Neuer SUV C5 Aircross im Fahrbericht

Citroëns Komfort-Flaggschiff im Praxis-Test

Citroen C5 Aircross Fahrbericht Marrakesch 2018 Citroen C5 Aircross Fahrbericht Marrakesch 2018 Citroen C5 Aircross Fahrbericht Marrakesch 2018 Citroen C5 Aircross Fahrbericht Marrakesch 2018 25 Bilder

Ständig betonen Hersteller, wie dynamisch ihre SUV nicht seien. Wie sportlich und wie aufregend. Citroën macht das mit dem neuen C5 Aircross ganz anders – und das ist gut so. Warum? Erfahren Sie hier.

Ein neues Flaggschiff. SUV der Comfort-Klasse – Citroën kündigt den C5 Aircross vollmundig an. Um herauszufinden, ob da nicht jemand den Mund zu voll genommen hat, geht es zur Probefahrt nach Marrakesch. Wüste, Gebirge, Schlamm, Staub und schlechte Straßen – das klingt nach einer waschechten Offroad-Prüfung, obwohl es den SUV gar nicht mit Allrad gibt. Er soll auch gar nicht in der Prärie wildern, sondern im Terrain von Ford Kuga und VW Tiguan. Was die Fahrdynamik betrifft, wird der Jäger hier allerdings zum Gejagten. Das Attribut, mit dem sich der C5 Aircross am besten beschreiben lässt, wäre „weich“. Handmoment der Lenkung und Einlenkverhalten? Weich. Durchzug des 180 PS Diesel? Weich. Bremswiderstand? Weich. Fahrwerk? Weich. Und natürlich: Sitze? Weich. Für Begriffe wie „präzise“ oder „knackig“ ist hier kein Platz und das ist auch völlig okay. Warum? Weil der C5 Aircross überhaupt nicht damit punkten möchte. Konsequent folgt Citroën dem Grundgedanken eines SUV – Bequemes Reisen in angenehmem Ambiente mit viel Platz und guter Übersichtlichkeit.

Citroën Advanced Comfort
Erbe der Hydropneumatik im Check

Da stört es nichtmal, dass der Motor eigentlich mehr zu bieten hätte, als das Getriebe bereit ist zuzulassen. Die von der Achtgang-Automatik gewählten Schalt-Zeitpunkte sind selbst in der Sport-Stellung für flotte Fahrer hinderlich früh; ist man dagegen gemütlich unterwegs, steht jederzeit ausreichend Schubkraft bereit. In eine Kurve sollte man sich davon allerdings nicht zu viel mitnehmen, sonst wird in Richtung „Offroad“ untersteuert. Möchte man das Heck zur Mitarbeit überreden, heißt es Gas wegnehmen, vielleicht sogar anbremsen. Auf losem Untergrund funktioniert das wesentlich unterhaltsamer als auf Asphalt, sobald via Gripcontrol-Schalter das Sand-Programm gewählt wird (es gäbe ansonsten noch Schlamm und Schnee). ESP-Eingriffe helfen sanft zurück in die Spur, lassen aber Spielraum zum Spielen.

Citroën Advanced Comfort

Citroen C5 Aircross Fahrbericht Marrakesch 2018 Foto: Wolfgang Groeger-Meier
In Verbindung mit den Advanced Comfort-Sitzen aus mehreren Lagen Schaumstoff unterschiedlicher Dichte, bleibt die Fahrt trotzdem überdurchschnittlich komfortabel.

Das „Citroën Advanced Comfort“-Programm (CAC) wird vollumfänglich gespielt. So sind die CAC-Dämpfer mit hydraulischem Anschlag serienmäßig an Bord. Fiese Schlaglöcher, ruppige Bodenwellen und mit Geröll überschwemmte Wege nimmt der Aircross in der Tat rückenverträglicher als sein Konkurrenzumfeld. Das Gefühl eines fliegenden Teppichs, wie es der Hersteller gerne formuliert, ist dann aber doch ein Stück abseits der Realität. In Verbindung mit den Advanced Comfort-Sitzen aus mehreren Lagen Schaumstoff unterschiedlicher Dichte, bleibt die Fahrt trotzdem überdurchschnittlich komfortabel. Der akustische Komfort stand ebenfalls im Lastenheft. Überlesen wurde der Punkt nicht; das Reisen im C5 Aircross ist angenehm leise, der Motor brüllt nicht über Gebühr und die Außenwelt dringt nur dann geräuschvoll ein, wenn ein Fenster offen steht. Bleibt also genug Ruhe, um sich auf die Materialien im Innenraum einzulassen, die Citroën ebenfalls als Advaned Comfort verstanden haben will.

Citroen C3 Aircross
Unterwegs mit neuem Kompakt-SUV

Interieur und Ergonomie

Die Verarbeitung kann sich sehen lassen, ebenso die Materialauswahl. Während der Fahrt knarzt und klappert es nicht, alles fasst sich gut an – die ohnehin überflüssigen Schaltwippen aus Plastik mal ausgenommen. Mit der Ergonomie ist es im Cockpit so eine Sache. Der Aufbau ist an und für sich logisch und lenkt bei der Bedienung nicht vom Geschehen auf der Straße ab. Auch wenn beispielsweise der Warnblinker weit weg vom Fahrer rechts unter der hervorstehenden Infotainment-Tastenleiste platziert wurde. Oder für den Highway-Assistenten Spurhaltung und Radar-Tempomat separat aktiviert und eingestellt werden müssen. Dass das Infotainment-System keinen Home-Screen zu bieten hat, obwohl uns die Hersteller seit Jahren dahingehend erzogen haben, wirkt auch erstmal befremdlich. Noch störender ist allerdings die Qualität jenes mittigen Touchscreens. Reaktionszeiten und Auflösung sind von gestern, die Rückfahrkamera gleicht einer Handy-Linse von vorgestern. Das fällt deshalb so deutlich auf, weil die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad wirklich gefällig sind. Die Anzeige lässt sich frei konfigurieren und überzeugt mit knackiger Schärfe und reduziertem Design – und hoppla, da war jetzt ja doch etwas Knackiges dabei.

Fazit

Der C5 Aircross ist eine konsequent umgesetzte Bereicherung im SUV-Segment. Nicht nur, weil er mit seinem gelungen frechen Marken-Design aus der Masse hervorsticht. Besonders weil er sich einem Selbstverständnis verschieben hat, das er gut bedienen kann: dem Komfort. Sitze, Fahrwerk und Interieur überzeugen. Ein gewaltiger Antritt würde dazu gar nicht passen, deshalb stört es auch nicht, dass der Blue HDI 180 ein gemütlicher (aber keineswegs schwachbrüstiger) Geselle ist. Lediglich die Achtgang-Automatik dürfte etwas präziser agieren. Selbst überzeugen dürfen Sie sich ab Februar 2019 beim Händler.

Technische Daten
Citroën C5 Aircross Puretech 180 Shine
Grundpreis 36.690 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4500 x 1859 x 1689 mm
KofferraumvolumenVDA 580 bis 1630 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 133 kW / 181 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h
Verbrauch 5,7 l/100 km
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