Schon der alte VW Golf GTI war ein Agilitätskünstler - wenn auch ein straffer. VW hat es mit viel Elektronikpower geschafft, den neuen noch besser, schneller und komfortabler zu machen. Wie schlägt sich also der VW Golf GTI im Test?
Man muss es sich einfach mal bildlich vorstellen: 1973 sitzen die VW -Versuchsingenieure Hablitzel, Horntrich, Konrad, Löwenberg und Schwittlinsky bei Schnittchen und Bier in einer Wolfsburger Privatwohnung und erfinden den VW Golf GTI. Das Auto, das ab 1976 eine Nation für 13.850 Mark zu Motorsportlern macht, tradierte Standesgrenzen pulverisiert und Porsche-Eigner zum Tuner treibt. Worte wie Legende oder Ikone fallen heute allzu schnell, doch der VW Golf GTI ist eine - geboren in der guten Stube. Auch wenn er später einige dunkle Jahre unentschlossen nur von seinem Ruf zehrt, anstatt ihn wirklich einzulösen. 2004 holt VW den GTI endlich wieder aus der Versenkung der Ausstattungslinien heraus, mit rotem Kühlerband, 200 PS und exzellenter Abstimmung bis unter den Dachhimmel motiviert zur stimmigen Fortführung des Epos.

VW Golf GTI im Test bleibt nicht ohne Kritik
Für Nummer fünf folgen fünf Sterne und zahllose Vergleichstestsiege. Es gibt schnellere und auch komfortablere Kompaktsportler, aber keinen, der zum fairen Preis alles so massenverträglich vereint wie der VW Golf GTI. Ganz kritiklos kommt er freilich nicht davon. Die orthopädisch Sensiblen schmerzt sein rüdes Zwiegespräch mit Bodenwellen, die ökologisch Korrekten erwarten vom Direkteinspritzer noch weniger Test-Verbrauch, und die harten Sportler überzeugt bei der Zeitenhatz das bisweilen hilflose Kurvenausgangsscharren nicht. Und damit sind wir mittendrin in der sechsten Generation niedersächsischer Volksbelustigung.
Test-Anspruch: Der neue VW Golf GTI soll alles besser können
Die soll das nämlich alles besser können. Auch wenn sie von vorne so grimmig dreinschaut, als hätte man ihr den Plakettengrill geklaut. Dieser Orden VWscher Designverwirrungen fehlt tatsächlich. Dafür streben am Heck des VW Golf GTI jetzt zwei verchromte Endrohre an einem Unterboden-Diffusor vorbei. Alles überdacht von einer breiten Spoilerschippe am Dach. Damit die Freaks am Wörthersee ungemobbt vorwärts einparken können. Das schmutzigresonierende Geräusch, das ihm bei hohen Drehzahlen entfleucht, klingt wie morgendliches Gurgeln nach einem Junggesellenabschied.
Es ist der gekonnt abgestimmte Lockruf des Fahrspaßes, den der wildeste VW Golf bietet. Schon bei 1.700 Touren steht der Rote im vollen Drehmomentsaft von 280 Nm und schiebt im Test sich und seine Passagiere mit dem lässigen Selbstbewusstsein breiter Elastizität über den Asphalt. Es ist sein voller Ernst, wenn der VW Golf GTI beim Bummeln schon bei knapp über 60 km/h den sechsten Gang empfiehlt. Der EA888 verrichtet seinen Dienst mit der ruhigen Professionalität eines Großserien-Vierzylinders und dem Dampf und Herz eines bis 6.900/min drehenden Turboaggregates. Nur einen Wimpernschlag dauert die Druckaufbau-Verzögerung, dann stürmt der VW Golf GTI davon, als wäre die Abwrackprämie hinter ihm her.
VW Golf GTI im Test: In 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h
Zum alten Eisen gehört in diesem Fall jedoch nur der drei Kilogramm schwerere Zweiliter- Vorgängermotor. Der EA888 basiert dagegen auf dem 1,8-Liter-TSI-Passat-Motor mit neu angeordnetem, widerstandsärmerem Nebentrieb. Mit oder trotz 210 PS unterbricht der neue VW Golf GTI gleich zwei Mal die Siebener-Marke: In 6,9 Sekunden flitzt jetzt schon der Sechsgang-Handschalter von null auf 100 km/h, und mit 6,8 Liter Test-Verbrauch pro 100 Kilometer liegt er auch beim Minimalverbrauch 0,4 Liter niedriger als sein gleich schwerer Vorgänger. Ihn unter neun Liter Verbrauch zu pilotieren, erfordert keinerlei Selbstkasteiung.
