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VW Golf Cabrio 1.4 TSI im Test

Kompakt-Cabrio mit Stoffverdeck

VW Golf Cabrio 1.4 TSI, Frontansicht, Front Foto: Hans-Dieter Seufert 23 Bilder

Ob das VW Golf Cabrio 1.4 TSI mit seinen 160 PS wirklich mehr Emotionen zeigt als der geschlossene Star der Kompaktklasse, ohne bedeutend an Alltagstauglichkeit zu verlieren, zeigt der Test.

04.07.2011 Jens Dralle

Schon bald bei Ihrem VW-Händler: das neue VW Golf Cabrio "Kellerkommando" und "Wilhelm Tell Me". Denn das sind Namen von Bands, die der Volkswagen-Konzern heute fördert. Früher gab es ja auch solche Sondermodelle: Genesis-, Pink Floyd-, Rolling Stones- und Bon Jovi-Editionen.

Deren Mut zur Farbe bekennt das Volkswagen Golf Cabrio bereits ab dem Marktstart, denn gegen Aufpreis fällt nicht nur die 4,25 Meter lange Karosserie in den mit Sunset Red gefüllten Farbtopf, sondern auch das Garn für die Sitzwangen der optionalen Sportsitze.

VW Golf Cabrio auf dem Autosalon Genf 2011 1:06 Min.

Fast 30.000 Euro mit 160 PS und Doppelkupplungsgetriebe

Mit diesen Extras klopft das VW Golf Cabrio bereits lautstark an die 30.000-Euro-Tür, denn zum Test tritt die Version mit 160 PS starkem TSI-Motor und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an. Basispreis: 27.875 Euro. Alles wie gehabt also, der volksnahe VW Golf steht als Cabrio wieder nur in der beheizten Doppelgarage neben der Oberklasse-Limousine des Hausherrn? Unwahrscheinlich, denn das VW Golf Cabrio bleibt preislich deutlich hinter dem Audi A3 Cabrio und sehr deutlich hinter dem VW Eos zurück und kombiniert zudem deren größte Vorteile: ein kompakt zusammenlegbares Textilverdeck und völlige Bügelfreiheit.

Zwingen nun Elektrik und Hydraulik das von Webasto zugelieferte Dach in den dafür vorgesehenen Stauraum hinter den beiden Rücksitzen des VW Golf Cabrio, bleibt das Kofferraumvolumen von 250 Litern erhalten. Das Gepäckabteil lässt sich dank der Quaderform des Volkswagen Cabrio gut nutzen, sperriges Ladegut passt allerdings nur nach Anwendung der noch zu erfindenden Kunst des Koffer-Origami durch die enge Öffnung.

Alternative: einfädeln über die Durchreiche, die sich nach dem Umlegen der Rücksitzlehnen-Hälften ergibt. Doch wen interessieren das Geklappe und die Beladerei schon? Nun, Cabrio hin oder her, ein VW Golf will auch in dieser betont emotionalen Ausprägung mit hoher Praxistauglichkeit überzeugen. Daher ändert sich im Interieur durch das fehlende Blechdach nichts, von der reduzierten Innenraumbreite im Fond des VW Golf Cabrio einmal abgesehen.

Erwachsene finden in der zweiten Reihe ausreichend Platz

Wer eine Mitfahrt in der zweiten Reihe angeboten bekommt, darf gerne annehmen, denn das Platzangebot im VW Golf Cabrio reicht aus. Und wer über die bequemen Alcantara-Sportsitze in der ersten Reihe meckert, beschwert sich vermutlich auch über den Gewinn des Lotto-Jackpots.

Alles Weitere lässt sich schnell abhaken: Übersichtlichkeit? Offen natürlich prima, geschlossen ebenfalls in Ordnung. Instrumente? Hervorragend ablesbar. Bedienbarkeit? Ähnlich stringent wie bei einem Wählscheiben-Telefon, Modell W48 von der Deutschen Bundespost. Einzig die Metalllasche im VW Golf Cabrio zum Öffnen des Dachs wirkt ungewohnt – und die Abwesenheit der Taste für die Verstellung der adaptiven Dämpfer.

Macht nichts, denn trotz 17 Zoll großen Optionsrädern zeigt das 1.510 Kilogramm schwere VW Golf Cabrio eindrucksvoll, wie schnuppe ihm Bodenwellen eigentlich sind. Erst wenn sich der Asphalt von seiner renovierungsbedürftigsten Seite zeigt, machen sich die Reifen mit dem flachen 45er-Querschnitt durch leichtes Poltern bemerkbar. Geräusche aus der Karosserie oder gar Verwindungen? Nicht im Volkswagen Golf Cabrio.

VW Golf Cabrio 1.4 TSI gemütlicher als geschlossener Golf

Mag sich hier der erhebliche Gewichtsnachteil von rund 200 Kilogramm gegenüber dem Viertürer noch positiv auswirken, so wirkt er auf die Fahrdynamik doch deutlich sedierend. Im Vergleich zur VW Golf-Limousine lenkt das schwere VW Golf Cabrio zwar etwas gemütlicher ein, für die direkte Konkurrenz vom Schlage eines BMW 120i reicht es aber immer noch. Wer es richtig krachen lässt, erntet beim Volkswagen Wankbewegungen und eine ausgeprägte Seitenneigung.

Allerdings: Ein VW Golf lässt sich auch ohne festes Dach nicht aus der niedersächsischen Ruhe bringen. Die Vokabel böser Lastwechsel wollten die Wolfsburger nicht einmal ihren sportlichen R-Modellen eintrichtern, und der GTI hat sie fast verlernt. Wieso sollte sie also beim VW Golf Cabrio auftauchen?

