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"Auto der Woche"

VW Golf IV R32, der Anti-Vernunft-Golf

VW Golf 4 R32 Foto: VW 30 Bilder

Kurz vor dem Wechsel zur 5. Generation langte VW beim Golf IV noch einmal richtig in die Vollen und spendierte dem Bestseller eine neue Top-Version: den R32. Porträt des 241 PS starken Wolfsburgers.

11.02.2014 Thomas Gerhardt

Der VW Golf ist der unangefochtene Star im Angebot der Wolfsburger. Seit dem Produktionsstart im Jahr 1974 liefen bis heute schon mehr als 30 Mio. Exemplare vom Band. Viele schätzen seine Allround-Fähigkeiten, das Preis-Leistungs-Verhältnis, das gefällige Design. Ein gutes Auto, das trotz seiner großen Beliebtheit auf jegliche Starallüren verzichtet und stets auf Understatement setzt - sogar wenn er als sportlich ausgelegter GTI anrollt. Das Erfolgsrezept: er kann es eigentlich jedem recht machen. Dass der VW-Bestseller gerade deshalb aber vielen auch einfach zu langweilig ist, verwundert nicht: "Emotionen wecken" gehört eben nicht zu seinen Kernkompetenzen.

Ausreißer gönnt sich VW aber trotzdem: 1988 kommt der Rallye-Golf mit 160 PS, 1995 der VR6 Syncro mit 190 PS auf Basis der 3. Generation. Und 2002, kurz vor der Einführung von Generation Nummer 5 treiben die Wolfsburger auch dem Golf IV jegliche Vernunft aus dem Blech. Als Konkurrent zu den etablierten Top-Modellen von Audi (S), BMW (M) und Mercedes (AMG) bringt VW mit dem Golf R32 ein besonders attraktives und leistungsstarkes Modell auf den Markt.

VW Golf R32 kann es mit Porsche Boxster S aufnehmen

Der Name ist Programm. Das mit einer Zielflagge geschmückte "R" steht für "Racing". Die Ziffer 32 verrät den Hubraum des Motors. Im Luxusliner Phaeton noch das Basisaggregat, treibt der 3,2-Liter-Sechszylinder den kompakten Golf zu wahren Höchstleistungen an. Dank Vierventil-Technik und voll variabler Nockenwellensteuerung auf dem aktuellen Stand der Technik, leistet er 241 PS und entwickelt sein maximales Drehmoment von 320 Nm bereits ab 2.800 Umdrehungen. Serienmäßig flanschte VW das Aggregat an eine Sechsgangschaltung, das 6-Gang-DSG kam erst ab 2003 auf die Optionsliste. Der Allradantrieb 4Motion, der die Motorkraft mit einer Haldex-Kupplung steuert, war in jedem Fall mit an Bord.

Fahrleistungen gefällig? Im Test von auto motor und sport (Heft 19/2002) sprintet der bis dato stärkste Golf aller Zeiten in 6,8 Sekunden auf Tempo 100 (Schaltgetriebe) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 251 km/h. Sein Kraftpotential kommt auch in den großen Gängen zur Geltung: Im verhältnismäßig kurz übersetzten 6.Gang lässt sich der R32 keine 10 Sekunden Zeit um von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen. Damit "kann er es locker mit einem Porsche Boxster S aufnehmen", attestierte Testredakteur Werner Schruf, der in seinem Artikel gleich noch eine weitere Schokoladenseite ausmachte: "Die Bremsen mit dem riesigen Scheiben aus dem Passat W8 vorne. Sie verzögern gewaltig und spurtreu, sind gut dosierbar und standfest."

Zurückhaltende Optik, üppige Ausstattung

Ein leichtfüßiger Athlet ist der Golf R32 trotz allem Leistungs- und Traktionsvermögen aber nicht. V6 und Allradantrieb treiben das Leergewicht des Kompakten immerhin auf knapp 1,5 Tonnen, die sich im Verhältnis von 61,8 zu 38,2 % auf Vorder- und Hinterachse verteilen. Leichtes Untersteuern ließ sich der R32 trotz Allradantrieb nicht abgewöhnen, wenngleich er sich dennoch hastig durch Kurven jagen lässt und mit agilem Handling überzeugt.

Auffallend sportlich zeigt sich der VW Golf R32 beim Thema Motorsound. Tritt der Fahrer aufs Gas, gibt der Sechszylinder aus seinen beiden Endrohren ein wahres Akustikfeuerwerk zum Besten. Die Tonleiter reicht von tiefen Brabbeln bei niedriger Drehzahl bis zum kernigen Posaunenchor in höheren Bereichen – Gänsehaut garantiert. Optisch bleibt der R32 dagegen ganz Golf und übt sich eher in Zurückhaltung. Vergrößerte Luftöffnungen im Bug, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, ein kleiner Dachkantenspoiler sowie die um zwei Zentimeter tiefergelegte und mit ein paar R32-Emblemen verzierte Karosserie kennzeichnen das Top-Modell.

Im Innenraum verwöhnt der Golf R32 mit seiner sportlich-noblen Ausstattung. Fahrer und Beifahrer nehmen auf König-Sportsitzen mit ausgeprägten Seitenwangen Platz. Instrumente mit Zierringen, ein Tacho bis 300 km/h und gebürstetes Aluminium stehen für den Unterschied zu den zivilen Golf-Modellen.  Tempomat, Klimaautomatik, Sitzheizung, Xenon, ESP und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung waren im Grundpreis enthalten.

VW Golf R32 mit deftigem Basispreis

Apropos Preis: mit mindestens 31.950 Euro war der sportlichste aller Gölfe  natürlich alles andere als ein günstiger Spaß. Obwohl, heute gibt es für etwa den gleichen Betrag den leistungsärmeren Golf GTI (230 PS) mit Performance Paket und 7-Gang-DSG. Der aktuelle R32-Nachfolger mit Golf R (300 PS) seht schon mit knapp 40.000 Euro in der Preisliste.

Und wie sieht es auf dem Gebrauchtwagenmarkt aus? Da VW den R32 nur ab Mitte 2002 bis Ende 2003 vom Band rollen ließ und in Europa lediglich knapp 7.000 Exemplare verkauft wurden, fällt das Angebot entsprechend knapp aus. Gut erhaltene, unverbastelte und scheckheftgepflegte R32 kratzen auf den gängigen Portalen gerne an der 20.000 Euro-Marke. Soll der R weniger als 50.000 km gelaufen sein, wird diese sogar gesprengt.

Auch nach dem Kauf warten deftige Kosten. Beim Verbrauch ist mit mindestens 12 bis 13 Litern zu rechnen. Im Durchschnitt. Für Versicherungen und Inspektionen (alle 2 Jahre oder 30.000 km) sollte fast schon mit vierstelligen Beträgen gerechnet werden. Auch mit teurem Ersatz von Verschleißteilen wie zum Beispiel den Bremsen muss kalkuliert werden. Richtig teuer wird es, wenn sich die Steuerkette des V6 mit klackenden Geräuschen meldet und ausgetauscht werden muss.

Günstig zu fahren ist der VW Golf R32 demnach auch heute nicht. Und ob er eine gute Wertanlage darstellt, wird erst die Zukunft zeigen. Eines ist aber sicher: er ist ein Golf, der auch Emotionen wecken kann.

Viele Bilder und weitere Infos zum VW Golf R32 und seinen Nachfolgern gibt es in unserer Fotoshow.

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