7/2020, BAIC Senova X55 Bernd Conrad
7/2020, BAIC Senova X55
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BAIC Senova X55 (2020)

Ein Mitschwimmer, der nur chinesisch navigiert

Mit dem BAIC Senova X55 will ein kompakter SUV aus China mit kompletter Ausstattung zum günstigen Preis auch deutsche Kunden für sich gewinnen. Was bietet das noch weitgehend unbekannte Modell?

BAIC – nie gehört? Das ist nicht weiter schlimm, in Europa ist diese Automarke kaum bekannt. Erst im Jahr 1994 wurde der das Unternehmen als "Beijing Automotive Industry Holding" gegründet. Mittlerweile zu einem der größten Automobilhersteller Chinas gewachsen, ist BAIC u.a. auch lokaler Joint-Venture-Partner von Daimler und Mitsubishi.

Eigene Modelle laufen bei BAIC unter der Marke Senova. Und das auch bei uns. Schon seit einiger Zeit importieren deutsche Unternehmer die Autos nach Deutschland. Nach langen Verhandlungen mit dem chinesischen Staatskonzern werden die Fahrzeuge in ihrem Heimatland fit für die europäischen Zulassungsbestimmungen gemacht. In Deutschland angekommen, werden die Betriebsflüssigkeiten eingefüllt und eine Inspektion durchgeführt – dann geht es zu einem der immerhin 166 Händler.

Format von Tiguan und Co.

7/2020, BAIC Senova X55
Bernd Conrad
Der BAIC Senova X55 ist 4,48 Meter lang.

Die verkaufen seit Frühjahr 2020 die überarbeitete Version des BAIC Senova X55. Hinter dieser Modellbezeichnung steckt ein kompakter SUV, der mit einer Länge von 4,48 Metern im Format dem VW Tiguan entspricht. Das Exterieurdesign orientiert sich am asiatischen Massengeschmack und weiß damit durchaus auch in unseren Breitengraden zu gefallen. Ein großer Kühlergrill soll Eindruck schinden, in den schmalen Scheinwerfern arbeitet am Werk LED-Technologie.

Nach dem Öffnen der Türen wähnt man sich im Vorgänger der aktuellen Mercedes B-Klasse oder in der aktuellen C-Klasse – Modellen des BAIC-Partners Daimler eben. Das freistehende 9-Zoll-Display, die breite Dekorspange im Cockpit mit den runden Lüftungsdüsen und vor allem die Tasten der Klimabedienung wirken sehr vertraut. Unabhängig von den Designzitaten versprechen sie eine intuitive Bedienung.

Das Navi spricht Chinesisch

7/2020, BAIC Senova X55
Bernd Conrad
Nein, wir haben uns nicht im Bild gerirrt. Sie sehen den X55-Innenraum, keine B-Klasse.

Das gilt leider nicht für das im BAIC Senova X55 eingebaute Infotainmentsystem. Eigene Software für den Export wollen sie in China wohl noch nicht aufspielen. Das Navigationssystem spricht chinesisch und funktioniert auch außerhalb des Heimatlandes nicht. Ein Smartphone kann man über Baidu Car-Life verbinden – dem China-Pendant zu Android Auto und Apple Car-Play.

Immerhin funktioniert eine Bluetooth-Verbindung, auch FM-Radiosender können empfangen werden. Das Platzangebot ist vorne und im Fond ordentlich, die beim X55 mit Luxus-Paket mit Kunstleder bezogenen Sitze ausreichend gemütlich. Seitenhalt bieten die beiden Sessel für Fahrer und Beifahrer aber nicht. Was angesichts der Antriebsleistung aber auch kaum verwundert.

Schwimmt mit, lenkt diffus

Im chinesischen SUV arbeitet ein 1,5 Liter großer Turbo-Vierzylinder, der auf eine Mitsubishi-Konstruktion zurückgeht. Mit 136 PS und 210 Newtonmetern maximalen Drehmoment sind die Daten auf dem Papier ausreichend.

Auf der Straße scheint aber eine große Portion Leistung vom serienmäßigen CVT-Automatikgetriebe einkassiert zu werden. Hektisches Beschleunigen quittiert das stufenlose Getriebe mit der bekannten Eigenart, erst die Drehzahl und dann die Geschwindigkeit des Autos anzuheben.

Aiways U5, Exterieur
Fahrberichte

Das ist nicht weiter schlimm – denn ein Auto mit CVT kauft man sich nicht, um damit – im Rahmen der Straßenverkehrsordnung – zu flitzen. Bei entspannter Fahrt über Landstraßen und innerorts kann man mit dem BAIC Senova X55 gut mitschwimmen.

Treffendes Vokabular, wenn es ums Kurvenräubern geht. Das liegt dem Chinesen eher weniger. Die Lenkung ist um die Mittellage herum recht diffus, außerdem beginnt das Auto früh mit dem Übersteuern.

Basismodell unter 20.000 Euro

Wenn man sich dann mal ausgelenkt hat, bleibt Zeit, sich über die komplette Serienausstattung zu freuen. Der X55 mit dem erwähnten Luxus-Paket bringt neben den Sitzbezügen und der stufenlosen Automatik unter anderem auch ein Panoramaglasdach, größere 18-Zoll-Felgen, elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Einparkhilfe an Front und Heck sowie schlüssellosen Zugang und Motorstart mit.

Der Listenpreis des Importeurs liegt bei 23.336,47 Euro und damit einige tausend Euro unter vergleichbaren Modellen von Kia, Hyundai und Co. Das handgeschaltete Basismodell kostet 19.486,05 Euro – hier schrumpft der Preisvorteil gegenüber der asiatischen Konkurrenz aber auf kleinere Beträge.

Zwei Jahre Garantie werden auf den BAIC Senova X55 gewährt, auch hier hält er also Respektabstand zu den Zeiträumen von drei, fünf oder gar sieben Jahren der Wettbewerber. Ein drittes Jahr kann beim Kauf optional erworben werden. Die Wartungsintervalle liegen mit 20.000 Kilometern oder einem Jahr Abstand zwischen den Serviceterminen auf einem durchschnittlichen Niveau.

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Fazit

Einige hundert Autos des BAIC Senova X55 dürften sich jährlich in Deutschland verkaufen lassen. Kunden ohne Vorliebe für eine bestimmte Marke können – sofern sie eine komplette Ausstattung schätzen und auf das volle Infotainmentprogramm verzichten können – mit dem gemächlichen Chinesen ein Schnäppchen machen. Und dann am besten lange behalten, der Wertverlust ist schwer kalkulierbar.

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