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Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+ (2017) im Fahrbericht

Was kann Oberklasse mit Sportwagen-Motor?

Mercedes-AMG E 63 S 4matic+, Fahrbericht Foto: Mercedes-AMG 23 Bilder

Ab März 2017 geht der Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+ mit 612 PS an den Start. Ob die stärkste E-Klasse nur geradeaus schnell unterwegs ist oder auch querdynamisch etwas drauf hat, verrät ein erster Rennstreckenbesuch in Portimão.

30.11.2016 Christian Gebhardt 1 Kommentar Powered by

„Wenn du früher eines in der alten DTM bei AMG als Rennfahrer nicht kritisieren durftest, war es, dass du zu wenig Motorleistung hast. Motorleistung hatten und haben wir bei AMG immer genug. Da sind wir Benchmark“, erzählt Bernd Schneider, fünfmaliger DTM-Champion und heutiger AMG-Markenbotschafter. Was bei AMG aktuell „genug Motorleistung“ bedeutet? 612 PS. Willkommen im Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+, der bis dato stärksten E-Klasse aller Zeiten.

Volllast, sechster Gang, Autódromo Internacional do Algarve – mit 258 km/h schnupft die neue Power-Limousine die 835 Meter lange Start-Ziel-Gerade der Rennstrecke in Portimão so schnell weg, als ob wir hier nur auf einer Hallenkartbahn wären. Statt bisher maximal 585 PS im Vorgängermodell reißen jetzt 612 PS den E 63 nach vorne. Ab sofort puncht er mit 850 Newtonmeter Drehmoment (zuvor maximal 800 Nm), die ab 2500/min anliegen. Herzstück der Kraftorgie ist nicht mehr der 5,5-Liter-V8-Biturbo sondern der aus GT und C 63 bekannte Vierliter-V8-Biturbo. Im E 63 trägt er erstmals zwei Twin-Scroll-Lader. Außerdem kommen neue Kolben, eine modifizierte Luftansaugung und Ladeluftkühlung sowie ein anderes Mapping zum Einsatz.

Mercedes-AMG E 63 S 4matic+, FahrberichtFoto: Mercedes-AMG
Beim Rennstreckenbesuch in Portimão macht der neue Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+ einge gute Figur.

9 Gänge und der AMG E 63 ist in 3,4 Sekunden auf 100

Wie seit Modellgenerationen findet auch die E-Klasse der Baureihe 213 sicher wieder ihren Weg in den innerstädtischen Taxibetrieb, doch von dem stärksten E wird die beige gekleidete Taxiwelt vermutlich nur träumen. Jetzt in diesem Moment, beim Anbremsen auf die erste Kurve der 4,684 Kilometer langen Rennstrecke, verheimlicht der E 63 auf erstaunliche Art und Weise seinen limousinenhaften Charakter. AMG will nicht mehr nur bei der Motorleistung die Benchmark sein. Auch beim neuen E 63 legt die Mannschaft aus Affalterbach viel Wert auf die Fahrdynamik.

ESP off, Race-Modus aktiviert – im sportlichsten aller Fahrprogramme (Individual, Comfort, Sport, Sport+, Race) rockt der E 63 nicht nur mit hämmerndem V8-Beat und bollernden Zwischengassalven beim Zurückschalten, sondern auch mit der sportlichsten Schaltstrategie des neuen Neunganggetriebes. Entweder wechselt die Automatik die Fahrstufen im Grenzbereich mit verkürzten Schaltzeiten selbsttätig oder manuell durch Zug der mitdrehenden Wippen am Lenkrad.

Die Automatik hat nun nicht nur zwei zusätzliche Gänge, sondern nutzt erstmals eine nasse Anfahrkupplung, die den bisherigen Drehmomentwandler ersetzt. Übrigens: Die bei AMG Race-Start genannte Launch-Control-Funktion muss jetzt nicht mehr durch kompliziertes Bestätigen über die Schaltwippen aktiviert werden, sondern es reicht die Bremse zu treten und dann Vollgas zu geben. Wer anschließend die Bremse loslässt, erlebt ein Traktionsspektakel. Die Werksangabe von 3,4 Sekunden von null auf 100 km/h erscheint heute auch ohne Messgerät glaubhaft.

Mercedes-AMG E 63 S 4matic+, FahrberichtFoto: Mercedes-AMG
Der V8 hat jetzt 612 PS.

Authentische Lenkung hilft auf der Rennstrecke

Neben der Schaltstrategie des Getriebes, der Gasannahme, der Allrad- und Dämpferabstimmung kann auch das Setup der elektromechanischen Lenkung beeinflusst werden. In den Modi Sport+ und Race ist ein sportlich, straffes Handmoment gefragt, während sie im Comfort-Modus, dank mehr Lenkkraftunterstützung, leichtgängiger arbeitet. Im Race-Modus überzeugt die Lenkung mit präziser Rückmeldung um die Mittellage und nicht zu großem Lenkwinkelbedarf. Insgesamt passt die Lenkung gut zum Charakter der Sportlimousine und wirkt nicht künstlich überspitzt.