Noch mehr als seine Vorgänger beherrscht der neue VW Golf GTI also den Spagat zwischen Sport und Vernunft. Dazu passt, dass er an der Ampel mit von der Hatz noch knisterndem Auspuff unschuldig leise summt wie ein frisch ertappter Lausbub. So brav er sich bedächtig geführt fährt - wer ihn reizt, dem wirbelt er tiefergelegt (vorne 22, hinten 15 Millimeter) mit grandioser Agilität um die Ohren.
Wie ein Schuss Tabasco feuert ein kurzer Lastwechsel-Hüftschwung (hinten härterer Stabilisator) den Kurveneinstieg an. Stur krallen sich die 225er Michelin-Reifen an der Innenseite fest. Untersteuern erfordert Mutwillen. Um dann kurvenausgangs mit elektronischer Traktionshilfe herauszufeuern. Sensible Test-Piloten spüren hier leichten Antriebseinfluss. Die Präzision der wohl besten elektromechanischen Lenkung beeinträchtigt das kaum. Der Kopf sagt "nur ein Golf", das Popometer "aber was für einer". VW Golf GTI-Kenner kneifen dann auf gebeutelten Straßen schon mal ebenjenes Hinterteil zusammen.
Das freut den Tester: Bequeme Recaro-Sportsitze im VW Golf GTI
Doch außer erhöhten Abrollgeräuschen und dem harten Ich-bin-eben-doch-ein-Sportler-Klackern auf Querfugen entwickelt der Neue inzwischen Altersmilde im Komfort. Mit Lagern und Aufhängungen, die auf ein geringeres Losbrechmoment optimiert wurden, sowie den sehr empfehlenswerten adaptiven Dämpfern wird der VWGolf GTI nach 33 Jahren sogar zum Reisemobil. Zu soft für harte Kerle? Kein Problem, ein Druck auf Sport - schon hoppelt er fast wieder wie früher. Eine Hoffnung bleibt: Dass sich die Zuffenhausener Konzernspitze mal in die genialen Schottenkarosessel setzen möge und fühlt, wie bequem Sportsitze sein können.
Großes Test-Bedauern: Der Golfball-Schaltknauf fehlt im VW Golf GTI
Was leider wieder fehlt, ist der kultige Golfball-Knauf auf der knackig-exakten Sechsgangschaltung, die nur im exzellenten Gestänge eines Honda Civic Type R ihren Meister findet. Dafür gibt es ein unten abgeflachtes Lenkrad, Edelstahl-Pedalerie und einen 280-km/h-Tacho im VW Golf GTI. Perfekt verarbeitet, wenig aufregend, aber auch auf keinen Fall überwürzt. Mehr Biss wäre im Test nur bei der Verzögerung wünschenswert. 39 Meter aus 100 km/h mit kalten Bremsen sind okay, aber nicht vorbildlich in diesem Segment. Eine Bürde, die sich der VW Golf GTI selbst auferlegt hat: Je konsequenter VW die Stärken bewahrt und die Schwächen ausmerzt, desto höher wird auch der Anspruch an das Alpha-Tier der Kompaktklasse.
Mit Klimaautomatik, CD-Radio, Parkpilot und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen ist der VW Golf GTI für 26.650 Euro (Zweitürer) das Angebot für alle, die auch in wirtschaftlich-ökologisch schwierigen Zeiten Autofahren lieben. Ja GTI, beim Preis-Spaß-Vernunft-Verhältnis bist du der Maßstab. In Wolfsburg darf gefeiert werden - bei Schnittchen und Bier?
