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Fulda-Challenge 2013, Tag 2

Geisterschlitten auf dem Thakini River

Fulda Challenge 2013, Tag 2 Foto: Markus Stier 17 Bilder

Warum zu lange angeleinte Hunde zuweilen komisch werden können und RTL-Moderator Wolfram Kons besser den Verkehrsfunk gehört hätte.

12.01.2013

Das Bellen und Heulen der Hunde schallt Kilometer weit durch die Landschaft. Dick bepudert stehen die Douglastannen Spalier, die Straße windet sich durch einen  Märchenwald. Die Wintersonne kratzt erst am Horizont und wirft als fahle Scheibe ein blaues Licht auf das dominierende Weiß.
 
Die Hunde sind aufgeregt, die‚Vorfreude ist kaum zu bremsen. Heute ist Renntag.  Klein mit Kugelbauch und langem Bart sieht Frank Turner auf den ersten Blick wie ein lebendiger Gartenzwerg aus. Doch der kurz gewachsene Schlittenführer ist alles andere als eine Witzfigur. Mit zehn Tagen, 16 Stunden und 20 Minuten hält er seit 1995 den Rekord für das Yukon Quest, eines der legendärsten Hundeschlittenrennen der Welt.

Wer schnell sein will, muss schnell anschieben

Turner hat die Teams am Vorabend fit gemacht für den dritten Wettkampf: ein Rennen mit sechs Hunden über sechs Kilometer auf dem zugefrorenen Takhini River. Turner sieht mit einem Blick, dass seine Schüler eher Maschinen als Menschen sind und mahnt: "Beim Hundeschlittenrennen gewinnt nicht der Stärkste, sondern der Cleverste." Es gilt mit den Kräften der Hunde hauszuhalten. "Wenn du willst, dass die Hunde schneller laufen, musst du schneller anschieben", sagt der legendäre Schlittenführer.
 
Für die anwesenden Journalisten hat er auch noch eine Weisheit des Tages parat: "Wenn Ihr zu viel Kaffee trinkt und pinkeln müsst, hier gibt es genügend Büsche." Dazu ist zu sagen, dass seine Muktuk-Ranch durchaus über entsprechende sanitäre Einrichtungen verfügt. Nach einer kurzen Denkpause gibt Turner zu: "Vermutlich hätte ich es heute schwer, in der Stadt zu leben."

Team Frankreich als Geisterfahrer

Auf dem zugefrorenen Takhini River hinterm Haus ist ein sechs Kilometer langer Kurs abgesteckt, den die sieben Teams im Dreiminutenabstand absolvieren müssen. Weil die Hunde im zweiten Teil langsam müde werden und der Musher genannte Schlittenführer mehr Anschubarbeit leisten muss, starten meist die Frauen, während die Männer solange im Schlitten Platz nehmen und bei bis zu 20 km/h frieren. Der Wetterbericht schien gnädig, aber in der Realität des klaren Morgens kommt die Luft doch deutlich scharfkantiger daher als am Vortag. Minus 35 Grad hat ein Kollege gemessen, um die gefühlte Temperatur mit dem Fahrtwind zu messen, hat der Teamarzt am Vortag eine beeindruckend lange Berechnungsformel präsentiert mit dem Hinweis: "Die kapiere ich selbst nicht."
 
Warm wird das Team Österreich, zumindest mit den Hunden. Wie schon beim Autoslalom am Vortag holt das Duo Leiter und Reingruber einen souveränen Sieg. Das Team RTL ist auf dem ersten Kilometer ebenfalls gut unterwegs und hätte Wolfram Kons Radio auf seinem Schlitten gehabt, wäre das Countrymusik-Programm für eine wichtige Verkehrsdurchsage unterbrochen worden: "Achtung, auf dem Takhini River kommt Ihnen ein Falschfahrer entgegen. Fahren Sie äußerst rechts und überholen Sie nicht."
 
Khris Taig aus dem Team Frankreich kennt persönlich den legendären Kanada-Reisenden Nicolas Vanier, der mit dem Film "Der letzte Trapper" und mit dem Bildband "Schneekind" berühmt wurde. Allerdings geht bei der Wende irgendwas schief, jedenfalls kommen die Franzosen auf der falschen Spur zurück. Die Warnung kommt zu spät, hinter einer Kurve kollidieren die Geister-Musher mit dem RTL-Schlitten. Es dauert fünf Minuten, bis das Hundeknäuel entwirrt ist, und beide Teams wieder unterwegs sind. Die Franzosen werden vom Sportschnellgericht unter der Leitung von Hans Stuck ans Ende der Ergebnisliste gesetzt. den Hunden ist zum Glück nichts passiert.

Ein Flugzeug zum Ziehen

Das kann das Playboy-Team nicht behaupten. Es ist das typische Männer-Problem. Kaum haben sie ein hübsches Mädchen im Schlitten, hängen sie die Macho-Seite raus. Jedenfalls kommt es zum blutigen Gebeiße nach dem Motto: Wer ist hier der Boss. "Ich", sagt sich Ruderrakete Felix Otto und wirft sich mutig auf die Hunde, um dem Zoff ein Ende zu bereiten. Zur Seite springt ihm kurz darauf Schlitten Deutschland eins. Man bekommt die Hunde unter Kontrolle, verliert aber reichlich Zeit. Playmate Franzy Balfanz ist geschockt, Ruderrakete Felix Otto geschockt: "Ich dachte, das macht Spaß." Frank Turner ist froh, dass alle heil geblieben sind und sagt lakonisch: "So hat jedes Rennen seine Geschichte."
 
Das Ende der Geschichte ist, dass RTL eine fünfminütige Zeitgutschrift erhält und Team Frankreich von Rennleiter Hans-Joachim Stuck auf den letzten Rang verbannt wird.  Team Playboy hatte Pech, das Rennen der Deutschen ist nach der Hilfsaktion versaut, sie bekommen abends am Lagerfeuer zwar eine offizielle Belobigung für ihren Sportsgeist, aber keine Zeitgutschrift, macht Rang sieben.
 
Aber Kraftpaket Christian Schmid setzt das Missgeschick beeindruckend in positive Energie um. Am Nachmittag steht Flugzeugziehen auf dem zugefrorenen Fish-Lake an und mit Sat1-Stimmungskanone Matthias Killing tanzt er für die heftig am Seil reißende RTL-Truppe den Gangnam Style.
 
Dann folgen Trockenübungen zur Zugtechnik, die das deutsche Duo beim Einholen der 1.000 Kilo schweren Cessna auf Kufen eindrucksvoll in die Praxis umsetzt. Klare Bestzeit, aber in der Gesamtwertung führt weiter Team Österreich.
 
Dann gehört der See wieder den Eisanglern, und der Takhini River wieder den Hunden und Frank Turner. Der muss noch eine Anekdote loswerden. Er liebt ja Deutschland, deutsches Essen und deutsche Musik. Einst bereiste er den Schwarzwald, bewunderte die Kuckucksuhren und freute sich auf einen zünftigen Musikabend mit einer Live-Band. Und was musste sich der Weitgereiste als Erstes anhören: "Die spielten Country Road." Tja John Denver, so tief kann man sinken. "Das sagst du was", sagt Turner. Für die Fulda-Truppe wäre für den nächsten Tag eher Ray Charles angesagt. Wenn die Chevys in der Früh gesattelt und über 500 Kilometer von Whitehorse nach Dawson City geritten werden, heißt das Motto: Hit the Road, Jack. 

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