Mercedes-Benz 450 SL Hardy Mutschler
Mercedes-Benz 450 SL
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Mercedes-Benz 450 SL 25 Bilder

Einkaufsreport Mercedes SL und SLC Auf SL-Einkaufstour in Süddeutschland

Michael Andres, Inhaber der Firma Oldtimerpool.eu in der Brauereistadt Aying, importiert Mainstream-Klassiker aus den USA - also Porsche 911, Mercedes Pagode, VW Käfer Cabrio, Karmann-Ghia, Triumph TR.

Das ist wahrlich keine besonders neue Geschäftsidee. Er variiert sie aber geschickt, indem er auch günstige Massenware von drüben holt - also 107er- Roadster bis der Arzt kommt. Als wir kommen, bevölkern fünf seinen Hof, doch er hat wohl noch ein Lager außerhalb.

Bei Andres gibt es Gute und weniger Gute, sogar solche mit den Giant-Bumpers ab Modelljahr 1974, aber am liebsten rostfreie frühe California-Ware. Gut ausgestattet sind drüben fast alle bis auf das leidige MB-Tex-Manko. "Dafür haben sie immer Automatik, Kindersitze, Klimaanlage, getöntes Glas und ein Coupédach. Und es sind nur Achtzylinder", schwärmt Andres.

Er sieht ein bisschen aus wie Brian Ferry, trägt eine teure IWC-Uhr und wirkt sehr geschäftig. Man merkt ihm an, dass er früher als Bank-Manager gearbeitet hat. Ständig klingelt sein Mobiltelefon, heute erwartet er noch zwei Autos. Zwei seiner absoluten 107er-Lieblinge möchte er uns präsentieren: "Beides 450 SL in traumhaften Farbkombinationen, der eine signalrot mit Leder Tabak, der andere dunkeloliv Ton in Ton mit Leder Pinie. Beide rostfrei und mit guter Technik. Die lasse ich hier extra noch einmal durchsehen und die Verschleißteile erneuern. Beides sind frühe 73er Modelle mit Sealed-Beam-Doppelscheinwerfern, aber ohne die riesigen Stoßfänger ab August 1974, die hier in Deutschland nur in der Youngtimer-Szene toleriert werden."

Hier gibt's auch Fehlkäufe im Angebot

Vor der Halle steht noch ein magnetitblauer 450 SL von 1977, einer mit solch brachialen Kuhfängern für nur 6.000 Euro samt Coupédach - fahrbereit. "Eigentlich ein Fehlkauf", klagt Andres, "viel Unfallspachtel und derbe Spaltmaße, das ist was für versierte Heimwerker." Der Signalrote springt ohne Überbrücken sofort an. Wir lassen das Coupédach drauf, freuen uns an der rassigen Linie des Sport-SL und drehen ein paar behutsame Achtzylinder-Runden zwischen Aying und Aibling, bis die Tankleuchte aufblinkt. Das dürre Nardi-Lenkrad passt gar nicht zum satten Fahrgefühl des Roadsters, denn die endlos lange wuchtige Motorhaube suggeriert, man würde den Achtzylinder spazierenfahren, nicht die Passagiere. Beim Tanken tröpfelt die Wasserpumpe ein wenig, wir sollten bald zurückfahren. Erst in der Preisklasse über 20.000 Euro verflüchtigen sich beim offenen 107er allmählich die Kompromisse. Will heißen: kein USA-Auto, kein frühes rostanfälliges und vielfach geschweißtes Modell, kein Radlaufchrom, keine Fehlfarben, nicht über 150.000 Kilometer.

Auf dem Rückweg fahren wir noch einmal bei Hagenbusch vorbei. Der hat inzwischen den Classicweißen 81er Mercedes 280 SL Automatik aus seinem Showroom bugsiert. Ohne Coupédach, mit geöffnetem Verdeck und korrekt platzierter Roter Nummer, lädt der scheckheftgepflegte Ersthand-Wagen lasziv zur Probefahrt. Da zeigt sich wieder, wie schön Offenfahren eigentlich ist, wenn man wie beim 107er noch jede Menge Frischluft abbekommt. Aber es ist nur ein Sechszylinder, blaues MB-Tex statt Leder und dann noch den Heckspoiler vom 500er, meine Güte. "Und keinen G-Kat", sagt Hagenbusch mit einem Augenzwinkern zum Thema Kompromiss.

