1/2021, FAW Bestune T77 Pro Bernd Conrad
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SUV

FAW Bestune T77 Pro: China-SUV im Fahrbericht

FAW Bestune T77 Pro (2021) Erste Fahrt im chinesischen Kompakt-SUV

Aus China kommt demnächst der FAW Bestune T77 Pro zu uns. Wir konnten das neue Modell bereits kennenlernen und ausgiebig zur Probe fahren.

Der Parkplatz eines Supermarktes dient als Kulisse für die Reifeprüfung. Eingangsnah und damit vor den Augen sämtlicher Einkaufswagenschieber und Tütenträger parkt der Testwagen. Und fällt dabei den meisten Passanten gar nicht auf. Ein paarmal verlangsamt jemand den Gang oder bleibt gar kurz stehen, betrachtet das Auto wohlwollend. Sucht das Logo im Silber verzierten Kühlergrill. Und geht dann mit Fragezeichen in den Augen weiter.

Kein Wunder, denn weder Marke noch Modell sind hierzulande bekannt. Beim Rotmetallic lackierten SUV-Crossover handelt es sich um einen FAW Bestune T77 Pro. Was sich liest wie die Modellbezeichnung eines Wärmepumpentrockners ist das erste Modell, mit dem der chinesische Autokonzern FAW den deutschen Markt betritt.

FAW ist Kooperationspartner von VW

Das 1953 als "First Automotive Works" gegründete Unternehmen ist einer der größten Autohersteller im Reich der Mitte, produziert u.a. als Joint-Venture-Partner von Volkswagen Modelle wie Golf, T-Roc und bald den ID.4, diverse Audi-Baureihen und die Fahrzeuge der mittlerweile eigenständigen Marke Jetta.

Hongqi H9+
Neuheiten

Zu den Eigengewächsen zählt die Marke Hongqi, die 2019 auch pompös, aber inhaltsleer auf der IAA in Frankfurt ausstellte. Hongqi ("rote Flagge") war jahrzehntelang der Inbegriff der chinesischen Staatslimousine und ist jetzt eine Premiummarke mit SUV und Limousinen im Programm. Daneben unterhält FAW weitere Marken, eine von ihnen ist Bestune.

Importeur Indimo Automotive, der sich bereit um den Vertrieb der chinesischen Marken BAIC und DFSK kümmert und ein Händlernetz von über 170 Betrieben in Deutschland aufgebaut hat, nimmt den FAW Bestune T77 Pro künftig ins Programm. Drei Exemplare sind aktuell zu Test- und Homologationszwecken in Deutschland. Wir nutzten die Gelegenheit für ein erstes Kennenlernen mit ausführlichen Probefahrten.

Nach dem ersten Optik-Check (siehe oben) ist es für den 4,53 Meter langen T77 an der Zeit, seine inneren Werte zu offenbaren. Während das Kofferraumvolumen hinter nicht leider für große Menschen nicht weit genug aufschwingenden Heckklappe als durchschnittlich gelten dürfte (ein Liter-Wert liegt noch nicht vor), beginnt weiter vorne das große Staunen.

Im Fond herrschen verschwenderische Platzverhältnisse in alle Richtungen. Trotz Panorama-Glasdach gibt es wertvolle Zentimeter Leere über dem Kopf und auch vor den Knien des wohlgemerkt 1,92 Meter großen Testsitzers ist noch Spielraum bis zur Lehne der Vordersitze.

Die beiden äußeren Passagiere nehmen auf ausgeformten Einzelsitzen Platz, die mit ihren integrierten Kopfstützen dem vorderen Mobiliar ähneln. Womit wir in die erste Reihe wechseln. Hier thront man etwas zu hoch auf dem elektrisch einstellbaren Fahrersitz. Ein weiterer Kritikpunkt ist das nicht in der Weite einstellbare Lenkrad. Wer weit hinten sitzt, hat die Arme stets etwa zu sehr gestreckt.

In China mit KI von Xiaomi

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Das Cockpit bietet zwei jeweils 12,3 Zoll große Displays, Verarbeitung und Materialien gehen in Ordnung.

Das Cockpit im T77 ist weitestgehend digital gestaltet. Sowohl das Kombiinstrument als auch das Infotainmentdisplay messen jeweils 12,3 Zoll in der Bildschirmdiagonale. Die Auflösung der Monitore ist gut, beim zentralen Touchscreen fällt aber eine manchmal leicht verzögerte Reaktion auf Fingerberührungen auf.

