Elektroauto
Alles über den Zukunfts-Antrieb
1/2021, DFSK Seres 3 2021 Bernd Conrad
1/2021, DFSK Seres 3 2021
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1/2021, DFSK Seres 3 2021 17 Bilder
SUV

Erste Fahrt im China-SUV Seres 3 von DFSK

Elektro-SUV von DFSK Erste Fahrt im Seres 3 aus China

Mit dem Seres 3 steht ein Elektro-SUV aus China in Deutschland beim Händler. Wir waren mit dem kompakten Newcomer zu ersten Testfahrten unterwegs.

Wenn von Elektroautos aus China die Rede ist, die auf den europäischen Markt kommen, dann denkt man an Messeauftritte und Zukunftspläne. Nio ist ein vielversprechender Kandidat mit drei Modellen auf dem chinesischen Markt, von denen die ersten Exemplare wohl 2021 endlich auch mal zu uns kommen sollen. Ob das Byton mit dem M-Byte noch gelingt, darf bezweifelt werden.

Immerhin das Startup Aiways hat den U5 bereits auf den deutschen Markt gebracht. In einer Kooperation mit der Elektro-Fachmarktkette Euronics wird der SUV der Chinesen vertrieben. Bislang sind etwa 200 Autos verkauft worden. Dem gingen Marketingaktionen zur IAA 2019 und eine Presse-Vorstellung im Frühjahr 2020 voraus.

Der Seres 3 steht schon beim Händler

1/2021, DFSK Seres 3 2021
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Dem Seres 3 sollen in Zukunft weitere Modelle mit Elektroantrieb folgen.

200 Autos sind auch vom Seres 3 die erste Europa-Charge. Seres 3 – nie gehört? Das ist nicht schlimm, denn der Importeur Indimo Automotive setzt eher auf den Vertrieb über ein Netz von immerhin knapp 180 Händlern als auf Ankündigungen. Nach einigen Verbrenner-Autos aus China kommt jetzt mit dem Seres 3 ein Elektro-SUV ins Programm.

DFSK, ein Joint-Venture des Staatsunternehmens Dongfeng mit Sokon Motors baut das Elektroauto. Seres wird eine neue Produktmarke für Elektroautos von DFSK, so wie es VW mit den ID-Modellen machen und Hyundai in Kürze mit Ioniq vorhat.

Der optische Auftritt des Seres 3 passt zum leisen Marktstart. Wenn der 4,39 Meter lange Kompakt-SUV in der Einfahrt parkt, dürfte er kaum für Getuschel in der Nachbarschaft sorgen. Der Neuling aus China zeigt ein typisch asiatisches SUV-Design. Bei näherer Betrachtung fällt einzig die blau-schwarze Folie auf der Frontmaske anstelle eines Kühlergrills als Elektro-Merkmal auf.

Unter dem Blechkleid des Seres 3 steckt ein permanenterregter Synchronmotor, der maximal 120 kW (163 PS) leistet und ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern bereitstellt. Die Dauerleistung liegt bei 50 kW (68 PS), angetrieben werden einzig die Vorderräder. Die Energie für den Antrieb stellt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie mit 53,61 kWh (brutto) Speicherkapazität zur Verfügung.

329 km Reichweite nach WLTP

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Guter Federungskomfort, auch auf schlechten Straßen.

Unsere Probefahrten mit dem Seres 3 fanden bei winterlichen Bedingungen mit Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt statt. 345 Kilometer Reichweite sind laut Prognose des Bordcomputers drin, die WLTP-Norm erwartet 329 Kilometer.

Zum Leerfahren und Nachladen des Akkus reichte die Zeit leider nicht aus. Also muss man dem Bordcomputer Glauben schenken, der einen Verbrauch von 22,8 kWh Strom je 100 Kilometer ausspuckt. Das ist trotz der Fotofahrten kein wirklich sparsamer Wert, dürfte im Alltag aber auf rund 18 kWh / 100 km zu drücken sein.

Wechselstrom kann der Seres 3 leider nur einphasig mit maximal 6,6 kW Leistung laden. Auch an einer 22-kW-Ladesäule parkt er also knapp acht Stunden. Auch Schnellladen über CCS ist möglich. Mit 60 kW Ladeleistung soll Gleichstrom in den Akku fließen, eine halbe Stunde soll für 80 Prozent "State of Charge" (Ladezustand) reichen. Kurios: Ab Werk liegt ein Ladekabel für die Haushaltssteckdose im Unterflurfach des Kofferraums. Ein Typ-2-Kabel für öffentliche Ladesäulen im städtischen Bereich muss man sich selbst besorgen.

