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SUV

Alfa Romeo Tonale Veloce: Wie der neue Kompakt-SUV fährt

Alfa Romeo Tonale Veloce Unterwegs im neuen Italo-Kompakt-SUV

Eine neue Baureihe gab es bei Alfa zuletzt 2017 mit dem Stelvio. Der kompakte Tonale ergänzt nun das SUV-Angebot der Italiener: Was der auf dem Kasten hat, klären wir mit dem 160-PS-Topmodell Veloce.

Seit Alfa Romeo 2020 den Mittelmotor-Sportwagen 4C und den Golf-Konkurrenten Giulietta eingestellt hat, beschränkt sich das Angebot auf die beiden Mittelklassemodelle Giulia und Stelvio, wobei der SUV als aktuellstes Modell nun auch schon über fünf Jahre auf dem Buckel hat. Höchste Zeit also für eine neue Baureihe, die Alfa nun mit dem Kompakt-SUV Tonale liefert.

Der ist ein enger Verwandter des Jeep Compass, der als Basisaggregat auch den 130-PS-Benziner mit 1,5 Litern Hubraum und 48-Volt-Motor im Gehäuse des Siebengang-DKG verwendet. Den gleich starken 1,6-Liter-Turbodiesel des Konzerns wird es hingegen nur noch bei Alfa geben, da Jeep ihn kürzlich aus dem Programm genommen hat. Im Herbst folgt eine Plug-in-Version des Tonale, die sich mit 275 System-PS und einer 15,5-kWh-Batterie profilieren kann (Jeep: 245 PS, 11,4 kWh). Unsere erste Testfahrt findet mit dem 160 PS starken Benziner statt, der auf der Einstiegsmotorisierung basiert, ebenso auf den Miller-Zyklus setzt, jedoch mit einem VTG-Turbolader (variable Turbinengeometrie) ausgerüstet ist.

Lethargischer Antrieb

Damit soll der Tonale 210 km/h schaffen und in 8,8 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen, was für derart motorisierte 1,5-Tonner typische Werte sind. Trotz der Unterstützung des 15-kW-E-Motors fährt der Alfa aus dem Stand zwar nicht spritzig los, im Alltag aber ohne Auffälligkeiten. Doch egal, ob du sanft oder stark zwischenbeschleunigst: Der Antrieb spricht grundsätzlich extrem träge an. Am schlimmsten wird’s, wenn sich der Benziner beim Rollen in der Stadt abschaltet: Er springt per Gaspedalbefehl zwar geschmeidig wieder an, doch dann hebt der Vierzylinder erst leicht die Stimme, du zählst "einundzwanzig, zweiundzwanzig", und dann zieht er. Obendrein kommt es gelegentlich zu zwei kurzen Rucken, wenn das Getriebe bei geringer Last runterschaltet.

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Wie in einem Ferrari: Lenkrad mit Motorstartknopf, feststehende Schaltwippen. Komfortable Sitze, breite Lehnen.

Der Antrieb reduziert aber nicht nur den Fahrkomfort, er steht auch dem Spaß mächtig im Weg. Denn selbst wenn im Schubbetrieb gut 4.000 Touren anliegen, vergehen bei Vollgas gefühlt immer noch mindestens anderthalb Sekunden, bis es vorwärtsgeht. Anders beschrieben: Wenn du am Scheitel Gas gibst, kommt die Beschleunigung oft erst, wenn die Kurve schon fast vorbei ist. Zudem muss man vor den Biegungen auch noch eine verzögert einsetzende Motorbremse einkalkulieren: Beim Lupfen des Gaspedals beschleunigt der Wagen zwei, drei Zehntelsekunden auf gleichem Niveau weiter. Dieses Verhalten ist aber laut den Alfa-Ingenieuren beabsichtigt: falls der Fahrer sich doch überlegt, dass er weiterbeschleunigen möchte.

Saubere Bremsabstimmung

Die Dosierung der Brake-by-Wire-Bremse funktioniert hingegen gut, selbst für ruckfreies Anhalten braucht es keine Übung. Und vorn stecken beim Topmodell Veloce hinter den 20-Zoll-Felgen sogar Vierkolben-Festsättel von Brembo, mit denen der Alfa kräftig verzögert.

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Im Digitaltacho lässt sich mittig auch eine Navigationskarte einblenden.

