Brabus 700 6x6 im Fahrbericht

Am Ende aller Tage ...

Brabus 700 6x6, Frontansicht Foto: Beate Jeske 34 Bilder

… zählt nur das Ankommen. Damit wäre im Grunde alles gesagt über diesen 700-PS-Koloss, der dir sprotzelnd und zischend zubrüllt: Es gibt nichts, was wir nicht schaffen!

Wenn er bei Winter-Sauwetter nachts sein krankes Kind ins weit entfernte Krankenhaus bringen müsste, wäre sein alter Neunelfer das Auto seiner Wahl, schrieb mal ein Kollege. Einwandfreie Einstellung für so ziemlich jede Ecke in Deutschland, klar. Doch was macht jemand, der keinen alten Elfer nutzen kann, wenn es ums Durch- und Ankommen geht? Mercedes, genau in dieser prekären Situation gefangen, verfiel auf sein seit Jahrzehnten bewährtes G-Modell, als beschlossen war, den ultimativen Alleskönner auf die Räder zu stellen: Der G wurde zum King-Cabin-Pickup mit vier Einzelsitzen und Ladefläche auf 5,80 Meter gestretcht und auf drei Portalachsen gesetzt für 46 Zentimeter Bodenfreiheit und 100 Zentimeter Wattiefe. Bewährte Technik, denn solche Ungetüme nutzt seit Längerem schon das australische Militär.

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Brabus 700 mit vier Tonnen Leergewicht

Bis an die Zähne bewaffnet mit fünf Differenzialsperren, Untersetzungsgetriebe, grobstolligen Geländereifen und bordeigener Druckluftversorgung zur Anpassung des Reifendrucks ans aktuelle Terrain, ist der G 63 AMG 6x6 bereit für so ziemlich alle Aufgaben, die man sich zwischen Bottrop (im Ruhrgebiet) und Bakal (im westlichen Schatten des südlichen Urals) denken kann. Weiß dieses Gerät nicht mehr weiter, helfen nur noch Kettenfahrzeuge, Schwimmautos oder Helikopter. Dem auf vier Tonnen gestiegenen Leergewicht begegnet der 5,4 Liter große AMG-Biturbo-V8 mit 544 PS sehr souverän. Er komplettiert das Schweizer Offiziersmesser auf Rädern, das man sich gern vors Haus stellt als Fluchtauto für den nächsten Weltuntergang oder den Familienausflug in den idyllischen Braunkohle-Tagebau.

Lange Vorgeschichte, zugegeben. Doch ein Selbsterklärer wie der Golf ist dieses Auto ja wirklich nicht. Aber nun kommt Brabus 700 6x6 ins Spiel: Der Tuner mit der Lizenz für Superlative bleibt sich treu und setzt noch mal eins drauf, als wäre dieses Monstrum zum Listenpreis von 451.010 Euro nicht schon bizarr genug. Die Implantation des bewährten V8-Biturbos B63S-700 aus dem Bottroper Motorenregal macht den Mercedes zum Brabus 700 6x6, der dank neuer Turbolader, dicker Downpipes und durchlässigerer Katalysatoren 700 PS in die Runde wirft. 960 Newtonmeter schüttelt er auch lässig aus dem Ärmel − elektronisch begrenzt. Doch der Antriebsstrang erträgt auf Dauer nicht mehr, weiß Brabus. Ach ja: B63S-700 erhöht den Basispreis um 17.731 Euro, nicht aber die Höchstgeschwindigkeit. Die bleibt auf 160 km/h begrenzt, und das ist auch gut so.

Ungläubig geweitete Augen

Nicht genug, dass die schieren Dimensionen des Dreiachsers umsichtiges Zielen erfordern: Schon weit unter 100 km/h zeigt sich, dass die 37-zölligen Grobstoller und die granitschweren Starrachsen die Sache mit dem Geradeauslauf nicht so ernst nehmen. Die 2,10 Meter breite Fuhre des Brabus 700 6x6 scheint selbst auf ebener Fahrbahn stets leicht zu schwimmen, und die mit sehr geringen Rückstellkräften irritierende Lenkung belässt es unbeteiligt bei bestenfalls ungefährem Feedback.

Hinzu kommen unvorhersehbare Reaktionen der anderen Verkehrsteilnehmer. Aus Angst oder purem Unglauben geweitete Augen blicken aus entgegenkommenden Autos, auch Fußgänger und Radfahrer bleiben einfach stehen. Grund hierfür ist nicht nur der martialische Bug mit 30 LED-Tagfahrlichtern, sondern vor allem das apokalyptische Gewitter aus der Brabus-Klappenauspuffanlage. Die lässt sich zwar elegant im Multifunktionslenkrad auf Leise schalten und ist das dann auch. Doch dieser Brabus 700 6x6, tja: Es appelliert an unsere ältesten Instinkte.

Brabus 700 6x6 mit gewaltigem Sound

Die Klappe bleibt also offen. Prasselndes V8-Grollen folgt nun jedem Gasgeben, laszives Stöhnen und Prusten dem Lupfen. Damit kann man sich hören lassen in Downtown-Detroit, Dubai oder Sankt Petersburg. Und der Sound des Brabus 700 6x6 ist nicht nur heiße Luft: Vollgas heißt nicht nur energisches Hochdrehen bis in die 6.000er-Region, sondern auch Null-Hundert in 7,4 Sekunden.

Was im Kompaktwagen schon richtig schnell wirkt, ist im Brabus 700 6x6 von ganz eigener Dramatik. Denn ist man erst mal über die elektrisch ausklappende Einstiegshilfe (wirklich praktisch, für eine Seite mit 10.591 Euro samt Auspuff aber nicht ganz billig) und das nochmals höher gelegene Trittbrett hinters Lenkrad geklettert, denkt der Kopf in bedächtigen Nutzfahrzeug-Kategorien. Die von Leder und Alcantara getriggerten Augen und Hände melden dagegen Luxusklasse. Das kann dich fertigmachen, denn Nutzfahrzeuge sind schließlich langsam und schmutzig, Luxus ist empfindlich und schnell.

Brabus hat in unseren 700 6x6 alles gepackt, was gut und teuer ist, der Testwagenpreis lässt daher schlucken: An 600.000 Euro fehlt nur noch ein neuer Dacia Sandero mit gut verhandeltem Händlerrabatt. Dieser Brabus 700 6x6 wird definitiv einem anderen gehören, wenn die Welt demnächst untergeht. Wir hätten ihn gern zum Freund, mag uns dieser Gedanke auch schaudern lassen.

Technische Daten
Brabus 700 6x6 AMG
Grundpreis 468.741 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5800 x 2100 mm
Hubraum / Motor 5461 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 515 kW / 700 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
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