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VW Multivan 2.0 TDI, Peugeot Traveller HDi 150 L2

Familienhelden im Vergleichstest

VW Multivan 2.0 TDI, Peugeot Traveller HDi 150 L2, Frontansicht Foto: Achim Hartmann 35 Bilder

Nun müsse sich der VW Multivan aber warm anziehen, hieß es, als der Peugeot Traveller auftrat. Wir wollten das genauer unter die Lupe nehmen und haben die beiden Busse einem Vergleichstest unterzogen.

20.03.2017 Sebastian Renz 22 Kommentare

Rückblickend macht das Leben ja mitunter den Eindruck, es sei eine zusammenhängende Geschichte. Dabei kommt es auf so viele Zufälle an. Dass es die Erde gibt, informierten Wissenschaftler jüngst, sei ein enormer Zufall. So einer, als tobe ein Hurrikan über einen Schrottplatz und wirbele die Teile so durcheinander, dass am Ende eine Boeing 747 dasteht. Oder im Kleinen bei uns allen: bei der einen nur einen falschen Witz gemacht, bei der anderen zufällig den Mut gehabt, auf einen – Sie wissen schon, zwinkerzwinker – Kaffee mit hochgekommen. Etwas vereinfacht: Deswegen stehst du nun neben Gepäckbergen zwischen einer munteren Kinderschar vor einem Kofferraum – einem immer vollen.

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Vergleichstest VW Multivan 2.0 TDI, Peugeot Traveller HDi 150 L2
auto motor und sport 04/2017
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Nur so hast du gelernt, dass ein Familienauto nicht zu groß sein kann. Für alle, die das nicht nur befolgen wollen, sondern finanziell auch können, gibt es seit sieben Jahrzehnten den VW-Bus. Seit 1985 und Generation T3 ist der Multivan dabei. Seither heißt es – wie beim Porsche 911 –, wann immer ein günstiger Konkurrent kommt, nun werde es aber eng für den Multivan. Mal sehen, wie es wird, mit Peugeot Traveller und VW Multivan. Beide mit 150 PS und Gepäcklagern im Kubikmeterbereich.

Seit 14 Jahren die selbe Plattform

Der Traveller basiert auf der Universalplattform des PSA-Konzerns – wie Peugeot 308, 3008, 5008 oder Citroën C4 Picasso. Sie heißt EMP2 für Effiziente Modulare Plattform. Ziemlich das Gegenteil der Multivan-Basis: Die entwickelten die VW-Techniker exklusiv für den Bus – nicht modular und nur dann annähernd effizient, wenn sie über Jahre genutzt wird. 14 sind es schon, denn in seinem Fundament entspricht der 2015 präsentierte T6 dem T5 von 2003.

VW Multivan 2.0 TDI, Peugeot Traveller HDi 150 L2, SeitenansichtFoto: Achim Hartmann
Der Peugeot Traveller ist der Längere, beim Raumangebot sind beide jedoch nahezu identsich.

Was dem VW einen Vorteil bei der Raumeffizienz einbringt. Anders als der ganz neue Traveller muss der Multivan wegen der alten Basis nicht die härteren Vorschriften zum Fußgängerschutz einhalten. Rund zehn Zentimeter Baulänge braucht der Peugeot allein für die sicherere Front auf, daher kann er sich trotz üppigerer Außenlänge und viel längerem Radstand keinen Vorteil beim Raumangebot verschaffen. Er bietet mehr Platz für die Passagiere, der VW mehr fürs Gepäck. Vor allem lässt sich der viele Raum im T6 variabler nutzen.

Der Test-Multivan kommt in der mittleren Ausstattung Trendline noch immer geizig ausgerüstet und nur mit der Dreierbank im Fond. Die zwei bequemen Einzelsitze für Reihe zwei kosten 1.125 Euro extra, lassen sich drehen, verschieben, klappen und wie die Rückbank herausnehmen. Also theoretisch. Praktisch eher nicht, und wenn VW betont, der Ausbau sei seit der Modellpflege erleichtert, ist das so zu verstehen, wie wenn Baumärkte Zement mit "Jetzt im handlichen 50-Kilo-Sack" anpreisen. Jedenfalls lässt sich die Dreiercouch auf Schienen verschieben und an jeder Stelle arretieren. Zudem kann sie für kuschelige Stunden zu so was wie einem Bett geklappt werden.

