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BMW Z4 sDrive 35i im Test: Cabrio mit Klappdach und Biturbo-Power

Freunde körpernah gespannten Stoffes müssen jetzt ganz stark sein: BMW hat dem Z4 eine zweiteilige Aluminiumschale verordnet. Damit wird der knorrige Roadster zum Cabrio-Coupé, als BMW Z4 sDrive 35i mit satter Biturbo-Power.

BMW Z4 sDrive 35i im Test 4

Irgendwann muss es der BMW -Truppe gelangt haben. Da bauen sie einen Stoffdach-Roadster, stilecht mit langer Haube, intimer Kanzel, rauchigem Reihensechszylinder und einer strengen Federung, die den Fahrer an den Asphalt bindet - und wohin rennen die meisten Kunden? Zum Mercedes SLK. Dem Softie. Mit Klappdach und Nackenföhn. Für einen Roadster so glaubwürdig wie George Clooney auf einer Hochzeitsmesse.

Verbesserte Rundumsicht im BMW Z4

Also mussten die Zeltdach-Puristen irgendwann nachgeben und den Aluschalen-Zweiteiler abnicken - zumal unten ja noch Luft für den kleinen BMW Z2 als stoffbewehrten MX-5-Angreifer bleiben muss. Eine Klasse darüber ersetzt der verschalte BMW Z4 ab sofort nicht nur Roadster und Coupé - jenen schrägen Hund mit der überzeugten Fangemeinde -, sondern verbessert sich auch bei der Rundumsicht im Vergleich zum Stoffdach-Vorgänger laut BMW um 14 Prozent: Folge der größeren Heckscheibe und der jeweils zwei versenkbaren Seitenscheiben. Von der höheren Resistenz gegenüber klingenblitzenden Vandalen mal ganz abgesehen.

BMW Z4 hat ein bisschen Charme verloren

Mag der BMW Z4 auch etwas von seinem herben Charme verloren haben, die BMW-Mannen haben ihren Humor behalten. Ablesbar am Musikmix auf der bordeigenen Festplatte, die den passenden Soundtrack zum Testwagen liefert. Los geht es mit "Should I stay or should I go" von The Clash. Noch während die E-Gitarren aus den 14 Lautsprechern des Top-Soundsystems giften und zwei Subwoofer mit den Bässen pumpen, entscheiden wir uns für go, drücken den Startknopf und lassen den Dreiliter-Motor von der Kupplung.

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BMW Z4 mit 306 PS und zwei Turboladern

Aluminium-Block, zwei relativ kleine, parallel arbeitende Turbolader plus Direkteinspritzung, so der Steckbrief. Maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern zwischen 1.300 und 5.000/min, so die Referenz. Der 306 PS starke Reihensechszylinder nutzt die Zwangsbeatmung nicht als Drehmomentflash, sondern als solide Unterfütterung, auf der ungestörte Drehfreude sprießen kann. Voluminöser Anschub aus dem Drehzahlkeller sowie schaltfaules Gleiten, bitte sehr, ambitioniertes Pressing bis zum Begrenzer bei 7.000/min - bitte gleich. "Born to run" kommentiert der Musikspeicher: Ob guttural summend, hell singend oder herrisch brüllend - der BMW 35i hat es einfach drauf, gewinnt Ingenieurssympathien wie Frauenherzen.

Z4: Durchschnittlich 12,7 Liter Verbrauch

Sensible Kritiker bemängeln allerdings eine minimale Zögerlichkeit beim Leistungsaufbau. Es dauert stets einen Lidschlag, bis die beiden Lader so richtig in Fahrt kommen, die Brennräume mit bis zu 0,6 bar extra unter Druck setzen. Auch die per Fahrdynamik-Control abrufbaren schärferen Pedalkennlinien können nichts daran ändern, dass der Dreiliter-Sauger im Vorgänger subjektiv spontaner ans Gas sprang. Beim BMW Z4 sDrive 30i (258 PS, 42.900 Euro) steckt immer noch ein solcher unter der Haube. Früher von auto motor und sport gemessene 3.0si-Exemplare hätten dem schwereren sDrive 35i jedenfalls Paroli bieten können. Und das bei günstigeren Verbräuchen als die vom Biturbo realisierten. Mit Zurückhaltung sind acht L/100 km möglich, im Schnitt sind es dann aber 12,7 L/100 km.

Der Nackenföhn fehlt im BMW Z4 nicht

Womit wir uns der potenziellen Zielgruppe nähern. Nix mehr mit "Love hurts", der BMW Z4 soll es allen recht machen. Also auch Menschen, denen Offenfahren wegen frisurschädigenden Verhaltens, ungeklärter UV-Strahlungsfolgen und Geruchsbelästigungen suspekt ist, die das Cabrio-Image jedoch gern mitnehmen. Ihnen entgeht einiges: Innerhalb von 20 Sekunden (per Knopfdruck, nur im Stand) öffnet sich das Dach, wölben sich Frontscheibe und Motorhaube um die Wette, spannt sich über den Insassen der Open-Air-Kosmos. Bei montiertem Windschott und hochgefahrenen Seitenscheiben dehnt sich die Freiluft- Saison bis in Früh-Frühling und Spätherbst. Tiefe Sitzposition und bullernde Heizung entschädigen für den fehlenden Nackenföhn.

