Mercedes-AMG GLS 63 4MATIC+, Exterieur Mercedes-Benz
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Mercedes-AMG GLS 63 4MATIC+

Fahrspaßiger Siebensitzer-SUV

In Amerika ist alles immer etwas Bigger. Genau der richtige Ort für ein Fullsize-SUV wie den Mercedes-AMG GLS 63. Doch kann der Power-SUV auch Fahrspaß?

Ja, er wirkt schon etwas aus der Zeit gefallen der Mercedes-AMG GLS 63 4MATIC+. Gerade hier in Kalifornien zwischen all den Hybriden, Elektro- und Wasserstoff-Autos. Doch der Zeitgeist geht nicht spurlos an dem Power-SUV vorbei: Mit abschaltbaren Zylindern, partikelgefiltert und mild-hybridisiert macht er zumindest ein bisschen auf Öko-Aktivist. Natürlich nicht, weil es gerade hip ist, oder AMG jetzt grün sein will, sondern, weil strengere Emissionsgrenzwerte es erfordern.

So schön lärmt nur ein AMG

Um es vorweg zu nehmen: Zum Anstandsmobil wird der AMG GLS 63 mit seinem 4,0-Liter-Achtzylinder deshalb langen nicht. Denn der V8 verwandelt im Schnitt 11,9 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer nicht nur in viel Leistung, sondern trotz Biturbo- und Partikelfilter-Soundbremse in wunderbaren V8-Lärm. Anderswo verschwinden derweil die steuerbaren Klappen im Auspuff, AMG lässt sie den Fahrer immer noch separat öffnen – Im Namen aller Petrolheads: Vielen Dank dafür!

Ebenso wahnwitzig ist das Beschleunigungsvermögen der 612 PS starken Gelände-S-Klasse: Von null auf 100 km/h geht’s in 4,2 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei 250 km/h begrenzt. Im Testwagen sind dank optionalen AMG Driver’s Package aber 280 km/h möglich.

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Das Beschleunigungsvermögen der 612 PS starken Gelände-S-Klasse: Von null auf 100 km/h geht´s in 4,2 Sekunden.

Austesten lässt sich das jedoch bei maximal 45 mp/h Speedlimit und wachsamer Highpatrol leider nicht. Doch schon kurzes Zwischenbeschleunigungen fühlt sich aus der Franz-Meersdonk-Perspektive unheimlich an. Auch, weil die Neun-Gang-Automatik beim Kickdown die Gänge blitzschnell überspringt und der Startergenerator mit 250 Nm mithilft das Turboloch zu überbrücken.

Mercedes GLS: Comfort-King

Doch erstmal ist cruisen angesagt. Auf dem Achtspurigen Highway ebnet der Testwagen dank serienmäßigem Luftfahrwerk lange und kurze Bodenwellen ein als wären sie gar nicht da – jedoch steht der AMG auf optimalen 23 Zöllern die sich mit Querfugen und Schlaglöchern nicht ganz so gut verstehen. Trotzdem, so entspannt und komfortabel wie im GLS reist man in kaum einem anderen SUV.

Natürlich auch dank einer ganzen Assistenzarmada: Hilfreich im Dauerstau von Los Angeles ist vor allem der Staupilot, der den GLS zum Fahrbahnrand lotst und somit zur Rettungsgassenbildung beiträgt. Hier in Amerika kannst du dabei bis zu 45 Sekunden die Hände vom Lenkrad nehmen, ohne das der Benz den Abstand zu anderen Fahrzeugen verringert, die Spur verlässt oder mit aufdringlichen Warntönen nervt.

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Autonomes Fahren: In Amerika kann man bis zu 45 Sekunden die Hände vom Lenkrad des GLS nehmen.

Der Achtzylinder läuft mit seinen 850 Nm Drehmoment äußerst kultiviert. Richtig leise ist er aber erst, wenn der 22-PS-Startergenerator den Verbrenner im Stop-and-go-Verkehr schnell abschaltet und den Antriebsstrang zum Segeln entkoppelt.