Hohe Aufpreise für Extras

Dagegen pflegt der Traveller in der Basisversion Active einen weniger romantischen Einrichtungsstil. Serienmäßig möbliert eine Dreierbank den weiträumigen Fond, eine zweite Bank kostet 1.300 Euro. Wer Einzelsitze möchte, bekommt die erst beim 8.550 Euro teureren Allure, und dann nur für weitere 2.850 Euro. Auch beim Peugeot kostet die nicht so nötige linke Schiebetür extra (550 Euro).

VW Multivan 2.0 TDI, KofferraumFoto: Achim Hartmann
In der Ausstattungsvariante "Trendline" lässt sich die Rückbank zum Bett umfunktionieren. Einzelsitze in der zweiten Reihe kosten 1.125 Euro extra.

Beim Traveller rollt die Rückbank ebenfalls auf Schienen, sogar asymmetrisch geteilt und leichtgängiger. Doch sie lässt sich nur an zwei Stellen arretieren und wieder aufklappen. Sehr praktisch für das kleine Gepäck zwischendurch ist die separat öffnende Heckscheibe, die Schiebetüren öffnen sensorgesteuert, wenn man unter den Schwellern herumfüßelt. An das große Variabilitätstalent des Multivan reicht der Traveller zwar nicht heran, er überbietet ihn aber optional mit Massagesitzen, Head-up-Display und einer umfangreicheren Assistenzabteilung. Die ist beim VW dürftiger besetzt, und wie der Traveller sollte er besser bremsen.

Traveller mit Lieferwagen-Charakter

Vorwärts geht es beim VW Multivan mit dem Zweiliter-Turbodiesel, im Testwagen verbandelt mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Es sortiert seine Gänge eilig, treffsicher und fugenlos, treibt den schon leer 2,2 Tonnen schweren Multivan in Kooperation mit dem 150 PS starken Diesel vehem ..., na ja, ordentlich voran. Kultivierter und leiser zudem, als das dem ebenfalls zwei Liter großen Turbodiesel im Traveller gelingt. Man mag über seine rustikalere Material- und Verarbeitungsgüte hinwegsehen, doch das viel höhere Geräuschniveau lässt sich nicht überhören.

Das liegt auch an den Manieren des Selbstzünders. Der hangelt sich bis 1.500 Touren durch eine Laderlethargie, zieht den Traveller danach umso druckvoller voran – zu druckvoll mitunter für die Traktionsreserven. Um 3.000/min wechselt sein Ton dann ins Lieferwagige. Zeit also für einen Gangwechsel, wobei das eine durchaus schmeichelhafte Bezeichnung für einen Vorgang ist, bei dem es gilt, die nächste Übersetzung über den knubbeligen Schalthebel hineinzuhakeln. Das ändert nichts an den erheblich fixeren Fahrleistungen und dem deutlich niedrigeren Verbrauch des 299 Kilo leichteren Peugeot Traveller.

Peugeot Traveller HDi 150 L2, CockpitFoto: Achim Hartmann
Das Interieur im Traveller ist eher rustikal. Bei hohen Drehzahlen wird es laut im Innenraum und der Peugeot mutiert akustisch zum Lieferwagen.

Keine Handling-Talente

So, nun müssen wir wohl noch was zum Thema Handling sagen. Aber, oh schauen Sie doch mal, da drüben ... Nicht drauf reingefallen? Na gut. Also: Beide biegen sicher um Kurven, werden früh vom ESP eingebremst. Der VW stützt sich davor schwer auf dem kurvenäußeren Vorderrad ab, lässt aber in der direkteren Lenkung etwas spüren, das man mit der Idee von Rückmeldung in Verbindung bringen könnte. Beim Peugeot fehlt es daran schon den kleineren Modellen der EMP2-Basis. Beim Traveller geht schüchterne Präzision einher mit überaus diskreter Rückmeldung.