| Basisdaten | |
|---|---|
| Marke | VW |
| Modell | Golf GTI |
| Baujahr | 05/2009 |
| Grundpreis | 27.415 Euro |
| Motorbauart | Reihenmotor |
| Zylinderzahl | 4 |
| Hubraum | 1984 cm³ |
| Leistung | 210 PS (155 kW) bei 5300 U/min |
| max. Drehmoment | 280 Nm bei 1700 U/min |
| Schadstoffeinstufung | Euro 5 |
| CO2-Ausstoß | 173 g/km |
| Schaltung | vollsynchronisiert |
| Gänge | 6 |
| Testwagenbereifung | |
| Marke | Michelin Pilot Exalto |
| Reifen (vorn) | 225/40 R 18 Y |
| Rädergröße (vorn) | 7 1/2 J x 18 |
| Reifen (hinten) | 225/40 R 18 Y |
| Rädergröße (hinten) | 7 1/2 J x 18 |
| Positiv | Negativ | |
|---|---|---|
| Karosserie |
|
|
| Fahrkomfort |
|
|
| Antrieb |
|
|
| Fahreigenschaften |
|
|
| Sicherheit |
|
|
| Umwelt |
|
|
| Kosten |
|
|
Hut ab, Spoiler drauf: Der neue GTI bewahrt die Stärken und merzt die Schwächen des Vorgängers aus. Er ist der perfekte Allrounder: agil, leidenschaftlich, schnell, vernünftig, angemessen komfortabel und sparsam.
Jeder Mann, der vernünftig schalten kann, fährt mit einem 125i Coupe 6Gang Kreise um den GTI 6, da hilft auch kein Turbo.
Wer dem GTI 6 ein exellentes Handling beschneinigt hat wohl ein paar zu viele VW-Anzeigen in der Zeitung geschaltet. Er fährt sich für die Leistung gut, jedoch untersteuert er sehr schnell. Vom Fahrverhalten bei Nässe wollen wir erst gar nicht anfangen zu reden.
Was hat denn der alte Artikel hier schon wieder auf der Startseite zu suchen!
Der war genau vor einem Jahr schonmal groß auf der Startseite. Im Februar auch und jetzt schon wieder?
Sind die Redakteure alle krank, das man immer so alte Berichte wieder auftauen muss?
Langsam erhärtet sich der verdacht das hier das Marketing von VW und die AMS Redaktion sehe eng zusammenarbeiten
@Vorredner:
interessant, dass sie so ziemlich den einzigen Wert (0-140) gepickt haben, in dem der GTI besser ist. Von 0 auf 100 nimmt der 125i dem GTI 0,5s ab! Und die Elastizität eines Turbos mit einem Benziner zu vergleichen ist auch extrem sinnvoll. Wenn ich auf der Landstraße überhole, bleibe ich doch nicht im 6. Gang (den der BMW übrigens auch ab 60km/h vorschlägt;))...
Ich habe auch zwischen beiden Autos überlegt, mich dann aber für den deutlich exclusiveren und edleren BMW entschieden. Es sind übrigens 5000€ im Grundpreis, zu Ausstattungsunterschieden kann ich keine Angabe machen.
@Peter Weier. Dann nenn mir doch bitte mal ein Auto in der Preis- und Leistungsklasse das besser geht.
Ein 125i Coupe mit fetten 3 Liter Sechszylinder jedenfalls nicht. Und der kostet schon fast 6000 € mehr.
Elastizität 80-120 (VI Gang) BMW 125i 12,1s Golf GTI 9,1 s.
0-140 BMW 125i 13,0 s. Golf GTI 12,5 s.
Fast 22 Sekunden von 100 auf 200 km/h!!!!
Und dann steht da in der Bewertung:"sehr elastischer Turbomotor, sehr gute Fahrleistungen".
Der GTI war schon immer eine Lachnummer, lächerlicher sind nur doch die leider nicht wenigen Fahrer, welche im öffentlichen Strassenverkehr glauben, die Lizenz zum permanenten Saurauslassen zu haben. Und das diesem Motörchen. Ich lach mich schlapp!
Bugatti im Portrait
Besuch bei der TraditionsmarkeTorpedo Run 2010
Die Auto-Jet-Set-Party geht weiterAC Roadster aus den USA
AC Cobra Nachbau - Comeback der Legende25 Jahre BMW M5
Vier M-Maschinen für echte MännerBild des Tages
Die besten Fotos im JuliFerrari 512 BB und BBi
Licht und Schatten - hier sind Experten gefragtGeländewagen Neuheiten 2011
Das sind die neuen SUV-Stars für 2011Land Rover Discovery TDV6 Supertest
Was hat der neue Discovery wirklich drauf?BMW X3 2011
Der neue BMW X3 debütiert in Paris




















