Auf dem chinesischen Heimatmarkt wird der T77 mit einer von Software- und Smartphonehersteller Xiaomi entwickelten künstlichen Intelligenz als On-Board-Assistent ausgeliefert. Dieses System dürfte es vorerst wohl nicht in die Export-Fahrzeuge schaffen. Die Ausstattung des Bestune T77 mit Audio- und Navigationssystem, die in Europa angeboten werden wird, war im Testwagen noch nicht enthalten. Damit überspringen wir in diesem Fahrbericht die Software und widmen uns direkt dem Fahrerlebnis.

Turbomotor und 7-Gang-Doppelkupplung

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Der T77 hat eine Anhängelast von 1.500 Kilogramm.

Der aufgeladene Vierzylinder-Benziner leistet maximal 124 kW /169 PS und entwickelt ein Drehmoment von bis zu 258 Newtonmetern. Brauchbare Werte? Stimmt. So fühlt sich das auch an. Der Motor hängt gut am Gas, das ab frühen 1.500 Umdrehungen anliegende Drehmoment-Plateau sorgt stets für souveränen Vortrieb.

Ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen sortiert die Kraft. Zusammen mit dem Turbomotor sorgt die Schaltbox für ein wesentlich erwachseneres Antrittsverhalten als bei früher getesteten China-Importen mit Saugmotor und stufenloser CVT-Automatik. Beim Ausdrehen in hohe Drehzahlregionen wird der Motor spürbar vorlaut. Wer nicht über den manuellen Schaltmodus bewusst in niedrigen Gängen bleibt oder den Sportmodus des Getriebes wählt, hört aber meist nur ein entferntes Brummen aus niedrigen Drehzahlen.

7,1 Liter soll der FAW Bestune T77 Pro laut WLTP-Norm auf 100 Kilometer verbrauchen, nach den ersten Testfahrten standen Werte knapp unter zehn Litern auf der Anzeige des Bordcomputers. Erst ein späterer Test kann hier aussagekräftige Erfahrungswerte bringen.

Wir waren auf Pirelli-Winterreifen mit 18 Zoll großen Leichtmetallfelgen unterwegs. Damit liegt der T77 relativ straff auf dem Asphalt, bietet aber genug Komfort. Die späteren Serienautos werden 19 Zoll große Leichtmetallfelgen als Teil ihrer Serienausstattung haben. Die Lenkung erfüllt die Ansprüche an ein Familienauto, bietet ausreichend Rückmeldung.

Komplettpaket für unter 29.000 Euro

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Die Bedienung geht leicht von der Hand, wenngleich der Touchscreen manchmal etwas zögerlich wirkt.

In den Export nach Europa wird FAW den T77 als "volle Hütte" schicken. Eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Einparksensoren an Front und Heck mit 360-Grad-Rundumsichtkameras, Spurhalteassistent und Totwinkelwarner werden serienmäßig sein, ebenso LED-Scheinwerfer mit einfachem Fernlichtassistent.

Die Klimaautomatik bietet leider nur eine Temperaturzone für den gesamten Innenraum, hat dafür aber einen speziellen Filter zur Reinigung der einströmenden Luft. Ein Mitbringsel aus dem Heimatland China, wo man in vielen Städten oft mit Smog zu kämpfen hat.

Vier Lackfarben werden zu Wahl stehen, darunter auch die Möglichkeit einer schwarzen Kontrastlackierung für das Dach. Einzige Option wird eine Anhängerkupplung, mit der man die Anhängelast von 1.500 Kilogramm nutzen kann.

28.713,90 Euro wird der Listenpreis des FAW Bestune T77 Pro betragen. Angesichts des großzügigen Platzangebots, der guten Verarbeitung und der kompletten Ausstattung ein fairer Tarif. 24 Monate Garantie werden angeboten, die sich gegen Zuzahlung um ein weiteres Jahr verlängern lassen.

Fazit

Der FAW Bestune T77 Pro hat einen komplizierten Namen, wurde aber nach einem guten Rezept zubereitet. Der Chinese bietet eine gute Qualität und viel Platz zum fairen Preis. Die Infotainmentausstattung und die Verfügbarkeit einer nutzbaren Smartphone-Integration dürfte zur seiner Achillessehne auf dem europäischen Markt werden.

Außerdem müssen Kunden erreicht werden, denen die gebotenen Vorzüge wichtiger sind als Markenimage und ein einfach zu kalkulierender Restwert. Klar ist aber: Der T77 ist gewiss nur ein Anfang.

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