Ober-Klasse das Ambiente

Von diesem Technikzauber bekommen die Insassen derweil aber kaum etwas mit. Sie freuen sich über vielfältig justierbare und voll klimatisierte Sitze samt passgenauer Armauflagen. Natürlich ist hier drinnen jeder Quadratzentimeter mit feinem Leder oder Alcantara sowie edlen Hölzern ausgekleidet und bestens verarbeitet. In Reihe zwei bietet selbst eine S-Klasse kaum mehr Bein- und erstrecht nicht mehr Kopffreiheit. Leider nur für den US-Markt gibt es zwei Einzelsitze für den Fond. Nicht nur für größere Transportaufgaben fährt die serienmäßige Dreierbank elektrisch nach vorn oder klappt ihre Lehne in drei Teilen um, denn so gelangt man auch in die Dritte Sitzreihe.

Fährt hinten keiner mit stehen maximal 2.300 Litern Ladevolumen zur Verfügung. Das toppt nur noch der Super Duty Pickup, dessen überstehende Zwillingsreifen an der Hinterachse sich gerade auf der Nachbarspur breit machen. Vermutlich darf der Kollos auch noch mehr ziehen als der GLS. Doch selbst hier am Meer, kann der 63er bis zu 3,5 Tonnen schwere Bootsanhänger anstandslos zum nächsten Pier ziehen.

Auf „Hey AMG“ hört MBUX leider nicht

Für sehr ordentliche Unterhaltung sorgt das serienmäßige Burmester Surround-Soundsystem samt MBUX-Infotainment, das unter anderem die Routenfindung via Augmented Reality auf dem Widescreen-Cockpit erleichtert. Schade nur, dass die Sprachbedienung nicht auf „Hey AMG“, sondern wie gehabt auf „Hey Mercedes“ reagiert. In puncto Bedienung hat das System wegen seiner etwas grob ansprechenden Touchpads an Lenkrad und Mittelkonsole ohnehin noch kleine Reserven.

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Für sehr ordentliche Unterhaltung sorgt das serienmäßige Burmester Surround-Soundsystem samt MBUX-Infotainment.

Das Handling erleichtern auch die zusätzlichen Touch-Regler im unteren Lenkradkranz für die Fahrdynamik-Abstimmung nicht unbedingt. Da es den GLS 63, anders als die meisten AMG-Modelle nicht als noch schärfere S-Variante gibt, muss er auf ein paar Goodies wie den Race- oder Driftmodus verzichten. AMG-spezifische Anzeigen und einen Rennstrecken-Timer gibt’s aber trotzdem.

Mit 48-Volt gegen die Physik

Letzterer dürfte zwar nur selten zum Einsatz kommen, hat aber durchaus seine Berechtigung. Denn der 5,13-Meter-Riese handelt erstaunlich leichtfüßig und trickst mit 48-Volt-Technik die Physik einfach aus: Seine Wankstabilisierung kämpft mit zwei elektromechanischen, unabhängig voneinander arbeitenden Aktuatoren an Vorder- und Hinterachse aktiv gegen die Seitenneigungskräfte an.

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Dank einer Wankstabilisierung unterdrückt der 2,6 Tonner ungewollte Lastwechselreaktionen und lässt sich jeder Zeit leicht kontrollieren.

So unterdrückt der 2,6 Tonner ungewollte Lastwechselreaktionen und lässt sich jeder Zeit leicht kontrollieren. Der Grip reißt dabei selbst auf der recht groben Asphaltdecke dank des vollvariablen Allradantriebs sowie Michelin Pilot Sport 4S-Reifen im Format 285/40 vorn und 325/35 hinten nicht ab. So schlängelt sich der AMG präzise durch das Kurven-Wirrwarr der Santa-Monica-Mountains. Da ist der GLS trotz seiner Abmessungen ein typischer AMG. Das gilt leider auch für den Preis von rund 150.000 Euro.

Fazit

AMG bläst den GLS mit V8-Biturbo und Mild-Hybrid-Power mächtig auf. Der Riesen-SUV bietet Platz für bis zu sieben Personen und neben luxusklassigem Federungskomfort auch noch agiles Handling.

Technische Daten

Mercedes AMG GLS 63
Hubraum / Motor 3982 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 450 kW / 612 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
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