AMG entwickelte für den E 63 ein komplett neues Sportfahrwerk. Neben der neu konstruierten Vorder- und Hinterachse verfügt der E 63 unter anderem über eigenständige Radträger sowie mehr Negativsturz. Dank speziellen Gummilagern und die neu abgestimmte Elastokinematik soll die Sturzsteifigkeit im Vergleich zum Vorgängermodell um 30 Prozent erhöht worden sein. Das Feder-Dämpfer-Setup der Luftfederung wurde speziell auf den E 63 abgestimmt. Drei unterschiedliche Federraten können per Knopfdruck der Dämpfertaste auf der Mittelkonsole oder per Wahl des Fahrprogrammes eingestellt werden.

Mercedes-AMG E 63 S 4matic+, FahrberichtFoto: Mercedes-AMG
Christian Gebhardt über den AMG-Mercedes: "Egal ob Allrad- oder Hinterradantrieb, trotz Limousinengewicht ist im Grenzbereich Fahrspaß angesagt."

Hohes Gewicht, wenig Wanken

„Der Wagen bewegt sich unglaublich wenig“, sagt Bernd Schneider, und muss dabei gar nicht markenbotschaftertypisch übertreiben. Egal ob beim Anbremsen, beim Einlenken oder unter Last – der E 63 nickt und rollt für seine Fahrzeugklasse erstaunlich wenig im Grenzbereich. Durch gezieltes Verhärten der Federrate an der Vorder- und Hinterachse arbeitet der E 63 im Grenzbereich Wank- und Nickbewegungen automatisch entgegen. Die serienmäßigen, dynamischen Motorlager minimieren die Fahrzeugbewegung im Grenzbereich zusätzlich.

Kurz vergisst man dabei, dass man in einer 1880 Kilo schweren Limousine hockt. Ganz außer Kraft setzen kann man die Physik jedoch dann auch im muskulösen E natürlich nicht. Wer den Bremspunkt sehr spät setzt, dem macht der E 63 durch gutmütig einsetzendes Schieben über die Vorderachse klar, dass er kein Rennwagen ist. Die Power-Limo kommt auch gut um enge Ecken, sofern man nicht zu aggressiv einlenkt. Denn dann gewinnen auch hier die rund 1,9 Tonnen Fahrzeuggewicht die Oberhand.

Der neue Mercedes AMG E 63 hat jetzt variablen Allradantrieb

Kurve drei, eine enge Bergaufhaarnadel: Hier stellt der E 63 seine prägnanteste Neuerung vor: Der Neue hat auch einen neu entwickelten Allradantrieb mit voll variabler Momentenverteilung auf die Vorder- und Hinterachse. Einlenken, am Scheitelpunkt früh, aber progressiv Last anlegen – zunächst spürt das Popometer wie das System die Kraft leicht nach hinten verteilt, um agil durch die Kurve zu zirkeln. Anschließend verteilt der Allrad das Antriebsmoment beim Bergaufbeschleunigen für maximale Traktion nach vorne. Gen Kurvenende drückt das Heck unter Last wieder leicht nach außen. Ab sofort sind beim Herausbeschleunigen lässige Allraddrifts möglich. Dabei kann das Heck sehr präzise über den Lasteinsatz zum Heckschwenk bewegt werden. Auf einen grobmotorischen Tritt auf das Gaspedal kontert das Heck mit spontanem Ausscheren. Wer seinen Gasfuß progressiv bewegen kann, dosiert den Schwimmwinkel des Hecks millimetergenau. Ähnlich wie bei den Modellen von C 63 und GT trägt der 571 PS starke E 63 4Matic+ ein mechanisches Sperrdifferenzial und das S-Modell ein elektronisch geregeltes Hinterachssperrdifferenzial.

Fazit

Und so bewegt man sich plötzlich mehr im Allraddrift über die von nordschleifenähnlichen Kuppen und Wechselkurven geprägte Traumrennstrecke als nach den letzten Zehntelsekunden zu suchen. Ja gibt’s den E 63 denn auch als richtiges Driftmobil mit Hinterradantrieb? Offiziell wird der Drehmomentheld nur mit Allradantrieb angeboten, doch dass die Ingenieure mit Herzblut entwickelt haben, zeigt eine spaßige Unterfunktion namens „Drift-Mode“. „Dieses Spielfeature macht den E 63 zum Hecktriebler. Die Allradkupplung bleibt dann offen und die 850 Newtonmeter gewinnen dann relativ schnell gegen die Hinterachse“, sagt Oliver Wiech, Leiter Entwicklung Gesamtfahrzeug Mercedes-AMG. Oh ja, letzteres können wir nur bestätigen. Egal ob Allrad- oder Hinterradantrieb, trotz Limousinengewicht ist im Grenzbereich Fahrspaß angesagt. Was der Fahrspaß kosten wird, verrät Mercedes-AMG derzeit allerdings noch nicht.

Technische Daten
Mercedes AMG E 63 S 4Matic
Hubraum / Motor3982 cm³ / 8-Zylinder
Leistung450 kW / 612 PS (850 Nm)
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h3,4 s
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    Mercedes-AMG E 63 S 4Matic ist und bleibt ein Dickschiff.

    cossi 1. Dezember 2016, 16:12 Uhr
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