bestmögliche Traktion entwickeln.

Der Tourer prägt den Charakter des Astra-Kombi, Sports bleibt ein eher fragwürdiges Etikett, aber dafür muss er sich nicht schämen. Er erinnert an jenen Teil der Rüsselsheimer Tradition, als es einfach vernünftig war, einen Opel zu kaufen.

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Götz Leyrer

Autor:

auto motor und sport, Heft 20 / 2011

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