Über dem Batteriepaket bietet der Seres 3 einen geräumigen Innenraum. Vorne und hinten sitzt man ungedrängt und freut sich auch mit Panoramadach über eine ordentliche Kopffreiheit. Im Fond wird das mit einer flach über dem Boden montierten Bank erkauft, was für stark angewinkelte Beine sorgt.

Sitze und Türverkleidungen sind mit griffsympathischem Kunstleder bezogen. Blaue Kontrastnähte und eine gute Verarbeitung aller Materialien hinterlassen nicht nur auf den ersten Blick einen guten Eindruck.

Apple Car Play oder Android Auto fehlen noch

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Das Cockpit des Seres 3 wirkt modern. Das Lenkrad lässt sich nur in der Höhe verstellen.

Hinter dem leider nur in der Höhe einstellbaren Dreispeichenlenkrad blickt man auf digitale Instrumente, die sich übersichtlich und hochauflösend auf einem 10,25-Zoll-Display versammeln. Gleich groß ist der Touchscreen in der Mitte des Cockpits. Er reagiert schnell auf Fingertipps und zeigt zum Beispiel die Karte des serienmäßigen Navigationssystems an. Leider fehlt eine Smartphone-Integration mit Apple Car Play und Android Auto.

Während der Fahrt muss man den Touchscreen auch bemühen, um die Rekuperationsleistung einzustellen. Schaltwippen oder eine andere analoge Möglichkeit gibt es nicht. Eine Eigenart, die sich der Seres 3 mit dem Aiways U5 teilt.

Die mittlere der drei Rekuperationsstufen heißt "chinesisch", so viel Spaß muss sein. Der Unterschied der drei Stufen ist spürbar. Jedoch ist der Seres 3 auch bei maximaler Energierückgewinnung weit von einem "One-Pedal-Feeling" entfernt.

Der Elektroantrieb reagiert fix auf Befehle am Fahrpedal, verkneift sich aber den imaginären Tritt in den Rücken. So soll das bei einem unaufgeregten Alltags-Elektroauto auch sein. Das Fahrwerk schluckt die meisten Verwerfungen auf dem Asphalt gut weg, der knapp 1,8 Tonnen schwere SUV liegt ruhig. Kritik erntet die Lenkung, die wenig Rückmeldung bietet und damit teils unpräzise wirkt.

Das kostet der Seres 3

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Das Design des kompakten SUV ist wenig aufregend.

Der Seres 3 wird in zwei Ausstattungslinien angeboten. Das Comfort-Modell kostet, vor Abzug der Umweltprämie von 9.570 Euro (inklusive Mehrwertsteuer auf den Herstelleranteil) 36.910 Euro. Navigation, Einzonen-Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Vordersitze und Regensensor sind dann an Bord. Aber leider auch nur zwei Airbags!

40.480 Euro (30.910 Euro nach Abzug der Umweltprämie) kostet der Seres 3 Luxury. Er bringt acht Airbags mit, außerdem Spurhalteassistent, Frontkollisionswarner und Geschwindigkeitsregelanlage. Kameras sorgen für eine 360-Grad-Rundumsicht beim Rangieren, ein Panoramaglasdach für frei Sicht auf den Himmel.

Der Seres 3 ist mit diesen Tarifen günstiger als Mitbewerber vom Schlag eines Kia E-Niro (mit 64 kWh-Akku) oder der leicht größere Aiways U5. Die bieten aber teilweise umfangreichere Garantien und Leasing- oder Finanzierungsmöglichkeiten des Herstellers. Beim Seres 3 muss man das mit dem Händler und seinen Partnern verhandeln.

Genau das kann aber zum Vorteil des Seres 3 werden. Im Gegensatz zu anderen Newcomern aus China kann man ihn beim Autohändler vor Ort zur Probe fahren, kaufen und warten lassen. Lieferbar ist er außerdem, die Händler können Autos aus einem Lagerbestand in Deutschland abrufen.

Fazit

Der Seres 3 macht nach den ersten Kilometern einen soliden und ausgereiften Eindruck. Der Elektroantrieb macht einen guten Job. Realer Verbrauch und Ladeleistung müssen im Rahmen eines längeren Tests überprüft werden.

Viel Platz und gute Verarbeitung stehen auf der Habenseite, ein schnellerer Wechselstrom-Onboard-Lader und eine moderne Smartphone-Integration sollten nachgereicht werden. Mit den genannten Tarifen ist der Seres 3 ein faires Angebot – aber nicht wirklich billig.

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