Doch man erkennt schnell am taschentuchgepflegtem Zustand, dass dieser nahezu perfekte 107er ein Auto ist, bei dem man nur zu warten braucht. Auf das H-Kennzeichen des nie im Winter gefahrenen Erstlack-Autos und auf den Preisschub, den wirklich sehr gute Exemplare im Lauf der nächsten Jahre erleben werden. Mir wäre der herrlich schlichte und weniger perfekte 450 SL von Claudio Schall lieber - weil er ein Achtzylinder ist. Aber dieser 280 SL für 21.700 Euro gilt viel eher als Investment. Denn er das verkörpert genau das, was die solvente Klientel erwartet.

Mercedes 350 SLC für 14.900 Euro

Etwas weiter weg von dem, was 107er- Fans wollen, ist der ikonengoldene 350 SLC von Heiko Henning. Der selbstständige Metallbauer und Automechaniker bedauert, sein Luxus-Coupé aus Zeitmangel abgeben zu müssen. Auskünfte und Terminabsprachen überlässt er einem befreundeten Autohaus. Die investigativen Fragen vermeintlicher Kenner mag er nicht. Der zierliche, introvertierte Mann schraubt gerade an einem VW Käfer Cabriolet, dennoch nimmt er sich Zeit, uns seinen 350 SLC für 14.900 Euro zu zeigen. "Ich kannte den Wagen und seinen Erstbesitzer seit Jahrzehnten, die knapp 62.000 Kilometer sind anhand des Kundendiensthefts belegbar. Es gibt eine kleine Roststelle unten am Heckscheibenrahmen“" sagt er. Seine Ausführungen sind knapp und präzise, ohne zu zögern überlässt er uns den Schlüssel zu einer Probefahrt.

"Es wird länger dauern, machen Sie sich keine Sorgen." Jetzt spricht er wieder mit mir, dieser frühe 73er SLC. Kleine Spiegel, ja ich weiß, mit dem kraftvollen Akzent seines sanften Achtzylinders empfängt er mich mit den feinen Pepita-Sitzbezügen, unterhält mich leise mit dem Becker-Monza-Nadelstreifen. Das Auto verkörpert noch die heile schöne Mercedes-Welt. Da können auch die BBS-Alus nicht dran rütteln, die unbedingt Stahlrädern mit Radkappen weichen müssen. Es ist wie ein Heimatfilm aus der Jugendzeit, als man den SLC so heiß begehrte. Ach ja, die Scheiben sind nicht grün getönt. Na und?

Der letzte Kandidat ist ein Mercedes 280 SLC

Unser letzter Kandidat wirkt von seiner intensiven Ausstrahlung ähnlich wie Hennings 350 SLC. Kein getöntes Glas, auch aus erster Hand und Jahrzehnte von einem älteren Herrn gefahren. Absolut original mit Fuchs-Barockfelgen und ohne rechten Außenspiegel. Das Radio ist ein einfaches Blaupunkt ohne Cassette, das eher in einen Ford Taunus passt als in einen 280 SLC . Es ist ein ungewöhnliches Auto im Sortiment von Yusuf Türüc, dem Inhaber des Aalener Autoexports, der in einem geräumigen Werkstatthof in der Stadtmitte residiert.

Der signalrote Wagen, innen Stoff Pergament, steht schon mit Roter Nummer zur Probefahrt bereit. Es folgt ein kurzer Kennenlern-Rundgang mit Nase reinstecken. Hund Nero beobachtet argwöhnisch mein Treiben. 9.500 Euro soll er kosten, 145.630 Kilometer zeigt das Zählwerk im großen Tacho. Der Empfang bei Türüc ist ausgesprochen freundlich. "Das Auto ist sehr gepflegt, aus erster Hand", erklärt ein Türüc-Mitarbeiter. "Aber er ruckelt beim Fahren, irgendwas stimmt nicht mit der Einspritzung oder der Benzinpumpe. Deshalb vorsichtig fahren und langsam die Fahrstufen der Automatik einlegen, sonst schießt er plötzlich davon", mahnt er lächelnd, als wir schon im Auto sitzen. Silbermetallic mit blauem Velours hat doch jeder, höre ich mich reden, als er zu ruckeln beginnt. Dieser hier hat alles, was ich brauche. Automatik, Schiebedach - wieder ruckelt es, aber das kann ja nicht viel sein.

Okay, der Unterboden ist schon einmal geschweißt. Doch das stört mich nicht, wenn der Preis stimmt. Alles in allem eine schöne Patina, ein ungewöhnlicher SLC. 9.500 Euro sind zu viel für ein Auto, das wahrscheinlich nur mir gefällt. Lass uns noch ein wenig handeln, bei 6.500 Euro wird es kritisch. Aber es ist kein Achtzylinder, wollte ich den nicht unbedingt?

Übersicht: Einkaufsreport Mercedes SL und SLC