Auch beim Fahrwerks-Set-up zeigt sich, dass es große Kompromisse fordert, eine Kompakt-Plattform für einen Groß-Van zu nutzen. Weil die Verbundlenker-Hinterachse auf 1,4 Tonnen Last ausgelegt ist, geht es dahin mit dem Komfort. Über kurze Wellen rumpelt der Peugeot harsch, gibt lange herb weiter. Immerhin lässt er das Nachschwingen sein, das Passagieren im VW eine gewisse Seetüchtigkeit abverlangt. Insgesamt aber federt der Multivan viel sorgsamer.

Teurer als der Peugeot ist der VW aber auch. 4.600 Euro kostet der Peugeot Traveller ausstattungsbereinigt weniger. Das relativiert sich etwas, weil so ein VW Multivan gebraucht stattliche Preise erreicht. So gewinnt er keineswegs zufällig – oder um Mark Twain zu zitieren: "Um einen guten Zufall herbeizuführen, bedarf es großer Vorbereitung." Wird also noch dauern, bis einer den Multivan zu Fall bringt.

Fazit

1. VW Multivan 2.0 TDI
390 Punkte

Ja, er ist teuer, auch deutlich teurer als der Peugeot. Aber mit seiner Variabilität und dem hohen, eben nicht lieferwagigen Komfort liegt der enorm wertstabile Multivan vorn.

2. Peugeot Traveller HDi 150 L2
380 Punkte

Ja, er ist günstiger, schneller und verbraucht weniger. Aber die Variabilität ist limitierter, in der Stadt fährt sich der Traveller sperriger. Und vor allem bietet er deutlich weniger Komfort.

Technische Daten
Peugeot Traveller BlueHDi 150 L2VW Multivan 2.0 TDI
Grundpreis38.850 €42.721 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4956 x 1920 x 1948 mm4892 x 1904 x 1970 mm
KofferraumvolumenVDA1624 bis 2381 L657 bis 4300 L
Hubraum / Motor1997 cm³ / 4-Zylinder1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung110 kW / 150 PS (370 Nm)110 kW / 150 PS (340 Nm)
Höchstgeschwindigkeit170 km/h181 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h11,00 s13,00 s
Verbrauch5,30 L/100 km6,10 L/100 km
Testverbrauch7,60 L/100 km8,50 L/100 km
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    Neuester Kommentar

    Liebes AMS-Team,

    da mussten Sie schon alle Register ziehen, um den VW-Bus mit 10 Punkten Vorsprung gewinnen zu lassen. Wie man dem Multivan eine bessere Variabilität bescheinigen kann ist für mich völlig unverständlich. Im Peugeot gibt es verschiebbare (wenn auch grober als im VW) geteilt umklappbare und einzeln entnehmbare Sitze und Bänke je nach Transportbedarf. Die Bänke sind auch tragbar, während der Ausbau der Multivan Sitzbank eher theoretischer Natur ist und schon in der Regel am Gewicht scheitert. Schlafen kann man im Multivan nur noch mit Zusatzbrett und Matratze. Dieses bekommen Sie z. B. bei Vanessa auch für den Peugeot. Ein separat zu öffnende Heckscheibe bekomme ich beim T6 gar nicht. Somit habe ich im Peugeot neben einem Sitzplatz mehr deutlich mehr Variationsmöglichkeiten für Familie, Transport und Freizeit.
    Den viel gepriesenen Komfortunterschied des T6 kann ich im Alltag kaum spüren. Erkauft wird dieser bei VW mit Fahrwerksteilen mit in der Regel kurzer Lebensdauer. Ein 3 Tonnen Fahrzeug, dass lange hält und bei Beladung stabil bleibt, kann nicht federn wie ein PKW.
    Die Listenpreise des Peugeot sind zwar günstiger als bei VW aber immer noch relativ hoch. Dafür gibt es bei Peugeot die besseren Rabatte, so dass der tatsächliche Preisvorteil deutlich größer ist. Wenn man als Privatmann einen Jahreswagen kauft, trennen beide Fahrzeuge preislich Welten. Ich fahre schon meinen zweiten PSA-Bus. Den ersten habe ich nach 12 Jahren und 250.000 km verkauft und hatte bis dahin nur normale Wartungsreparaturen. Insofern betrachte ich nicht nur den Neuwagen, sondern die gesamte Lebensdauer eines Autos.

    duke187 27. März 2017, 22:19 Uhr
    Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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