BMW Z4 im Design Pure White

Scheiben runter, Windschott in den Kofferraum - schon schnuppern BMW Z4-Passagiere Roadster-Luft, genießen oberklassige Anmutung statt harten Pragmatismus. Jedenfalls beim Testwagen mit dem Design Pure White genannten Paket für 2.050 Euro Aufpreis. Hier bestaunen die Augen hochglanzpoliertes Holz, während bequeme, weitenverstellbare Sportsitze mit hellem Nappaleder schmeicheln. Hochwertige Regler und Tasten hat der BMW Z4 genauso an Bord wie Xenonlicht, Klimaanlage und Sportlenkrad. Handschuhfach, aufklappbare Türtaschen sowie eine Querablage hinter den Sitzen kassieren den täglichen Kleinkram, nur beim Reisegepäck ist Askese angesagt.

Beträgt das - durch eine optionale Durchlade golf- und skitauglich erweiterbare - Kofferraumvolumen bei geschlossenem Dach noch ausreichende 310 Liter, schrumpft es bei offenem Dach auf 180 Liter. Überdies stört der briefschlitzartige Zugang. Zwar schwenken die Dachelemente auf Knopfdruck in eine halbhohe Ladehilfe-Stellung, doch diese 15 Sekunden dauernde Prozedur ist weder elegant noch praxisgerecht. Elegant, aber umstritten: die elektrisch betätigte Parkbremse, die den Mannbarkeitsritus gekonnt vorgetragener Handbremswenden beendet. Zukünftig muss es dann der Gasstoß-Donut richten.

Zäher Mobilfunkzugang langweilt

Doch zurück zu den Fakten: Richtig dick kommt es, wenn der Besteller in der Aufpreisliste wildert. Was selbst beim Topmodell BMW sDrive 35i für 47.450 Euro gar nicht so unwahrscheinlich ist. Klimaautomatik und Servotronic kosten ebenso extra wie das Top-Infotainment mit Festplatte und Internet-Zugang. Überzeugt die Bedienung mittels der aktuellen i-Drive-Generation noch durch klare Menüstruktur und schnelle Rechnerleistung, erweist sich die Internet-Nummer als unnützer Gimmick. Der zähe Mobilfunk-Zugang Edge langweilt UMTS-Verwöhnte.

Aber eigentlich ist der BMW Z4 auch zum Asphalt- und nicht zum Netzsurfen gedacht. Inzwischen sogar gern auf der Fernstraße. Der "Highway Blues" ist im BMW Z4 Geschichte, Autobahnreisen erfordern keine zusammengekniffenen Pobacken mehr. Nicht nur wegen des untadeligen Geradeauslaufs, denn das M-Sportfahrwerk (1.230 Euro) legt die Karosserie zwar um zehn Millimeter tiefer, bemüht sich mit elektronisch geregelten Dämpfern aber erfolgreich um stressfreies Fortkommen.

Ob lange Wellen oder Betonplatten-Stakkato - der BMW Z4 kassiert alltagsübliche Unebenheiten kompetent. Einzig die optionalen 19-Zoll-Räder mit ihren crêpesdünnen Bridgestone-Runflats kosten spürbar Abroll-Geschmeidigkeit. Ansonsten müssen schon miserable Oberflächen mit tiefen Wellen, Querfugen und liederliche Flickstellen kommen, um den BMW Z4 aus dem Konzept zu bringen. Dann untergraben trockene Stöße und deutliche Karosseriebewegungen sowohl Spurstabilität als auch Komforteindruck. Hinzu kommen metallisch harte Klopfgeräusche, vor allem aus Richtung Hinterachse.

BMW Z4 wiegt 1.575 Kilogramm

Zurück auf der Landstraße passt wieder alles. Die rein elektrisch betriebene Lenkung verzichtet auf blitzartiges Zucken aus der Mittellage, reagiert proportional und kalkulierbar. Und der 1.575 Kilogramm schwere BMW Z4 folgt angemessen zügig und neutral, verlangt wegen zarten Eingangsuntersteuerns aber in engen Kurven etwas mehr Platz als erwartet. Dafür bleibt er bis ins schärfste Sportprogramm mit reduzierter Elektronik-Fahrhilfe frei von Hinterlist. Weder Lastwechsel noch forsches Herausbeschleunigen sorgen für überraschende Heck-Reaktionen.

Das im Vergleich zum Vorgänger um satte 175 Kilogramm erhöhte Gewicht ist hier allerdings ebenso zu spüren wie im Fahrdynamik-Parcours, wo er - wie bei den Bremsprüfungen - ein hohes, jedoch kein Spitzenlevel erreicht. Insgesamt haben die Ingenieure den BMW Z4 gekonnt für den Alltag abgestimmt. Er begeistert mit geschliffenen Formen, ohne durch Nervosität zu stressen. Und während Bryan Adams seine Hymne vom "Summer of 69" anstimmt, kann der Z4 gelassen dem Sommer 2009 entgegensummen.

Umfrage Wie gefällt Ihnen der BMW Z4?
Jörn Thomas

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

15. Februar 2010
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 11/2009.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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