Von 160 PS erwartet man mehr

Eine weitere Folge des Versteifungs-Specks in der Bodengruppe: Er untergräbt die Autorität des aufgeladenen Benzin-Direkteinspritzers. Eigentlich sollen stattliche 160 PS und ein maximales Drehmoment von 240 Nm für ordentlich Musik sorgen, doch gefühlt bleiben davon bestenfalls die 122 PS des nächstschwächeren Aggregats übrig. Das 1,4-Liter-Triebwerk des VW Golf Cabrio mit tonangebender Turbo- und Kompressoraufladung plagt sich merklich, um den Zweitürer in neun Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen. Um der Werksangabe gerecht zu werden, hätte das Messgerät bereits sechs Zehntel früher stoppen müssen.

Von den großen Anstrengungen des Vierzylinders im VW Golf Cabrio bekommen die Insassen zumindest akustisch nichts mit, doch hier fühlt sich der TSI viel deutlicher nach kleinem Hubraum an als im verlöteten VW Golf. Viel flotter dagegen: das Doppelkupplungsgetriebe des VW Golf Cabrio mit sieben Gängen. Wie besessen wechselt es zum optimalen Zeitpunkt blitzschnell in die nächste Fahrstufe und versucht so, dem Leistungsanspruch der Motorisierung gerecht zu werden. Zudem hilft das Getriebe mit seiner Übersetzung, den Testverbrauch des schweren VW Golf Cabrio mit 8,2 L/100 km auf ein akzeptables Niveau zu drücken.

Angenehme Dosis Fahrtwind im VW Golf Cabrio 1.4 TSI

Beim Fahren stört das eingeschränkte Temperament des VW Golf Cabrio weniger als an der Kasse, denn der Preissprung zur Einstiegsversion VW Golf Cabrio 1.2 TSI beträgt ohne DSG immerhin 2.450 Euro – ohne dass sich dadurch etwas am sonnigen Cabrio-Gefühl ändern würde. Das beginnt bereits mit der Windschutzscheibe, die zwar flacher steht als beim Schrägheck-Modell, aber dennoch nicht bündig mit der Stirn des Fahrers abschließt, wie es gerne mal in diesem Segment vorkommt. Der Fahrtwind strömt angenehm durch das Interieur des VW Golf Cabrio, ohne dabei den Insassen sofort in jedes Knopfloch und in die Nebenhöhlen zu kriechen, um dort gesundheitlichen Flurschaden anzurichten. Solange die Route ausschließlich Landstraßen beinhaltet, darf sogar das Windschott bleiben, wo es die Linie des VW Golf Cabrio besonders unterstreicht: zusammengefaltet im Kofferraum. Selbst auf der Autobahn reicht es zunächst, per Knopfdruck am Zentralschalter die vier Seitenfenster aus der Versenkung zu holen.

Und falls das Navi nicht rechtzeitig eine Umleitung um die nächste Schlechtwetterfront findet, knöpft sich das VW Golf Cabrio sehr zügig in neun Sekunden zu. Dabei muss der Fahrer lediglich einen Finger krumm machen und darf zudem noch mit bis zu 30 km/h unterwegs sein. Ist der Deckel drauf, prasselt zwar der Regen hörbar, der Wind muss sein Lied aber woanders singen. Sicher, es rauscht ein wenig im VW Golf Cabrio, doch die Musik macht noch immer das serienmäßige Radio. Vielleicht spielt es den Soundtrack einer neuen Generation – von "Kellerkommando" und "Wilhelm Tell Me".

Alles bleibt anders im VW Golf Cabrio

Obwohl die Wilhelm Karmann GmbH 2010 Insolvenz anmelden musste, läuft das neue VW Golf Cabrio wie seine Vorgänger am selben Standort in Osnabrück vom Band. VW übernahm für rund 39 Millionen Euro Presswerk, Lackiererei und Montage. Zwischen 1979 und 1993 wurden vom Golf I Cabrio 388.522, bis 2002 weitere 212.063 Exemplare vom Golf III/IV gefertigt – beide mit charakteristischem Überrollbügel. Der erste Prototyp von 1976 verzichtete noch darauf, scheiterte jedoch an internen Sicherheitsvorgaben.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Platzangebot auch im Fond
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • verwindungssteife Karosserie
  • übersichtliche Instrumente
  • variabler Kofferraum
  • kleine Kofferraumöffnung
Fahrkomfort
  • komfortable Fahrwerksabstimmung
  • niedrige Innengeräusche
  • bequeme Optionssitze
  • problemlose Bedienung
  • geöffnet kaum Zugluft
  • 17-Zoll-Bereifung mit eingeschränktem Abrollkomfort
Antrieb
  • kultivierter Motorlauf
  • angenehme Leistungsentfaltung
  • sehr gute Getriebeabstimmung
  • enttäuschende Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres Fahrverhalten
  • präzise Lenkung
  • stabiler Geradeauslauf
  • träges Handling
Sicherheit
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • feinfühlig regelndes ESP
  • standfeste, wirksame Bremsen
  • aufwändiger Überrollschutz
  • wenig Assistenzsysteme
Umwelt
  • niedriger Verbrauch
  • lange Ölwechselintervalle
Kosten
  • angemessener Preis
  • nur zwei Jahre Garantie

Fazit

Als Cabrio hat sich der VW Golf ordentlich Speck auf die Hüften gefuttert, was sich in unerschütterlicher Solidität äußert. Hohe Alltagstauglichkeit und Frischluft gibt´s oberdrauf.

Technische Daten
VW Golf Cabrio 1.4 TSI
Grundpreis29.450 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4246 x 1782 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA250 L
Hubraum / Motor1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung118 kW / 160 PS (240 Nm)
Höchstgeschwindigkeit216 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h8,4 s
Verbrauch6,3 L/100 km
Testverbrauch8,2 L/100 km
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