Querdynamisch wirkt der Tonale mit geringer Seitenneigung und zügigen Reaktionen auf Lenkbefehle durchaus sportlich, auch wegen der direkten Lenkungsübersetzung. Dazu passt nur die übertriebene Leichtgängigkeit nicht, denn selbst im Sport-Modus bleibt die Servounterstützung viel zu hoch. Am Lenkrad kommt so überhaupt kein Gefühl für die anliegenden Seitenführungskräfte auf, lediglich Fahrbahnschäden werden mit nicht zu starken Stößen passend kommuniziert.

So gehen Schaltwippen!

Trotz der großen Räder federt der adaptiv gedämpfte Tonale noch durchaus komfortabel, wenn auch nicht sanft. Auf stark sanierungsbedürftigen Straßen kommt es aber auch mal zu leichten Poltergeräuschen. Wobei die Qualitätsanmutung grundsätzlich anständig ausfällt und es mit den aus anderen Alfa und Maserati bekannten Schaltwippen auch ein echtes Highlight gibt: riesige, an der Lenksäule montierte Aluminiumbauteile, die mit langem Hub und wohldefiniertem Klickgefühl so viel Spaß machen, dass du sogar innerorts öfter mal den manuellen Modus einlegst, obwohl die Automatik die Gänge sinnvoll wählt. Das geht auch deshalb besonders gut, weil die Schaltwippen sich beim Abbiegen eben nicht wegdrehen. Ebenso super: die ergonomischen Griffmulden hinter den Speichen des unten etwas abgeflachten Lederlenkrads.

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Eine bequeme Kombi: Induktivladestation plus kabellose Apple-CarPlay- oder Android-Auto-Verbindung.

Mit der Taste für die Sprachbedienung lässt sich die Alfa-Sprachsteuerung aufrufen, oder per langem Druck die Assistenz des gekoppelten Smartphones (Siri, Google Assistant). Ansonsten assistiert auch Amazons Alexa, die über einen kleinen Grafikbutton auf dem Touchscreen oder via "Hey Alexa" aktiviert wird. Das Infotainment arbeitet mit durchschnittlichem Tempo, unterstützt Apple CarPlay und Android Auto kabellos und zeigt per TomTom-Software eine gut verständliche Routenführung an. Bedient wird das System, abgesehen von der Lautstärke-Drehwalze und den Lenkrad-Multimediatasten, ausschließlich per Touch. Das gilt auch für die Lenkrad- und Sitzheizung sowie die Sitzbelüftung, während für die Zwei-Zonen-Klima unter dem Monitor eine Tastenzeile mit allen wichtigen Funktionen sitzt.

Bei 44.500 Euro geht es los

Im Fond wird über zentrale Luftausströmer an der Mittelkonsole klimatisiert, die auch zwei USB-Anschlüsse behaust (wie vorn: jeweils eine USB-A- und -C-Buchse). In der zweiten Reihe bleibt über dem Kopf nur ausreichend viel Platz, dafür sind Bein- und Fußfreiheit sehr ordentlich. In das hinterste Abteil gehen 500 Liter Gepäck; leider passt die Hutablage nicht unter den verstellbaren Ladeboden. Funktionalität demonstrieren die beidseitig bedienbare Durchladeluke, der 12-Volt-Anschluss im Kofferraum und die Außenkameras, die scharfe Bilder und eine 360-Grad-Ansicht auf den Bildschirm werfen. Dazu bietet der Tonale als weiteres Komfort- und Sicherheitsextra eine moderne Assistenz, die Spurhalter (mit Bedientaste am Blinkerhebel), aktive Spurführung, Verkehrszeichenerkennung und eine Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandsautomatik umfasst.

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Wie in den Scheinwerfern: U-Formen in den Rückleuchten. Auch das mittlere Band leuchtet.

Das erwartet man bei einem Preis von 44.500 Euro für den Veloce aber auch. 2.500 Euro weniger kostet der Tonale TI mit dem 160-PS-Motor, während das günstigste Modell (Super, 130 PS) bei 35.500 Euro startet. Eine Quadrifoglio-Sportversion als Konkurrent zum Mercedes-AMG GLA 45, dem Audi RS Q3 oder dem Cupra Formentor VZ5 plant Alfa derzeit übrigens nicht. Eine vollelektrische Version gibt die Plattform nicht her. Abzuwarten gilt es also, wie die Italiener dann noch den Plug-in-Antrieb abstimmen.

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Fazit

Die ausgeprägte Reaktionsschwäche des Mildhybridantriebs drückt neben dem Spaß auch den Komfort. Ansonsten ist der recht geräumige und modern ausgestattete Tonale sportlich, aber nicht unbequem abgestimmt.

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